Der Aufstiegskampf in der Kreisliga A1 in Essen ist komplett schmutzig geworden. Al-Arz Libanon und der SC Türkiyemspor kämpfen derzeit punktgleich um die Spitzenposition, allerdings haben Letztere aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs derzeit denkbar knapp die Oberhand. Am vergangenen Wochenende wurde jedoch das Spiel von Türkiyemspor in Altenessen vorzeitig abgebrochen.
Wie die WAZ berichtet, kam es schon während des Spiels zu Provokationen von anwesenden Al-Arz-Spielern gegenüber den Konkurrenten. Nach dem 3:2-Führungstreffer des Tabellenführers kam es letztendlich zum Eklat: Türkiyemspor-Trainer Hasan Fidan wurde bei einem Schlichtungsversuch von einer geworfenen Glasflasche im Gesicht verletzt. Er erlitt einen Nasenbeinbruch und musste zweimal operiert werden. Die Polizei kam mit einem Großeinsatz. „Das war ein Skandal, den man nicht schönreden kann. Alles lief nach Plan, auch wenn Al-Arz immer wieder versucht hat, uns aus dem Konzept zu bringen“, sagte Yunus Bucuka, der zweite Trainer der Mannschaft gegenüber dem Reviersport.
Fidan selbst meldete sich einen Tag später in der WAZ zu Wort: „Ich kann nicht arbeiten, ich kann nicht bei meiner Familie mit unserem frischgeborenen Baby sein – stattdessen sitze ich hier im Krankenhaus“, sagte er dort. „Klar kämpfen da zwei Mannschaften um den Aufstieg, aber das muss doch nicht so schmutzig werden. Das muss nicht sein, es ist schließlich Amateursport.“ Gegen den Täter wurde Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erstattet. Der Tatverdächtige soll ein 31-jähriger Spieler von Al-Arz sein, der gerade erst eine Sperre abgesessen habe.
Wie das Spiel gewertet wird, entscheidet nun das Sportgericht. Wenn keine der beiden Mannschaften ursächlich für einen Abbruch ist, wird die Partie für gewöhnlich neu angesetzt. Der Verein Türkiyemspor argumentiert jedoch, dass die Sportfreunde Altenessen für das Spiel zu wenige Ordner gestellt hätte. Der Klub wehrt sich jedoch gegenüber diesen Vorwürfen: „Als Gastgeberverein haben wir bereits im Vorfeld mit einer erhöhten Zuschauerzahl gerechnet und entsprechende Maßnahmen getroffen. So haben wir mehr Ordner eingesetzt als vorgeschrieben oder im regulären Spielbetrieb üblich.“ Schon als sich die Situation zugespitzt hätte, sei die Polizei verständigt und nach der Eskalation die Zahl der eingesetzten Ordner umgehend erhöht worden. „Nach unserer Überzeugung haben wir damit alles in unserer Macht stehende getan, um die Sicherheit auf der Anlage zu gewährleisten.“ Mehr sei für einen ehrenamtlich geführten Amateurverein organisatorisch und finanziell nicht leistbar.
Al-Arz Libanon hat derweil über die eigenen Social-Media-Kanäle Konsequenzen angekündigt: „Sollte sich dieser Vorfall bestätigt haben, distanzieren wir uns ausdrücklich von einem solchen Verhalten. Gewalt, Unsportlichkeit und respektloses Verhalten haben in unserem Verein keinen Platz. Wir möchten dem betroffenen Trainer unser Bedauern ausdrücken und wünschen ihm eine schnelle und vollständige Genesung.“ Gleichzeitig habe sich dieser Vorfall nicht durch Personen ereignet, die im Rahmen einer offiziellen Vereinsaufgabe gehandelt hätten: „Als Verein tragen wir Verantwortung für das Geschehen auf unserer Heimanlage und bei unseren offiziellen Veranstaltungen. Wir können jedoch nicht kontrollieren, welche Personen privat andere Spiele besuchen oder wie sie sich außerhalb des Vereinsbetriebs verhalten.“ Der Verein schreibt weiter: „Wir appellieren an alle Beteiligten, den Sachverhalt sachlich zu betrachten und die Ermittlungen beziehungsweise die Aufklärung des Vorfalls abzuwarten. Einzelne Vorwürfe dürfen nicht dazu führen, dass ein gesamter Verein unter Generalverdacht gestellt oder beleidigt wird.“