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Düsseldorf – Das Leben nach dem Tod beginnt in einer Handy-App. Mit ihr können die Hinterbliebenen jeden Schritt des Verstorbenen bis zur Beisetzung verfolgen. Wie eine letzte schnelle Fahrt in einem Porsche-Leichenwagen, gebettet in eine Urne, die aus Pilzen hergestellt wurde und sich deshalb in Rekordgeschwindigkeit zersetzt. Willkommen in der Zukunft der Bestattungen.

Gestorben wird immer, heißt es. In Deutschland eine Million Mal pro Jahr. Um die Toten kümmern sich rund 3300 Bestatterfirmen mit teils mehreren Filialen. Seit Mittwoch präsentiert die Branche die neuesten Trends auf dem „BEFA Forum“ in Düsseldorf. Die Fachmesse findet alle vier Jahre statt.

Karl Wilhelm (42) aus Waldmünchen (Bayern) zeigt die RIP App aus dem Handy, mit der die Hinterbliebenen sehen können, an welcher Station sich der Verstorbene befindet

Karl Wilhelm (42) aus Waldmünchen (Bayern) zeigt die RIP App aus dem Handy, mit der die Hinterbliebenen sehen können, an welcher Station sich der Verstorbene befindet

Foto: marco stepniak

Eine App für die Ewigkeit

Als eine Kollegin den Standort ihrer Lieferung trackte, kam Karl Wilhelm, CEO von RIP Solutions, die Idee: „Es kann nicht sein, dass wir sehen, wo eine Bestellung ist, aber die Angehörigen nicht wissen, wo sich der Verstorbene nach seiner Abholung befindet. So haben wir den weltweit ersten digitalen Sarg erfunden und ihn europaweit patentieren lassen.“ Dazu braucht es einen Tracker (59 Euro), der mit NFC und Bluetooth ausgestattet ist, und ein Gateway-Gerät, welches die GPS-Daten erfasst und mit dem Tracker kommuniziert.

Hier wurde der Tracker an einer Urne angebracht

Hier wurde der Tracker an einer Urne angebracht

Foto: marco stepniak

In einer kostenlosen App können Hinterbliebene die Stationen (Abholung, Kühlung, Versorgung, Verabschiedung, Krematorium, Trauerfeier und Beisetzung) verfolgen und wissen immer, wo sich der Verstorbene befindet. Nach der Beisetzung wird der letzte Standort übermittelt und der Tracker umweltfreundlich für den nächsten Kunden aufbereitet. Dieser Ort ist gerade bei anonymen Bestattungen, auf See, im Wald oder im Fluss für Hinterbliebene wichtig.

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Gunnar Göbelsmann (58) aus Wuppertal (NRW) mit einer Urne vor dem Porsche-Leichenwagen. Sowohl vorn als auch hinten ist im Taycan Platz für sie

Foto: marco stepniak

Der schnellste Leichenwagen Deutschlands

598 PS und bis zu 280 km/h schnell. Gunnar Göbelsmann macht die letzte Fahrt im Elektro-Porsche Taycan möglich. Vor fünf Jahren kam ihm die Idee, als der Bestatter mit seinem Porsche zu einer Kundin fuhr. „Ich hatte ihn ein Stück weiter abgestellt, aber die Kundin sah ihn und meinte: ‚Mein verstorbener Vater wollte immer einen Porsche, könnten Sie seine Urne nicht mitnehmen?‘“

Auf der Porsche-Zulassung ist Leichenwagen vermerkt. Genauso die dafür erforderliche Bestättigung, dass der wa´

Auf der Porsche-Zulassung ist Leichenwagen vermerkt. Genauso die dafür erforderliche Bestätigung, dass der Taycan auslaufsicher umgebaut wurde

Foto: marco stepniak

Zwei Tage vor der Messe meldete der Chef der Firma Pharopack-Bestattungswagen den Porsche – nach leichtem Umbau und TÜV-Abnahme – als Leichenwagen an. In dieser kurzen Zeit brachte er bereits acht Urnen zum Friedhof. Das Interesse ist groß: Zwei Bestatter aus Polen wollen ihn unbedingt haben. Wert des drei Jahre alten Wagens: etwa 85.000 Euro. Eine gewünschte Überführung der Urne im Porsche kostet bei Göbelsmann bis 50 Kilometer 100 Euro extra.

Dieser Sarg besteht aus diesen Pilzen. Innerhalb von sieben Tagen ist genug Material für einen Sarg gewachsen

Dieser Sarg besteht aus diesen Pilzen. Innerhalb von sieben Tagen ist genug Material für einen Sarg gewachsen

Foto: marco stepniak

Pilz-Sarg verschwindet in 45 Tagen

Bereits im Abitur plante Bob Hendrikx (32) aus den Niederlanden, mit Pilzen als Baustoff zu arbeiten. „Es war das Thema meiner Abschlussarbeit. Im Studium der Architektur kam dann die Idee, Särge daraus zu machen“, erzählt Hendrikx BILD. Er gründete 2019 die Firma Loop Biotech. Der Clou: Die Särge und Urnen aus Pilzen bauen sich in der Erde nach nur 45 Tagen komplett ab.

Bob Hendrikx (32) neben einem aufgestellten Pilz-Sarg, der mit Moos ausgelegt wurde

Bob Hendrikx (32) neben einem aufgestellten Pilz-Sarg, der mit Moos ausgelegt wurde

Foto: marco stepniak

Um welchen Pilz es sich handelt, ist geheim. Hendrikx: „Es ist aber ein lokaler Pilz, er wird im Labor gezüchtet. In nur sieben Tagen ist genug Material für einen Sarg gewachsen.“ Standardmäßig werden die Särge mit Moos ausgelegt. Es ist aber auch Schaf- oder Biobaumwolle möglich. Ein Sarg kostet zwischen 2000 und 3000 Euro.

Diese Handtaschen sind Urnen. Jürgen Krupp (57), Geschäftsführer von C. Miesen, vertreibt sie in Deutschland

Diese Handtaschen sind Urnen. Jürgen Krupp (57), Geschäftsführer von C. Miesen, vertreibt sie in Deutschland

Foto: marco stepniak

Eine Handtasche für die letzte Reise

Sie kommen natürlich aus Italien und sind der Hingucker der Messe: Urnen in Handtaschenform (Preis: 600 Euro). Jedes Stück ist ein Unikat, handbemalt und deutlich schwerer, als es aussieht. In den ersten vier Stunden verkauften Jürgen Krupp und sein Team acht Urnen-Taschen.

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Krupp, der eigentlich Leichenwagen und andere Spezialfahrzeuge baut, zu BILD: „Ich hatte sie vor zwei Jahren auf einer Messe in Italien entdeckt, aber der Hersteller antwortete nicht auf unsere Anfrage. Vor vier Wochen haben wir sie auf einer Messe in Bologna wiederentdeckt und können sie jetzt erstmals in Deutschland präsentieren.“

Futuristischer Blick. Diesen BMW-Leichenwagen zeigt Krupp auch auf der Messe. Der 5er BMW hat 197 PS und ist 6,63 Meter lang. Im Fond sind 5 Sitzplätze, damit die Familie des Verstorbenen mitfahren kann

Futuristischer Blick. Diesen BMW-Leichenwagen zeigt Krupp auch auf der Messe. Der 5er BMW hat 197 PS und ist 6,63 Meter lang. Im Fond sind 5 Sitzplätze, damit die Familie des Verstorbenen mitfahren kann

Foto: marco stepniak