Am Donnerstag kommen aus Russland und der Ukraine Signale für diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schlägt dem russischen Staatschef Wladimir Putin in einem offenen Brief ein Treffen vor, um ein Ende des Krieges zu vereinbaren. Die Mehrheit der Russen sei der ukrainischen Raketen- und Drohnenangriffe, der Inflation und der Treibstoffknappheit überdrüssig und bereit für den Frieden, erklärt Selenskyj. Sollte Putin nicht zu dem Schluss kommen, dass es Zeit für ein Kriegsende sei, werde die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpfen. Dies könne Putins Machtposition gefährden. „Es ist eine ‌Tatsache in der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, steht ein Wandel bevor“, heißt es in dem Schreiben.

Der russische Präsident Wladimir Putin ist derweil nach eigenen Worten zu einer diplomatischen Lösung des Ukraine-Kriegs bereit. Dabei wolle er sich an Kompromisse halten, auf die er sich mit US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen in Alaska verständigt habe, sagt Putin am Rande eines Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Wenn auch die ukrainische Seite diesen nicht näher bezeichneten Vereinbarungen zustimme, werde der Konflikt schnell enden. Notfalls werde Russland ‌die Ukraine aber auf dem Schlachtfeld besiegen. Putin bekräftigt seine Forderung, dass die Ukraine für Frieden den ‌Rest der ostukrainischen Donbass-Region aufgeben müsse. ⁠Russland kontrolliere inzwischen die Region Luhansk vollständig und Donezk zu mehr als 85 Prozent, so der Präsident.

Putin brachte zudem den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Mittelsmann zwischen Russland und ‌Europa ins Spiel. „Wer sonst als Schröder könnte als Vermittler auftreten?“, sagte Putin vor Journalisten in St. Petersburg. Schröder sei vertrauenswürdig und nicht sein Freund, sondern ein deutscher Staatsmann, der seine eigenen Ansichten habe ⁠und bereit sei, für diese einzustehen. Moskau versuche Europa jedoch nicht vorzuschreiben, wen es für Gespräche mit Russland benennen solle.

Zudem habe Russland nichts gegen die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Spiel gebrachte assoziierte EU-Mitgliedschaft der Ukraine. „Das geht uns nichts an. Wir sind nicht dagegen“, sagte Putin bei dem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, im Konstantin-Palast in St. Petersburg. Moskau habe nichts gegen wirtschaftliche Verbindungen und Integration auf dem europäischen Kontinent einzuwenden.

„Wir sind dagegen, dass sich die EU in einen Militärblock verwandelt“, das wecke Sorgen in Russland, betonte Putin zugleich. Seit Beginn des von Putin befohlenen Kriegs unterstützen die EU und deren Mitglieder die von Russland angegriffene Ukraine, darunter auch mit Waffenlieferungen. Wegen der Spekulationen um einen zumindest teilweisen US-Truppenrückzug aus Europa mehren sich zudem Stimmen, die eine stärkere militärische Zusammenarbeit der EU-Länder fordern.

Auch sei Russland bereit, die Erdgaslieferungen nach Deutschland durch die Pipeline Nord Stream wieder aufzunehmen. Die Entscheidung darüber liege nun bei der Bundesregierung in Berlin, sagt Putin. Die Pipeline war 2022 bei Unterwasser-Explosionen schwer beschädigt worden.