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Berlin – Nutzt Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) den Christopher Street Day (CSD) für seinen Wahlkampf? Die Senatskanzlei hat einen eigenen Truck für die Parade Ende Juni angemeldet. Kosten: fast 400.000 Euro!
Der CSD ist jedes Jahr eine der größten Veranstaltungen in der Hauptstadt. Hunderttausende Teilnehmer und Zuschauer werden am 25. Juli erwartet, wenn der Umzug vom Spittelmarkt über Potsdamer Platz und Nollendorfplatz zum Brandenburger Tor zieht. Sie demonstrieren für Toleranz und gegen Homophobie.
In den vergangenen Jahren gab es Zoff zwischen Wegner und den CSD-Veranstaltern. Sie warfen ihm ungenügende Unterstützung für ihre Ziele vor und versagten ihm die Eröffnungsrede. Wegner ging trotzdem hin und fuhr auf den Trucks von BVG, Aids-Hilfe und Evangelischer Kirche mit. Jetzt bekommt der Regierende seinen eigenen Parade-Wagen!

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) war mehrfach beim Berliner CSD dabei
Foto: Olaf Selchow
Die Senatskanzlei ließ über „Berlin Partner“ einen Truck bei den CSD-Veranstaltern anmelden. Billig ist das nicht: „Für die Umsetzung der Informationsmaßnahmen und die Realisierung des Berlin-Wagens stellt die Senatskanzlei rund 140.000 Euro (netto) bereit“, so Senatssprecherin Christine Richter (62) zu BILD: „Ergänzend unterstützt die Partner für Berlin Holding Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH das Vorhaben mit Sachleistungen im Wert von rund 235.000 Euro (netto).“ Macht zusammen 375.000 Euro!
„Berlin Partner“ wird vom Land Berlin, der IHK und anderen Verbänden getragen. Die Firma ist für Wirtschaftsförderung und Investorenwerbung zuständig.
SPD übt Kritik an CSC-Plan
Aus der SPD kommt Kritik an den hohen Kosten – und ein Vorwurf: „Es sieht aus, als ob sich Kai Wegner die Teilnahme am CSD erkaufen will“, so ein Genosse zu BILD. „Und das ausgerechnet zwei Monate vor der Wahl.“ Es ist das erste Mal, dass der Senat mit einem eigenen Wagen beim CSD vertreten ist.
Senatssprecherin Richter: „Auf dem Wagen werden Vertreter verschiedener Initiativen, Institutionen und des Regenbogen-Netzwerks der Berliner Verwaltung mitfahren. Darüber hinaus werden der Regierende Bürgermeister und weitere Mitglieder des Senats erwartet.“
So soll der CSD-Truck des Senats aussehen
Zum Einsatz komme ein doppelstöckiger Truck unter dem Namen „Regenbogenhauptstadt Berlin“ in den Farben der Regenbogenflagge und mit dem Berliner Bären. „Eine sichtbare Kennzeichnung des Senats oder der Senatskanzlei auf dem Fahrzeug ist nicht vorgesehen“, so Richter. „An beiden Seiten des Wagens werden LED-Wände installiert.“
Experten sind von den hohen Kosten des Senat-Trucks überrascht. „Doppelstöckige Ausführung ist heute nichts Besonderes mehr“, so ein Techno-Veteran zu BILD. „Miete, maximal drei Tage Aufbau, mit Personal am Veranstaltungstag, macht etwa 35.000 Euro.“
Unklar, ob Wegner dieses Jahr den CSD eröffnen wird. „Das Programm steht noch nicht fest“, so CSD-Vorstand Thomas Hoffmann zu BILD. „Grundsätzlich freuen wir uns über die Beteiligung unterschiedlichster gesellschaftlicher Akteur*innen. Bereits in der Vergangenheit haben sich Bezirksämter, Bundesministerien oder Botschaften beteiligt.“