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Notaufnahmen am Limit: Kliniken fordern endlich Entlastung. (Symbolbild)
Bild: dpa | Hendrik Schmidt
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Laut Experten sind dort zu viele Patienten, die auch anderswo behandelt werden könnten. Das liege auch an Defiziten in der medizinischen Versorgung im Land.
Mal ist es eine fiebrige Erkältung. In anderen Fällen sind es kleinere Sportverletzungen oder Bauchschmerzen. Die Gründe, aus denen die Menschen im Land Bremen die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen, sind vielfältig – nicht immer, aber zwingend. Die Folge: Bremens Notaufnahmen sind zeitweise überfüllt, zum Leidwesen der Patientinnen und Patienten. Denn je voller eine Notaufnahme ist, desto mehr Patienten müssen auf ihre Behandlung warten – möglicherweise auch dann, wenn sie keine Zeit zu verlieren haben.
Deshalb schlagen die Krankenhäuser in Bremen und Bremerhaven Alarm. Sie fordern Entlastung für die Notaufnahmen, das haben sie bei der Präsentation des neuen Krankenhausspiegels Anfang Juni deutlich gemacht. Über die Hintergründe hat buten un binnen mit Judith Borsch, der Geschäftsführerin der Bremer Krankenhausgesellschaft, und Martin Langenbeck, dem Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Rotes Kreuz Krankenhauses (RKK), gesprochen.
Glaubt, dass ein breiteres Wissen in der Bevölkerung zu einfachen medizinischen Sachverhalten die Notaufnahmen entlasten könnte: Chefarzt Martin Langenbeck.
Bild: Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen gGmbH
Wer gehört in die Notaufnahme eines Krankenhauses?
Insbesondere Menschen, für die Lebensgefahr besteht. Das betrifft etwa Patientinnen und Patienten, die möglicherweise einen Herzinfarkt erlitten haben, sagt Langenbeck. Typische Symptome dafür seien starke Schmerzen in der Brust, die ausstrahlen, sowie ein Engegefühl und Atemnot. Oft kämen Schweißausbrüche, Übelkeit und Angst hinzu.
Auch bei Verdacht auf einen Schlaganfall sei die Notaufnahme die richtige Anlaufstelle. Als typische Symptome nennt Langenbeck hier halbseitige Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen: „Da sollte man sofort den Rettungsdienst rufen.“ Denn der Rettungsdienst wisse auch, welche Notaufnahme bei welchen Beschwerden die beste Wahl sei.
Andere Situationen, in denen man den Rettungsdienst rufen solle, seien etwa epileptische Anfälle, Bewusstlosigkeit, Unfälle mit Chemikalien, schwerere Verbrennungen oder auch bei Fehlstellungen, die auf Knochenbrüche hindeuten.
An wen sollte man sich im Zweifelsfall wenden?
Wer keinen Hausarzt hat oder den es etwa am Wochenende plötzlich übel erwischt, kann sich überall in Deutschland über die Telefonnummer 116 117 an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Wer das macht, der wird bereits am Telefon beraten, was der nächste sinnvolle Schritt wäre. „Das wissen viele Menschen gar nicht“, sagt Langenbeck.
Doch auch der Anruf beim Rettungsdienst unter der Nummer 112 ist im Zweifel eine gute Entscheidung, sagt Judith Borsch. Denn die Leitstelle mache sich zunächst am Telefon ein Bild von der Problematik – und entscheide dann, ob sie „nur“ Sanitäter oder auch einen Notarzt losschickt. Am Unfallort untersuchen die Sanitäter die betroffene Person und entscheiden erst danach, ob sie die Notaufnahme ansteuern.
Judith Borsch führt die Geschäfte der Krankenhausgesellschaft Bremen und vertritt somit die Interessen aller Krankenhäuser im Zwei-Städte-Staat.
Bild: Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen e. V.
Weshalb kommen trotz dieser Vorauswahl durch den Rettungsdienst mehr Menschen als nötig in die Notaufnahmen?
Viele gingen einfach zu Fuß dorthin oder würden von Angehörigen vorbeigebracht, sagt Borsch. „Das machen manche Leute einfach deshalb, weil sie keinen Hausarzt haben“, erklärt Langenbeck. Manche wüssten gar nicht, wo sie sonst hingehen sollten. Auch um diesem Mangel entgegenzuwirken, habe das RKK kürzlich ein ärztliches Versorgungszentrum für ambulante Behandlungen gegründet. Das habe zu einer spürbaren Entlastung der Notaufnahme geführt.
Seit wann strömen immer mehr Patienten in die Notaufnahmen?
Angefangen habe das etwa zwei oder drei Jahre vor Ausbruch der Corona-Pandemie, sagt Langenbeck, also ungefähr 2017. In den Jahren der Pandemie sei es zwar zu einem Rückgang an Patienten in der Notaufnahme gekommen, danach aber seien die Zahlen drastisch angestiegen: „weit über das Vor-Corona-Niveau“, so Langenbeck.
Wie viele der Patienten in den Notaufnahmen gehören tatsächlich dorthin?
Langenbeck glaubt, dass fast die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die in die Notaufnahmen kommen, anderweitig versorgt werden könnten, wäre die ambulante Versorgung in allen Fachrichtungen ideal. Das aber sei im Land Bremen nicht der Fall. So mangele es nicht nur in einigen Disziplinen an Fachärzten. Auch fehlten einigen Praxen gute Ultraschall- und Röntgengeräte.
„Wir haben sehr viele unfallchirurgische Patienten. Umgeknickter Knöchel, eine Wunde, die genäht werden muss – so was“, erklärt Langenbeck beispielhaft. Um diese Menschen ambulant gut zu versorgen, seien die Strukturen im Land Bremen nicht optimal.
Wie ließen sich die Probleme der Notaufnahmen lösen?
Mehr Hausärzte und andere Fachärzte im Land Bremen könnten helfen, sagen Langenbeck und Borsch. Borsch kritisiert in diesem Zusammenhang, dass es im Land Bremen keine Uni gibt, die ein Medizinstudium anbietet. Bremen sei deswegen „abgehängt, was den Anreiz für Medizinstudenten angeht, hier Arzt zu werden“, sagt sie. Die nächste medizinische Fakultät einer Universität von Bremen aus gesehen sei in Oldenburg.
Für echte Entlastung der Notaufnahmen könnte zudem eine bessere medizinische Grundbildung der Bevölkerung sorgen, glauben Borsch und Langenbeck. Der Chefarzt hat den Eindruck, dass die allgemeine medizinische Bildung unter den Menschen im Vergleich zu früheren Generationen schwächer geworden ist.
Helfen könnten in diesem Zusammenhang moderne Tools, wie sie einige Krankenkassen bereits jetzt für das Handy anböten. „Da kann man Symptome eingeben und die App sagt einem dann, ob man die Notaufnahme aufsuchen oder 116 117 anrufen soll“, so Langenbeck.
Notaufnahme überfüllt: Das will ein Bremer Krankenhaus ändern
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Notaufnahme überfüllt: Das will ein Bremer Krankenhaus ändern
Zwei Drittel aller Patienten in der Notaufnahme des Diako gehören dort eigentlich gar nicht hin. Wie das Krankenhaus darauf jetzt reagiert.
Quelle: Radio Bremen



