
AUDIO: „Triennale der Photografie“: Internationale Ausstellungen in Hamburg (3 Min)
Stand: 05.06.2026 08:08 Uhr
Die neunte Triennale der Photographie feiert von Freitag 5. Juni an Fotos internationaler Künstlerinnen und Künstler quer durch Hamburg – vereint unter dem Titel: Alliance, Infinity, Love – Verbundenheit, Unendlichkeit und Liebe.
Elf Ausstellungen in acht Museen und weiteren Ausstellungshäusern zeigen sehr unterschiedliche Facetten der Fotokunst. In Zeiten, in denen geschätzt täglich mehr als 90 Millionen Selfies gemacht werden, will diese Triennale den Blick des Gegenübers in den Fokus nehmen.
Umwerfende Bilder internationaler Künstlerinnen und Künstler
Inuit in Grönland während des kurzen Sommers, ästhetisch inszenierte, afrikanische Männerkörper, stark und verletzlich zugleich, ein Rentnerehepaar in seinen Wohnzimmersesseln – allerdings sind die beiden nackt, weil sie zu einer FKK-Community gehören: Die titelgebende Ausstellung in den Deichtorhallen ist bereits umwerfend. Mark Sealey, künstlerischer Leiter der gesamten Triennale, hat sie zusammen gestellt.

Er fotografierte auf Trümmern nach dem Krieg und am Machu Picchu: F.C. Gundlach gab der Modefotografie ein neues Gesicht.
Eigene Grenzen durch Kunst erweitern
Sein unbedingter Tipp für die Reise durch die elf Ausstellungen: „Am besten geht man da absolut offen rein. Dann wird das ein Erlebnis“, sagt Sealey. „Man wird Dinge sehen, die man kennt, aber auch Fremdes, das einen womöglich unangenehm berührt.“ Genau das sei der Lerneffekt. „Ich hoffe immer, wenn ich ein Museum besuche, dass ich dort etwas sehe, was mich jenseits meiner Grenzen katapultiert. Das ist das Aufregende von kulturellen Angeboten.“

Die Deichtorhallen präsentieren unter anderem Fotos aus der Sammlung von F.C. Gundlach.
Die Idee zum Titel lag für Mark Sealey fast auf der Hand – und wurde unter anderem von einem Lied des amerikanischen Musikers Nat King Cole inspiriert: „Nature Boy“ von 1948. Die Kernbotschaft: Das Größte, was wir lernen, ist zu lieben und geliebt zu werden. „Wir leben in schwierigen Zeiten. Wenn wir Allianzen bilden, dann überwinden wir Unterschiede. Unendlichkeit, das bedeutet auch Hoffnung. Liebe ist hier vor allem als aktivistische Handlung, als Umarmung gemeint“, so Sealey.
Historisch, zeitgeschichtlich und künstlerisch
Lebens- und Arbeitsrealitäten in den 1970er- und 80er-Jahren von Frauen in England im Museum der Arbeit, historische Fotos aus Peru im MARKK, neu geordnete Fotos aus der Kolonialzeit im MKG oder Werke von mehr als 40 internationalen Fotografinnen und Fotografen in der Kunsthalle, um nur einige Ausstellungen zu nennen. Wie gut, dass bis Ende September Zeit ist, diese vielen Bilder auf sich wirken zu lassen.
Deichtorhallen packen Gundlachs Privatsammlung aus
Der Hamburger Modefotograf und Sammler F. C. Gundlach (1926-2021) hat die Triennale 1999 gegründet. Da sind natürlich auch Werke von ihm zu sehen – im Bucerius Kunst Forum. Unter dem Titel „Cocktail Prolongé“ zeigen die Deichtorhallen Fotos aus der Privatsammlung Gundlachs, zusammengestellt von Sabine Schnakenberg, der Leiterin von Gundlachs Sammlung dort. „Gundlach hat mindestens 35 Jahre seines Lebens jeden Tag damit verbracht, Klamotten über dünne Frauen zu werfen, um die dann zu fotografieren“, erklärt Schnakenberg. „Dieser Mann hat seit Mitte der 70er-Jahre Fotografien berühmter Fotografen gesammelt und ich habe mich gefragt: Was bevorzugt er an körperlichen Inszenierungen von anderen Menschen?“

Die Sammlung des Hamburger Fotografen bleibt mindestens für weitere 20 Jahre in den Deichtorhallen und wird sogar noch erweitert.
Brutal, offen und nicht für Kinder
Die Antwort an den Wänden ist beeindruckend: queer, bunt, manchmal brutal und sehr offen und körperlich. Für Kinder ist diese Ausstellung sicher nichts. Ansonsten gilt: Unbedingt und möglichst alle Ausstellungen mit weit offenem Geist angucken! Es lohnt sich!
Von Freitag, 5. Juni an sind die meisten Ausstellungen geöffnet; ab dem Wochenende dann alle. Es gibt ein bis zum 14. Juni gültiges Triennale Ticket für 35 Euro. Damit kann man alle Ausstellungen einmalig besuchen. Danach bezahlt man den jeweiligen, regulären Museumseintritt.

Auf der 9. Triennale der Fotografie in Hamburg zeigt Roxana Rios – Fotografie und Performance – ihre Sicht auf die eigene brasilianische Familiengeschichte.

Gundlach galt als einer der bedeutendsten Modefotografen der Nachkriegszeit. Geboren wurde der Gründer des Hauses der Photographie am 16. Juli 1926.

Das Altonaer Museum zeigt bis zum 15. Juni die wichtigsten „World Press Photos“ des vergangenen Jahres.