Herford. Das Wetter hatte beim Landluftkonzert zwar seinen eigenen Auftritt, aber das Publikum ließ sich davon nicht aus dem Takt bringen: Schirme, Regencapes und sogar große Planen fanden ihren Weg auf den Hof von Laer – und ließen allein das Wetter im Regen stehen. Passend zu den ersten Tönen rissen die Wolken auf und bescherten dem Konzert doch noch trockenes, zeitweise sogar sonniges Wetter.

Bereits lange vor dem offiziellen Einlass um 15 Uhr hatten die ersten Besucher ihre Plätze in Beschlag genommen Claudia Riemke (60) und Birgit Zirbes (57) aus Löhne waren am frühesten da. Schon kurz vor 14 Uhr saßen sie an den begehrten Tischen mit Blick auf die Bühne. „Wir wollten einen guten Platz haben“, erklärte Riemke. Im Laufe des Nachmittags stießen nach und nach die übrigen Mitglieder der elfköpfigen Gruppe dazu. Und sie alle waren gut vorbereitet: Eine rund 20 Quadratmeter große Abdeckfolie schützte Tisch und Proviant.

Während Riemke bereits zum zweiten Mal beim Landluftkonzert dabei war, feierte ihre Freundin Premiere. „Ich war überrascht, dass so viel Filmmusik gespielt wird“, sagte Zirbes. „Ich hatte eher an Beethoven gedacht.“

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Große Filmmomente für die Ohren

Und tatsächlich stand der Abend ganz im Zeichen der großen Leinwand. Moderatorin Julia Ures versprach zu Beginn eine musikalische Reise durch mehr als 100 Jahre Filmgeschichte. „Wir begegnen heute Zauberern und Dinosauriern, Piraten und Gladiatoren, Geheimagenten, Zeitreisenden und Cowboys“, kündigte sie an. Filmmusik begleite Filme nicht nur, sondern erzähle selbst Geschichten: „Sie macht Helden groß, Schurken gefährlicher, Abenteuer aufregender und Abschiede unvergesslich.“

Unter der Leitung von Frank Beermann entfaltete die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) die ganze Bandbreite orchestraler Filmmusik – von großen Emotionen bis zu spannungsgeladenen Klangwelten mit „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „Jurassic Park“.

Besonders aufmerksam verfolgt wurde die Interpretation von „My Heart Will Go On“ aus „Titanic“. Zahlreiche Smartphones wurden im Publikum gezückt, als Sopranistin Julia Bauer die bekannte Melodie sang. Für Spannung sorgte das markante Thema aus „Mission Impossible“, dessen ungewöhnlicher 5/4-Takt eine ständige Erwartungshaltung erzeugt.

Ein besonderes Instrument

Für den wohl ungewöhnlichsten Moment des Abends sorgte jedoch kein klassisches Instrument, sondern ein Hundequietschspielzeug. Bei „Tom and Jerry“ kam es mehrfach zum Einsatz und entlockte dem Publikum zahlreiche Lacher. Aaron Leijendecker übernahm die Rolle des „Quietschprofis“ und verlieh der Darbietung damit eine zusätzliche Portion Humor.

Die Spannweite der Instrumente reichte an diesem Abend von der kleinen Flöte bis zur Harfe. „Die Mundharmonika ist klein genug für die Hosentasche und groß genug für den Konzertsaal“, kündigte Julia Ures den Auftritt von Mundharmonika-Virtuose Konstantin Reinfeld an. Er ließ die berühmten Klänge aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ erklingen.

Die Besucher zeigten dabei einmal mehr, dass das Landluftkonzert längst mehr ist als ein klassisches Konzert. An den Tischen wurde gepicknickt, angestoßen und gemeinsam genossen. Der Tisch der Ehepaare Dunker und Leciejewski glich dabei fast einem kleinen Buffet: 24 Einweckgläser, gefüllt mit Erdbeer-Avocado-Salat, Lachsröllchen, Couscous-Salat, Spargel-Garnelen-Salat, Frikadellchen und weiteren Spezialitäten, standen dort bereit.

Viel Engagement im Hintergrund

Wer sein Picknick nicht selbst vorbereitet hatte, wurde an den Ständen der Familie Laffontien fündig. Rund 20 Servicekräfte kredenzten die allseits beliebte Erdbeerbowle, Wein und Herforder Pils. Der Hof von Laer punktete erneut mit seinem Erdbeerkuchen und Erdbeereis – passend zur Jahreszeit.

Zu den Gästen an diesem Abend gehörten auch zahlreiche bekannte Gesichter aus Politik und Gesellschaft. Ehrenbürger Heiner Wemhöner zeigte sich begeistert: „Ich komme immer gerne hierher. Das ist ein schönes Event inmitten der grünen Natur.“ Sein Kompliment galt ausdrücklich den Veranstaltern, nämlich dem Verein für Landluftkonzerte mit seinem Vorsitzenden Werner Seeger.

Was das Landluftkonzert besonders macht

Hartmut Brandtmann erinnerte an die Anfänge der Konzertreihe: 2011 kamen zum ersten Konzert, das der ehemalige NW-Redakteur selbst moderierte, rund 350 Besucher. Weitere neun Jahre führte er durch die Konzerte. Heute zählen die Landluftkonzerte zu den festen Größen im regionalen Kulturkalender und locken rund 1.000 Zuhörerinnen und Zuhörer an.

Das Besondere sei, dass das Musik-Event auch Menschen anspreche, die sonst nicht unbedingt zu den Stammgästen klassischer Konzerte gehörten. „Wenn Filmmusik so orchestral geboten wird wie von der NWD, dann erschließt sich das einer breiten Hörerschaft, die vielleicht mal neugierig wird auf eine richtige Sinfonie“, sagte Brandtmann. Das Landluftkonzert sei für viele ein niedrigschwelliger Einstieg in die Welt der klassischen Musik.

Für einen reibungslosen Ablauf sorgten zahlreiche Helferinnen und Helfer hinter den Kulissen. Neun Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes waren vor Ort. Einsatzleiterin Kerstin Kuhr bezeichnete das Landluftkonzert als „einen beliebten Dienst“. Die Feuerwehr Schwarzenmoor sicherte Straßen und Parkplätze. Erstmals präsentierten sich zudem die Nordwestdeutsche Philharmonie, das Theater und die Theaterfreunde gemeinsam an einem Informationsstand.

Abschied mit Hitze

Mit einem Augenzwinkern verabschiedete sich Dirigent Frank Beermann vom Publikum: „Wir haben ja heute herrliches Wetter – 42 Grad im Schatten.“ Zum Abschluss spielte die NWD ein passendes Stück dazu: Das Orchester entließ sein Publikum mit „Pirates of the Caribbean“, dem letzten musikalischen Akzent eines Abends, an dem selbst der Regen nur eine Nebenrolle spielte.

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