
AUDIO: Tag der Sehbehinderten – Kunst fühlen oder hören in Hannover (3 Min)
Stand: 06.06.2026 06:00 Uhr
Am 6. Juni ist bundesweiter Sehbehindertentag. Verschiedene Museen wie der Kunstverein Hannover und das Sprengel Museum wollen Sehbehinderten Teilhabe ermöglichen – zum Beispiel, indem sie Kunst tastbar und hörbar machen.
Das Sprengel Museum Hannover stellt sich unter anderem mit sensorischen Führungen auf Sehbehinderte ein und bietet auch Taststationen. Dörte Wiegand aus dem Team Bildung und Vermittlung fährt mit den Fingern entlang einer dieser Tasttafeln. Die Struktur eines Maschendrahts ist zu spüren, Auswölbungen mit Löchern, oben rechts Jute-Fäden.
Repliken von Kunstwerken zum Tasten
„Wenn man ganz am Rand links herunterfährt und dann auch an die Ecke links unten fährt und dann nach rechts, spürt man, dass es sich um einen historisch dekorierten, ornamentbehafteten Bilderrahmen handelt, der mit kleinen Rankenmustern besetzt ist“. sagt Wiegand. „Petit Tir“ heißt das Werk der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle von 1961, kleiner Schuss. Wie es geschaffen wurde, kann sich das Publikum von einem Audioguide erklären lassen.
Mit einem Gewehr schießt die Künstlerin auf in Gips eingelassene Farbbeutel, die beim Aufplatzen die Bildoberfläche verändern.
Zitat aus Audioguide

Ins Theater trotz Sehbeeinträchtigung? In Oldenburg wurde ein Stück erprobt, das Menschen mit dieser Einschränkung ansprechen soll.
Sehbehinderte beraten Museen
Um zu ergründen, was sehbehinderte und blinde Besucherinnen und Besucher brauchen, berät sich das Sprengel Museum mit Menschen, die selbst betroffen sind. Sie sollen eigenständig den Weg zur Kunst finden können. Das beginnt damit, dass man erst einmal verstehen muss, wo etwas zu finden ist. Im Eingangsbereich gibt es dafür eine Tasttafel. Das Personal wurde geschult, Menschen mit Seheinschränkung dorthin zu geleiten, sollten sie allein kommen. Dann können sie dort den Grundriss des Hauses erfühlen – den Entwurf der Architekten Ursula Trint und Peter Quast.

Diesen Wegweiser hat das Sprengel Museum Hannover aufgestellt, damit Menschen mit Sehbehinderung ihre Wege ertasten können.
„Wir haben natürlich eine gewachsene Struktur, ein Haus mit vielen, im wahrsten Sinne des Wortes Höhen und Tiefen, also architektonischen Unterschieden“, sagt Wiegand. Es gebe ganz unterschiedliche Bodenbeläge. „Wir stehen hier im Eingangsbereich auf einem Pflasterfußboden, der uns vom Außenbereich in den Innenkörper, in den Eingang leitet. Trint und Quast haben damals die Idee gehabt, eine kleine Stadt in der Stadt zu bauen: Brücken, Plätze, Straßen.“
Mit Taststock und Audioguide durch den Kunstverein
Ein Thema, mit dem sich der Kunstverein Hannover nicht beschäftigen muss. Die Ausstellungsräume befinden sich auf einer durchgehenden Ebene. Aufgeklebte Leitstreifen auf dem Boden weisen Menschen mit Taststock den Weg durch die Ausstellung. Kleine Rippen, die von den Streifen abzweigen, führen zu den Kunstwerken. Auch hier gibt es dazu Audioguides, die sie beschreiben und erklären.
Zugleich ermöglichten diese einen neuen Zugang zur Kunst, die heute auch oft Töne enthält, sagt Christoph Platz-Gallus, Direktor des Kunstvereins Hannover. „Wir sollten nicht unterschätzen, dass Menschen, die das Sehen gewohnt sind, vieles einfach gar nicht wahrnehmen. Andere Menschen mit anderem Fokus schon. Da ist man zum Beispiel in der Lage, vielleicht auch mehr ein Gespür dafür zu bekommen“, beispielsweise für Soundinstallationen, sagt der Direktor.

Das Zuhören hat für blinde Menschen eine viel stärkere Bedeutung als für Sehende. Zwei Blinde berichten aus ihrem Alltag.
Duftende Kunst im Sprengel Museum
Wer die Augen schließt, konzentriert sich stärker auf seine anderen Sinne. In der Arbeit „Nirgendwo“ von Wolfgang Laib im Sprengel Museum ist das der Geruchssinn. Das Werk besteht unter anderem aus Bienenwachs. Am Ende gehe es auch um Impulse für die Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk, sagt Dörte Wiegand. Vielleicht sogar in ein eigenes Nirgendwo.

Die gehörlose Cindy Klink und der blinde David Knors sind die Hauptdarsteller im Film „Als wäre es leicht“ – NDR Kultur hat mit ihnen gesprochen.

Der aktuelle Kinofilm spielt in Hamburg: Er sieht nichts, sie hört nichts. Und doch entsteht eine Liebe, die zeigt, wie Nähe jenseits von Worten funktioniert.

Beim Deutschen Taubblindenwerk Hannover können Menschen mit Seheinschränkungen Zeitung in Schwarzschrift und in Blindenschrift lesen.

Das Museum zählt zu den wichtigsten Häusern für moderne Kunst weltweit. Es zeigt Sammlungen von Max Ernst und Kurt Schwitters.

Tourismus für alle zugänglich machen: Stefan Kopper führt blinde und sehbehinderte Menschen durch Hannover.