An diese verheerende Flutnacht Mitte Juli 2021 haben viele Hückeswagener traumatische Erinnerungen. Nach heftigen Regenfällen war das Wasser der Wupper rasend schnell angestiegen und hatte weite Areale überschwemmt. Zurück blieben Zerstörung, jede Menge Dreck und Schlamm – aber auch die Gewissheit, dass ein solches Ereignis jederzeit wieder passieren kann.

Das ist auch dem Wupperverband bewusst. „Der Klimawandel mit seinen extremen Folgen von Dürre bis Hochwasser schreitet voran. Daher ist gemeinsames Handeln einer breiten Basis von Akteuren von größter Wichtigkeit, damit ein Flussgebiet resilienter wird und Extreme besser bewältigen kann“, berichtet Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbandes.

Mit diesem Ansatz werde der Regionalpakt Hochwasserschutz Wupper erarbeitet. Dieser sei die sinnvolle und konsequente Weiterführung des ganzheitlichen Flussgebietsmanagements, wie es im Wupperverband von der Quelle bis zur Mündung seit vielen Jahrzehnten erfolgreich praktiziert werde.

Als Auftakt zu diesem gemeinsamen Vorhaben hatten das Land NRW und der Wupperverband zu einem Workshop nach Wuppertal eingeladen, zu dem 50 Teilnehmer kamen – unter ihnen auch der Hückeswagener Bürgermeister Mario Moritz und Amtsleiter Andreas Schröder. Beteiligt sind neben dem NRW-Umweltministerium und dem Wupperverband als dem zuständigen Wasserwirtschaftsverband die Bezirksregierungen, die Vertreter der 22 Kommunen sowie der Kreise und viele relevante Akteure aus dem Wuppergebiet wie Unternehmen, Landwirtschaft und Umweltorganisationen.

Die Umsetzung von Maßnahmen zur Hochwasservorsorge gibt es laut Wupperverband bereits auf vielen Ebenen, zum Beispiel von Land und Kommunen sowie den vom Wupperverband aufgestellten Umsetzungsfahrplan seines „Zukunftsprogramms Hochwasserschutz“. Das Zukunftsprogramm umfasst etwa 200 Projekte, die der Verband mit seinen Mitgliedern, insbesondere den Kommunen, abgestimmt hat und gemeinsam umsetzen wird.

„Mit der Unterzeichnung des Pakts für Hochwasserschutz des Landes NRW im Februar 2026 soll Hochwasservorsorge als starkes Bündnis aller Beteiligten auf ein neues Level gehoben werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Wupperverbandes. Ziel sei es, Maßnahmen besser abzustimmen, schneller zu planen und umzusetzen sowie Kommunen und Verbände gezielt zu unterstützen – „denn Hochwasser macht nicht an Gemeindegrenzen halt“, betont Susanne Fischer.

Der Pakt verbinde bauliche Lösungen wie Deiche und Rückhaltebecken mit naturnahen Ansätzen, zum Beispiel, wenn Flüssen im Zuge des „grünen Hochwasserschutzes“ wieder mehr Raum gegeben wird. Finanziell will das Land NRW Kommunen sowie Wasser- und Deichverbände unterstützen.

Ein zentraler Punkt ist laut Wupperverband die Verfügbarkeit von Flächen für Schutzmaßnahmen. Vorgesehen sind Lösungen im Konsens – etwa Flächentausch oder Entschädigungen – ergänzt durch ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Mehr Tempo sollen außerdem vereinfachte Genehmigungen und eine digitale Plattform bringen. Regionale Pakte für einzelne Flussgebiete, wie der Regionalpakt Hochwasserschutz Wupper, werden nun gemeinsam erarbeitet.

Bei der Begrüßung zum Workshop wurde der Gedanke des gemeinsamen Wirkens für den Hochwasserschutz im Wuppergebiet hervorgehoben. „Ich freue mich, dass so viele Akteure und Partner am Workshop für den Regionalpakt Wupper teilnehmen und daran mitwirken, ihn aktiv zu gestalten. Die Perspektiven der Interessengruppen sind sehr wichtig“, betonte Wupperverbandsvorstand Ingo Noppen. „Mit dem Regionalpakt entwickeln wir eine nachhaltige und partnerschaftliche Kooperation, in der alle ihre Stärken einbringen und wir unser Wissen mehren und teilen.“

Für den Regionalpakt Wupper bilden die im Landespakt verankerten Handlungsfelder die Grundlage: Zusammenarbeit im Flussgebiet über kommunale Grenzen hinweg, risikobasierte Priorisierung von Maßnahmen, Beschleunigung von Planung und Genehmigung, Flächensicherung, digitale Plattform für Planung, Monitoring, Förderung und Stärkung der Eigenvorsorge inklusive Vermittlung der Hochwasserrisiken.

Die schon bestehenden Maßnahmenkonzepte von Verband und Kommunen bilden laut Wupperverband das Fundament für den Regionalpakt Wupper. „Denn es befinden sich schon viele Projekte und Maßnahmen in der Planung und Umsetzung“, teilte der Verband mit. Beim Workshop in Wuppertal hätten die Akteure in einem engagierten Dialog ihre Ideen und Vorschläge für den Regionalpakt Wupper eingebracht. Der Pakt werde in den kommenden Monaten kooperativ weiter ausgearbeitet und gemeinsam verabschiedet. Der Zeitplan sieht laut Wupperverband vor, dass die Unterzeichnung im ersten Quartal 2027 erfolgen soll.