Wenn das gemeinsame Bestehen von Herausforderungen den familiären Zusammenhalt stärkt, dann kleben meine Frau, meine Kinder und ich seit den vergangenen Tagen noch enger zusammen als ohnehin schon. Denn jedes Mal, wenn sich das nächste Gewitter ankündigte, lagen wir mit Wischmob, Eimer und Aufnehmern schon auf der Lauer.
Der Grund dafür war äußerst nervig: Unser Wintergarten kann den Starkregen nicht ab. Zwar ist er mit Dachrinne und Ablaufrohr perfekt ausgestattet – aber wenn zu viel Wasser in zu kurzer Zeit herunterprasselt, sucht es sich seinen Weg irgendwo unter den Schindeln hindurch und rieselt schließlich durch das Holz an den Fenstern hinunter. Erst ganz langsam, dann als immer stärkerer Strom. Und wir liegen auf dem Boden und kämpfen gegen die wachsende Wasserlache.
Während ich mich noch davor fürchte, wie teuer und aufwendig es für einen Dachdecker werden wird, das Schlupfloch zu finden und zu verschließen, kommt mir in diesen Tagen auch noch ein anderer Gedanke: In den vergangenen Jahren hatten wir mit solchen Wetterereignissen kaum Probleme. Mit „normalem“ Regen wurden und werden unser Wintergarten und seine Dachrinne gut fertig.
Klimafolgen sind belegt und im Altkreis Halle deutlich spürbar
Rund 30 Liter Wasser fielen am Abend des 31. Mai 2026 in Borgholzhausen pro Quadratmeter. Das beschäftigte die Mitarbeiter der Stadt noch am Montag.
| © Stadt Borgholzhausen
Doch was sich da zuletzt immer wieder zusammenbraute, kündigte sich ja schon besonders an. Indem es am frühen Abend plötzlich stockfinster wurde und sich dann ein Gewitter samt Sturm und Starkregen entlud. Volle Keller, überflutete Straßen, abgeknickte Bäume – kurzum: gefährliche Situationen und umfangreiche Aufräumarbeiten. Die Unwetter ziehen rasend schnell auf und durch und hinterlassen dabei innerhalb kurzer Zeit eine Schneise der Verwüstung.
Früher hatten wir ja auch Gewitter, höre ich die Skeptiker jetzt wieder sagen. Bloß nicht die Alarmglocke mit dem Klimawandel läuten. Ist doch nur Wetter. Wer aber die Verantwortlichen in den Rathäusern, die Mitarbeitenden der städtischen Bauhöfe, die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der Polizei befragt, der wird eine andere Reaktion erhalten: Hier verändert sich etwas, das wir von Jahr zu Jahr mehr zu spüren bekommen. Und das wird uns Geld kosten.
Das Umweltbundesamt hat die Klimafolgen für NRW bereits klar benannt: Die Jahresmitteltemperatur nimmt zu, ebenso die Zahl der Starkniederschläge. Temperatur- und Niederschlagsmuster verschieben sich. Die Experten erwarten eine „Verschärfung der beobachteten Trends und Zunahme von Wetterextremen“. Und genau das lässt sich im Altkreis Halle auch beobachten – und mittlerweile nicht mehr wegdiskutieren.
Städte im Altkreis Halle leiden unter Dürre und Unwettern zugleich
Der Starkregen in Borgholzhausen trug den Schlamm vor einigen Tagen bis in die Innenstadt.
| © Stadt Borgholzhausen
Jüngster Beleg war der Starkregen in Borgholzhausen vom 31. Mai, der Teile der Innenstadt überflutete. Erst die Feuerwehr und tags darauf die Mitarbeitenden der Stadt waren mit dem Beseitigen des Schlamms beschäftigt. Nun wird nicht nur diskutiert, wer die Kosten für solche Aufräumarbeiten eigentlich tragen muss. Der landwirtschaftliche Pächter, der den Hang bewirtschaftet, von dem der Schlammstrom erodierte? Oder doch die Stadt und damit der Steuerzahler? Es geht auch darum, wie man solche Ereignisse künftig effizienter abfedert, damit erst gar keine Kosten entstehen.
Von den zunehmenden Extremen ist Borgholzhausen in beide Richtungen betroffen. Starkregen überflutet die Innenstadt, lange Trockenphasen hingegen schüren augenblicklich die Sorge vor einer erneuten Wasserknappheit. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Probleme, genügend eigenes Wasser zu fördern, bezog bei Versorgungsengpässen auch schon von Halle und Steinhagen.
Es geht in diesem Moment nicht um die Metaebene: Also darum, warum wir endlich konsequent Strom, Wärme und Mobilität aus regenerativen Quellen speisen müssen, damit wir den Klimawandel und seine Folgen nicht noch weiter anheizen. Hier geht es darum, welche Konsequenzen spürbar und belegt schon bei uns angekommen sind.
Intelligente Konzepte müssen im Altkreis Halle jetzt forciert werden
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Unwetter und Dürre werden auch uns in den kommenden Jahren noch extremer heimsuchen. Und damit müssen wir umgehen. Die Kommunen im Altkreis Halle haben sich bereits auf den Weg gemacht – nicht nur Borgholzhausen bastelt an Konzepten, einerseits Wasser zu halten und sich andererseits vor zu viel Wasser zu schützen.
Intelligente Ideen gibt es viele: zum Beispiel die der Schwammstadt. Niederschlagswasser wird lokal aufgenommen, gespeichert und verdunstet dann. Das entlastet die Kanalisation, erhöht den Schutz vor Starkregenereignissen, hilft Bäumen und Pflanzen vor Ort und stabilisiert den Grundwasserspiegel. Wasser soll dort versickern können, wo es fällt.
Klar, auch solche Konzepte kosten Geld und Zeit. Aber diese Ideen gehören auf den politischen Tagesordnungen in den Städten und Gemeinden jetzt weiter nach oben. Weil sie schon mittelfristig auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Und weil wir alle, die schon im Mai den Wechsel zwischen extremer Hitze und krachenden Gewittern erlebt haben, am eigenen Leib spüren, dass sich was verändert. Eine Wasserlache in unserem Wintergarten hätte ich dafür aber nicht auch noch gebraucht …
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