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Videos von Lachgaskonsum auf TikTok, bunte Kartuschen in sozialen Netzwerken, seit April strengere Regeln: Lachgas ist in Sachsen-Anhalt kaum zu übersehen. Wie viele Menschen die Substanz tatsächlich konsumieren, bleibt aber unklar.
Wer nach belastbaren Zahlen sucht, stößt schnell an Grenzen. „Repräsentative oder belastbare Zahlen zum Lachgaskonsum in der Allgemeinbevölkerung oder bei bestimmten Zielgruppen in Deutschland liegen uns nicht vor“, sagt Nadine Stephan, Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt.
Für Fachstellen entsteht damit ein praktisches Problem: Lachgas beschäftigt Prävention, Kommunen und Politik. Die tatsächliche Verbreitung lässt sich bislang aber nicht verlässlich beziffern.
Neue Regeln für eine leicht verfügbare Substanz
Mit einer Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes hat der Bund den Umgang mit Lachgas eingeschränkt. Seit dem 12. April 2026 dürfen Minderjährige die Substanz nicht mehr erwerben oder besitzen. Verboten sind außerdem der Verkauf über Automaten und der Versandhandel an private Endverbraucher.
Für die Landesstelle ist das ein wichtiges Signal. Zugleich verweist sie auf die Arbeit vor Ort: Prävention, Aufklärung und Beratung. Denn Lachgas war lange leicht zu bekommen.
Entsprechende Produkte ließen sich unkompliziert im Internet bestellen oder an verschiedenen Verkaufsstellen kaufen. Teilweise wurden sie in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen oder als fertige Konsumsets angeboten.
Warum Lachgas unterschätzt wird
Viele kennen Lachgas aus der Medizin oder von Sahnespendern. Genau deshalb wirkt die Substanz harmloser, als sie ist. Der Rausch setzt schnell ein und hält meist nur wenige Minuten an.
Schon einmaliger Konsum kann akut gefährlich werden. Dazu zählen Sauerstoffmangel, Bewusstlosigkeit, Unfälle und Verletzungen durch die extreme Kälte des Gases. Besonders riskant ist der Konsum in geschlossenen Räumen oder in Kombination mit Alkohol und anderen Drogen.
Bei häufigem oder starkem Konsum drohen schwerere Folgen. Die Landesstelle verweist unter anderem auf mögliche Nervenschäden und auf das Risiko eines problematischen Konsummusters.
Wenn Social Media Risiken zur Nebensache macht
Soziale Netzwerke verstärken diesen Eindruck. „Lachgas wird insbesondere über Social Media stark beworben und auf Plattformen wie Instagram oder TikTok als witzige und coole Partydroge gefeiert“, sagt Stephan.
In vielen Videos stehen kurze Lachanfälle oder vermeintlich lustige Reaktionen im Mittelpunkt. Gesundheitliche Folgen werden dort kaum thematisiert. Auch die Stadt Halle beobachtet diese Entwicklung. Pressesprecher Drago Bock verweist darauf, dass soziale Medien die Wahrnehmung von Suchtmitteln stark prägen können.
Influencer, Challenges und Partyvideos können Risiken verharmlosen und problematisches Verhalten normal erscheinen lassen, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Das große Problem mit den Zahlen
Trotz der Aufmerksamkeit weiß niemand genau, wie verbreitet Lachgas in Sachsen-Anhalt ist. Das liegt nicht nur daran, dass bislang wenige Studien vorliegen.
Die Landesstelle nennt mehrere Gründe, warum der Konsum schwer zu erfassen ist. Lange war der Erwerb weitgehend anonym möglich. Zudem wird Lachgas häufig zusammen mit anderen Substanzen konsumiert.
Kommt es zu einem medizinischen Notfall, stehen oft Alkohol oder andere Drogen im Vordergrund. Der zusätzliche Lachgaskonsum taucht dann in der Dokumentation nicht auf. Hinzu kommt, dass die Substanz im Alltag der Akutversorgung schwer sicher zuzuordnen ist.
„Da Lachgas zudem schwer nachweisbar ist und bislang nur unzureichend systematisch erfasst wird, bleibt der zusätzliche Konsum in der medizinischen Dokumentation häufig unberücksichtigt“, erklärt Nadine Stephan.
So bleibt ein Dunkelfeld, das Behörden und Suchtberatungsstellen bislang nicht beziffern können.
Kaum Hinweise aus Kliniken
Wie schwierig die Einordnung ist, zeigen Rückmeldungen aus Krankenhäusern. Die Zentrale Notaufnahme der Universitätsmedizin Magdeburg teilte auf Anfrage mit, dass Patientinnen und Patienten nicht gezielt nach Lachgas-Konsum gefragt würden.
Auch die Universitätsmedizin Halle und das BG Klinikum Bergmannstrost Halle erklärten auf Anfrage, dass ihnen bislang keine dokumentierten Fälle bekannt seien. Das heißt nicht, dass es keinen Konsum gibt. Es zeigt nur, wie leicht Lachgas in der medizinischen Erfassung durchs Raster fallen kann.
Prävention statt Panik
Auch in Halle spielt Lachgas inzwischen eine Rolle in der Präventionsarbeit. Nach Angaben der Stadt steht die Suchtkoordinatorin im Austausch mit Fachstellen für Suchtprävention, Beratungsstellen, dem Kinder- und Jugendschutz sowie verschiedenen Arbeitsgruppen.
Im Mittelpunkt steht Aufklärung, nicht Alarmismus. Fachleute wollen Jugendliche früh erreichen, bevor sich riskanter Konsum verfestigt oder durch Gruppendruck verharmlost wird.
Für Nadine Stephan ist deshalb klar, dass Verbote allein nicht reichen. Entscheidend bleibt, junge Menschen dort anzusprechen, wo sie mit Lachgas in Kontakt kommen: in Schulen, Jugendangeboten, Beratungsstellen und sozialen Netzwerken.