Der kleine Pepe kennt den Weg schon. Rein in den Fahrstuhl, über den Flur geflitzt, rechts ins Hamburger Büro, schnurstracks vor die Schubladen der Kollegen. Da gibt es immer ein paar Leckerlis für den Bolonka. Nicht nur er, Hunderte Vierbeiner werden beim diesjährigen Aktionstag „Kollege Hund“ am 11. Juni die Büros von Frauchen und Herrchen kennenlernen.

„An diesem Schnuppertag sollen Mitarbeitende die Möglichkeit haben, ihre Hunde mit zur Arbeit zu nehmen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Seit 19 Jahren werben der Tierschutzbund und ein Hundefutter-Produzent damit für eine tierfreundliche Arbeitskultur.

In diesem Jahr beteiligen sich bundesweit rund 1.000 Firmen am „Kollege Hund“-Tag. Fellnasen tummeln sich in Anwaltskanzleien ebenso wie in Buchhandlungen, Tierarztpraxen, Autohäusern, Reisebüros und Pflegehäusern. „Hunde im Büro sind heute längst keine Ausnahme mehr“, sagt Schröder. Seit der Corona-Pandemie gebe es mehr Homeoffice und flexiblere Arbeitsmodelle, dadurch lasse sich Beruf und Hundehaltung insgesamt besser vereinbaren.

Entlastung für Tierheime

Unternehmen, die mitmachen, erhalten Tipps vom Tierschutzbund, ein Überraschungspaket mit Futter sowie ein Hundekissen und eine Urkunde als hundefreundlicher Arbeitgeber. „Sie können Vorbild für andere Arbeitgeber sein“, hofft Schröder. Viele Hunde müssten über Stunden allein zuhause bleiben oder würden durch Hundesitter betreut, wenn Frauchen oder Herrchen arbeiten.

Tierfreundliche Jobs entlasteten zudem Tierheime, „weil weniger Hunde aus Zeitmangel abgegeben werden und gleichzeitig Tiere bessere Chancen auf Adoption haben“, sagt Verbandschef Schröder.

Vorteile sehen die Initiatoren auch für die Unternehmen: „Ein Büro, in dem Hunde willkommen sind, wirkt sich nicht nur positiv auf Stimmung und Betriebsklima aus – es wertet Unternehmen auch im Buhlen um Talente merklich auf“, sagt Tomasz Pawlowski, Geschäftsführer von Mars Pet Nutrition Deutschland. Für 57 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien haustierfreundliche Regelungen sogar ein möglicher Jobwechsel-Faktor, zeige eine Umfrage des Futter-Produzenten.

„Hunde wirken beruhigend“

Das kann Inga Behl, stellvertretende Leitung der Alloheim Senioren-Residenz „An der Elbe“, nur bestätigen. Zum Aktionstag kommen acht Hunde, drei sind regelmäßig da. Seit über zehn Jahren sind Hunde in dem Seniorenheim in Wedel bei Hamburg erlaubt. Natürlich nur, wenn es in den Job passt. „Beim Koch oder bei Reinigungskräften geht das ja leider nicht so gut“, sagt die 57-Jährige. Auch müsse der Hund bei Rollstühlen und Pflegeheimgerüchen entspannt bleiben.

Passt alles, seien die Vierbeiner auch bei Nachtdiensten der Pflegekräfte gern gesehen. Behl: „Hunde haben oft eine erstaunlich positive Wirkung auf pflegebedürftige Menschen.“ Sie bewegen sich plötzlich, sprechen mehr und erinnern sich an ihre eigenen Tiere. „Hunde wirken beruhigend“, sagt sie.

Richtlinien für Harmonie

Der Tierschutzbund ermutigt Unternehmen, eine klare, offizielle Regelung einzuführen, die das Mitbringen von Hunden grundsätzlich ermöglicht. Eventuelle Allergien und Ängste bei anderen Mitarbeitenden sollten aber ernst genommen werden. Eine Richtlinie könne etwa eine Leinenpflicht für bestimmte Bereiche enthalten.