Eloy Morante Maldonado sitzt auf gepackten Koffern und Kartons. „Plötzlich geht alles schneller als gedacht“, sagt der Handballprofi, der am Sonntagnachmittag noch sein letztes Spiel für den Bergischen HC bestreiten wird. In der Woche darauf steht der Umzug nach Erlangen an.
Wenn man so will, verlässt der 28-Jährige damit erstmals die heimischen Gefilde. Bis 2018 hat er in seinem Elternhaus in Wermelskirchen gelebt, um als 20-Jähriger mit seiner langjährigen Partnerin und heutigen Ehefrau eine gemeinsame Wohnung in Köln zu beziehen. „Es ist durchaus ein komisches Gefühl, die Heimat zu verlassen“, gibt er zu.
Seine sportlichen Stationen waren von Müngersdorf stets gut zu erreichen: Nach Dormagen waren es nur etwa 20 Minuten mit dem Auto, in Essen stand bei Bedarf ein WG-Zimmer zur Verfügung – und zuletzt beim Bergischen HC waren die Wege zu den Trainingsstätten in Solingen wieder kürzer. „Ich habe Köln als Stadt und Wohnort lieben gelernt“, sagt Eloy Morante Maldonado. „Es ist etwas Besonderes, dort zu leben.“
Handballstart in Wermelskirchen
Die ersten Schritte seiner erfolgreichen Handball-Laufbahn hat der Rückraumspieler als Vierjähriger beim TuS Wermelskirchen unternommen. Bis zur C-Jugend war er hier aktiv – anfangs noch als Linksaußen. „Wegen der fehlenden Körpergröße“, blickt er zurück und lacht. Irgendwann sei dann aber ein Schub gekommen, und sein damaliger Trainer Peer Pütz habe ihn nach dem Wechsel zum TuS Opladen zum Mittelspieler geformt.
Nach der vierten Klasse an der Schwanenschule war der talentierte Handballer wegen der Sportförderung ans Landrat-Lucas-Gymnasium nach Leverkusen gewechselt. Ein hoher zeitlicher Aufwand. „Ich weiß nicht, wie viel Wartezeit ich all die Jahre in Hilgen beim Umstieg von der 260 in die 240 gesammelt habe. Hätte es damals schon eine Direktverbindung gegeben, wäre es schneller gegangen.“
Einen Abstecher in seine Heimatstadt macht Eloy Morante Maldonado nur noch selten. „Mein bester Freund aus Schulzeiten ist jetzt wieder nach Wermelskirchen gezogen.“ Sein Vater Juan war 1970 von Spanien nach Deutschland gekommen, vor drei Jahren ist er wieder in die Nähe von Granada zurückgekehrt.
Erlangen reizt als Neuanfang
Nun steht für den 28-Jährigen selbst ein großer Umbruch an. Als es zum Jahreswechsel in die Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung beim Bergischen HC ging, stand durchaus die Option im Raum, auch weiterhin das Löwen-Trikot zu tragen. „Aber es lockte auch die Herausforderung, die Komfortzone zu verlassen und etwas ganz Neues anzugehen.“ Und so habe er das Angebot des Liga-Konkurrenten HC Erlangen angenommen.
Der Wermelskirchener mit spanischen Wurzeln verlässt das Bergische Land mit dem bislang größten Erfolg seiner Handballer-Laufbahn. Die Bronzemedaille bei der U18-Europameisterschaft 2016 in Kroatien war das erste große Highlight, das vom zweiten Platz beim Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal überstrahlt wird.
„Es war eine harte, aber auch erfolgreiche Saison in Kombination mit dem gesicherten Klassenerhalt“, bilanziert der Mittelmann, der fast vier Monate lang mit einem Syndesmosebandriss im Sprunggelenk ausgefallen war und Mitte März sein Comeback gegeben hat. Nach einer Verletzungspause waren im Heimspiel gegen den SC Magdeburg nur Kurzeinsätze geplant, doch dann stand er letztlich knapp 24 Minuten auf dem Feld – und agierte so, als wäre er nie weg gewesen. Und er knüpfte fortan an seine guten Leistungen aus der Hinrunde an.
Er stellt heraus, dass er beim Bergischen HC mit den hohen Ansprüchen einen weiteren großen Schritt im Profihandball gemacht habe: „Ich habe mich als Persönlichkeit weiterentwickelt und die Führungsrolle übernommen.“ Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg des BHC in die Zweite Liga war Morante Maldonado nicht nur Torschützenkönig, er wurde mit großem Abstand auch zum Spieler der Saison 2024/25 gewählt.
„Abschiede fallen nie leicht“, stellt Eloy Morante Maldonado vor dem Saisonabschluss am Sonntag (15 Uhr) in der Wuppertaler Unihalle gegen Frisch Auf Göppingen fest. „Gerade nach so einer intensiven Zeit beim BHC nimmt man viele tolle Erinnerungen mit. Aber ich gehe mit großer Dankbarkeit – und gleichzeitig mit Vorfreude auf das, was jetzt kommt.“