Standdatum: 6. Juni 2026.
Autorinnen und Autoren:
Leslie Melina Schmidt
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Wie belastend das Warten auf ein Spenderorgan ist, wissen Ute Breede (l.) und Tabea Hinners.
Bild: Radio Bremen
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Der heutige Tag der Organspende soll darauf aufmerksam machen, dass Betroffene oft Jahre auf ein Spenderorgan warten. Zwei davon sind Tabea Hinners und Ute Breede aus Bremen.
Tabea Hinners ist heute 31 Jahre alt. Schon im vergangenen Jahr hat sie mit buten un binnen über ihre Erkrankung gesprochen. Sie wurde mit einem Herzfehler geboren. Mit Anfang 20 wurde ihr ein Schrittmacher eingesetzt. Ende 2024 bekam sie Herzrhythmusstörungen und nach mehreren Untersuchungen war klar: Sie braucht ein Spenderherz. Hinners hat einen vier Jahre alten Sohn.
Seit März 2025 steht sie auf der Spenderliste, ein neues Herz wurde für sie aber noch nicht gefunden. Betroffene warten durchschnittlich zwischen sechs Monaten und zwei Jahren auf ein Spenderherz. Für Hinners bedeutet das vor allem eines: Geduld. Denn das Warten auf ein geeignetes Organ prägt inzwischen ihren Alltag.
Ein Jahr auf der Spenderliste
„Es ist ein Auf und Ab“, beschreibt Tabea Hinners ihren aktuellen Gesundheitszustand. Ihren 31. Geburtstag musste sie im April im Krankenhaus verbringen: Ihre Schilddrüse arbeitet nicht richtig, ihre Nieren standen kurz vor der Dialysepflicht und ihre Blutwerte waren so schlecht, dass sie Blutkonserven bekommen musste. Jetzt gehe es aber wieder bergauf.
Dass nach einem Jahr noch kein Spenderherz für sie gefunden wurde, sorgt bei Hinners für gemischte Gefühle: „Auf der einen Seite würde ich es gerne hinter mich bringen. Und auf der anderen Seite hoffe ich, dass ich es noch lange rauszögern kann.“ Denn Hinners hat für das Jahr einiges geplant, zum Beispiel die Einschulung ihres Neffen, bei der sie gerne dabei sein würde.
Die Aussicht auf ein Spenderherz bedeutet für Hinners deshalb nicht nur Hoffnung, sondern auch Ängste.
Wenn ich jetzt jeden Tag darüber nachdenke vorm Handy zu hängen und darauf zu warten, dass mein Telefon klingelt, dann werde ich wahnsinnig. Das mache ich nicht. Ich habe mein Handy auf laut. Es wird mich schon einer anrufen.
Tabea Hinners wartet auf ein Spenderherz
Sorge um ihre Familie
Selbst die Nachricht, dass ein Spenderherz gefunden wurde, würde Hinners noch keine Sicherheit geben. „Selbst, wenn du da ankommst und es heißt ‚Wir haben ein Organ für Sie‘, kann es sein, dass es am Ende heißt: ‚April, April. Es passt doch nicht.‘ Weil dann werden nochmal Untersuchungen gemacht. Das Herz muss begutachtet werden, wenn es dann ankommt. Und dann kann es sein, dass es unbrauchbar ist. Man fährt dahin, verabschiedet sich von seiner Familie und dann kann es sein, dass man zurückkommt.“
Ihre Transplantation will sie in der Universitätsklinik in Kiel durchführen lassen. Die Einverständniserklärungen für die Operation und eine Patientenverfügung liegen der Klinik bereits vor. Damit es schnell geht, sobald ein Herz gefunden wird. Eine Kliniktasche hat Hinners aber nicht gepackt.
„Ich hoffe auch inständig, dass der Anruf kommt, wenn mein Sohn im Kindergarten ist“, beschreibt Hinners, „weil ich dann nicht wüsste, ob ich ihn gehen lassen könnte“. Denn es ist auch die Sorge um ihren Sohn, die Hinners umtreibt. Dass sie die OP auch nicht überstehen könnte, soll ihr Sohn erst in dem Moment erfahren, wenn das Telefon klingelt.
Auch Kinder sollen sich darauf vorbereiten. Zu sagen: Hey, Mama ist jetzt in der Klinik. Und es kann sein, dass Mama nicht wiederkommt.
Tabea Hinners
Ute Breede wartet auf eine Spenderniere
Die 64-jährige Ute Breede muss drei Mal in der Woche zur Blutwäsche. Denn ihre Nieren arbeiten nicht mehr. Seit fünf Jahren wartet sie jetzt schon auf ein Spenderorgan – die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere beträgt in Deutschland etwa acht Jahre.
Die Alternative zur Dialyse wäre Sterben.
Ute Breede wartet auf eine Spenderniere
Die Dialyse strengt Breede wahnsinnig an. „Ich bin mehr kaputt als andere. Ich kann nicht so viel leisten. Ich überlege mir zwei Mal, ob ich an einem Dialyse-Tag abends noch irgendwo hingehe und was mache.“
Es ist nicht ihre erste Nierentransplantation. Schon mit Ende 20 wurde entdeckt, dass ihre Nieren nicht mehr richtig arbeiten. Als junge Mutter bekam Ute Breede damals ein Spenderorgan.
Das war einfach nur Freude. Das Glück eine Niere zu bekommen. Das war auch eine, die sehr gut gepasst hat zu meinen Blutwerten. Darum hat sie auch so lange gehalten – über 26 Jahre.
Ute Breede
Neues Programm mit „alten“ Spenderorganen sorgt für Hoffnung
Breede sehnt ihren 65. Geburtstag herbei – denn ab dann darf sie an einem Programm teilnehmen, was ihre Chance auf ein neues Organ erhöht. Schon mit einer neuen Niere kann sich ihre Lebensqualität verbessern.
„Old for Old“ heißt das Programm, auf das sie und ihr Arzt Hoffnungen setzen. Dabei spenden ältere Menschen ihre Niere an ältere Patienten. Die Wartezeit auf ein Organ liegt bei dem Programm bei ungefähr zwei Jahren, so Breedes Arzt Thomas Otterbeck. Da sie schon länger auf der Warteliste für ein Organ steht, gehen sie aber davon aus, dass Breede gute Chancen hat, recht bald eine Niere zu bekommen.
Warten auf den Anruf
Im Transplantationszentrum im Klinikum Bremen Mitte stehen 150 Patienten auf der Liste für eine neue Niere. Das Programm „Old for Old“ sehen auch hier die Ärzte positiv, da sie die Wartezeit für einige Patienten verkürzen kann, wie Chefarzt Sebastian Melchior vom Klinikum Bremen Mitte: „Wenn man dann noch berücksichtigt, dass gerade auch bei den älteren Patienten die Lebenserwartung nach Transplantation deutlich besser ist ohne die Dialyse. Das ist für die älteren Patienten schon ein entscheidender Faktor.“
Während die Zahl der Menschen auf den Wartelisten hoch bleibt, hoffen Tabea Hinners und Ute Breede darauf, dass für sie bald das passende Spenderorgan gefunden wird. Und, dass der erlösende Anruf nicht mehr so lange auf sich warten lässt.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 6. Juni 2026, 19:30 Uhr