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Dresden – Diese Euphorie hat einen bitteren Beigeschmack. Nach Wochen des Gerichtsstreits mit dem Freistaat Sachsen demonstrieren, feiern und tanzen Zehntausende beim CSD in Dresden für Vielfalt und Akzeptanz. Doch bevor das dreitägige Straßenfest und die Demo steigen konnten, ging es wortwörtlich um die Wurst.

Dass die Straßen in Dresden doch so bunt schillern und beben, stand auf der Kippe: Das Land sah das CSD-Straßenfest nicht als politische Versammlung, weil es „überwiegend den Charakter eines öffentlichen Festes mit kulturellen Elementen“ habe und der Unterhaltung diene. Nur noch der Umzug sollte als Demo gelten.

Prominente Unterstützer: RTL-Star Lars Steinhöfel (40, „Unter Uns“) und Schauspielerin Yvonne Woelke (47) setzten sich auf dem Axel-Springer-Truck (u.a. BILD, WELT) für Sichtbarkeit ein

Prominente Unterstützer: RTL-Star Lars Steinhöfel (40, „Unter Uns“) und Schauspielerin Yvonne Woelke (47) setzten sich auf dem Axel-Springer-Truck (u.a. BILD, WELT) für Sichtbarkeit ein

Foto: Anika Dollmeyer

CSD wegen Bratwurst nicht mehr politisch?

Laut CSD-Verein wurde es unter anderem damit begründet, dass eine Besucherin das Fest „während des Verzehrs ihrer Bratwurst“ als schön beschrieben habe. Innenminister Armin Schuster (65, CDU) hatte zudem vor einer Art Dauer-Ausnahmezustand gewarnt: drei Tage Polizeischutz auf Steuerkosten für ein Volksfest. Der Veranstalter sollte Sicherheits- und Reinigungskosten selbst tragen.

Der CSD kritisierte Innenminister Armin Schuster (64, CDU) auf dem Straßenfest. Hier fanden sich auch Stände von politischen Parteien (u.a. SPD, Grüne, FDP)

Der CSD kritisierte Innenminister Armin Schuster (64, CDU) auf dem Straßenfest

Foto: Anika Dollmeyer

„Pride beginnt mit Sichtbarkeit“

Dagegen zogen die CSD-Veranstalter vors Verwaltungsgericht Dresden, scheiterten. Deshalb meldeten sie für jeden Tag einen Demonstrationszug an. Und siegten vor dem Oberverwaltungsgericht.

Heiß, heißer, CSD! Danny zeigte besonders viel Haut

Heiß, heißer, CSD! Danny zeigte besonders viel Haut

Foto: Anika Dollmeyer

Dabei sei das Straßenfest nie einfach nur Party gewesen, sagt Ronald Zenker vom CSD. „Pride beginnt mit Protest, mit Sichtbarkeit und mit dem Einsatz für gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe.“ Gerade jetzt, wo Anfeindungen wieder steigen, brauche es einen Ort für eine offene Gesellschaft.

Besucherin Marion (73) sagte BILD: „Mein Lieblingsneffe ist schwul. Für mich ist das ganz normal und ich war schon immer tolerant. In meinem Umfeld ist das aber längst nicht jeder.“

Besucherin Marion (73) sagte BILD: „Mein Lieblingsneffe ist schwul. Für mich ist das ganz normal und ich war schon immer tolerant. In meinem Umfeld ist das aber längst nicht jeder.“

Foto: Anika Dollmeyer

Axel Springer feiert die Freiheit

Unter den bunten Wagen war auch wieder einer von Axel Springer (u.a. BILD, WELT, Idealo, Business Insider). Hier feierte RTL-Star Lars Steinhöfel (40, „Unter Uns“) bereits zum dritten Mal mit. „Mich stört diese Diskussion, als müsste man sich zwischen Demo und Lebensfreude entscheiden“, sagte er BILD. „Sichtbarkeit war schon immer der größte Gegner von Intoleranz.“

Entertainer Julian F.M. Stoeckel (39) nannte das Vorgehen der Behörden im Vorfeld einen „Schlag ins Gesicht“: „Deshalb ist es ganz wichtig, weiter für queere Rechte, Sichtbarkeit und ein friedliches Miteinander zu kämpfen.“

Entertainer Julian F.M. Stoeckel (39) nannte das Vorgehen der Behörden im Vorfeld einen „Schlag ins Gesicht“: „Deshalb ist es ganz wichtig, weiter für queere Rechte, Sichtbarkeit und ein friedliches Miteinander zu kämpfen.“

Foto: Anika Dollmeyer

Auch Yvonne Woelke (47) reiste an, um für Toleranz einzustehen: „Wir sollten Menschen nicht so schnell verurteilen“, so die Schauspielerin zu BILD. „Ob hetero, bi oder was auch immer – man sollte alle Menschen gleich behandeln.“

Yvonne Woelke und Lars Steinhöfel wollen insbesondere in ländlicheren Regionen für Vielfalt einstehen – nicht nur in Berlin, Hamburg oder Köln

Yvonne Woelke und Lars Steinhöfel wollen insbesondere in ländlicheren Regionen für Vielfalt einstehen – nicht nur in Berlin, Hamburg oder Köln

Foto: Anika Dollmeyer

Kritik kam auch aus der Politik. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (32, SPD), sagte BILD: „Das sind definitiv politische Versammlungen. Deswegen ist es für mich ein Alarmsignal, wenn das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit hier infrage gestellt wird.“