Auf dem Graf-Adolf-Platz ist am Samstagmittag einiges los. Fast könnte man meinen, es sei schon wieder Karneval: Umzugswagen ziehen durch die Straßen, überall ist es bunt. Aber nein: Das hier ist nicht der Rosenmontagsumzug, es ist die Demonstration des Christopher Street Day 2026, kurz CSD. Unter dem Motto „Wir bleiben bunt und laut“ demonstrieren an diesem Wochenende in der Stadt zahlreiche Menschen der queeren Community. Und das tun sie mit viel lauter Musik, Tanz und Freude.

Insgesamt nehmen 50 Gruppen an der Demonstration teil, darunter ein halbes Dutzend Trucks. Einer von ihnen gehört dem KG Regenbogen, dem größten schwul-lesbischen Karnevalsverein Deutschlands. Der Wagen fällt besonders durch seine bunten Figuren auf, die sogenannten Superhelden der Vielfalt: Die pinken Tiere in Superheldenkostümen halten Schilder in die Luft, auf denen zum Beispiel „Inklusion“ oder „Respekt“ steht. „Jacques Tilly hat uns bei der Gestaltung der Figuren geholfen“, erklärt Andreas Mauska, der Präsident des Vereins.

Der 36-jährige Anton ist ebenfalls Mitglied im Verein und findet es wichtig, heute auf die Straße zu gehen. „Gerade in Düsseldorf, wo die queere Community nicht so präsent ist wie in Köln oder Amsterdam, müssen wir weiterhin ein Zeichen setzen“, sagt er. Denn in der Stadt gebe es immer weniger dauerhafte Treffpunkte für die Community, in Form von Bars und Clubs beispielsweise. Generell hat Anton das Gefühl, dass es einen Stimmungswechsel in der Gesellschaft gibt: „Man erfährt als queere Person viel Gegenwind und wird oft als bekehrend wahrgenommen. Außerdem rudern auch viele Firmen zurück mit ihrer Solidarität, sie zeigen sie nicht mehr so deutlich wie noch vor ein paar Jahren“, sagt er. Einige Unternehmen sind bei der Demonstration dabei. So zum Beispiel Vodafone, aber auch L’Oreal oder Henkel.

Neben den großen Wagen gibt es auch einige Fußgruppen, darunter auch ein eingetragener Verein für Pup-Play und Fetisch. Die Teilnehmer sind mit ihren Hundemasken nicht zu übersehen. „Beim Pup-play schlüpfen wir in die Rolle von Hundewelpen und wollen damit den Alltag hinter uns lassen“, sagt der 37-jährige Ricky. „Für uns ist das ein Hobby, wie Motorrad fahren“, sagt er.

Die Diakonie Düsseldorf läuft in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Demonstration mit. Dietmar Saxler, der Projektleiter der Tagespflege Vielfalt, die sich auf queere Senioren spezialisiert hat, will mit seinen Mitarbeitern auf ihre Arbeit aufmerksam machen: „Der Stadtrat hat Ende März das Projekt ,Queer im Alter’ eingestellt, das ein bundesweit einzigartiges Angebot von der Aidshilfe Düsseldorf war. Die Diakonie führt das Projekt aber intern weiter, und dafür müssen wir hier heute Präsenz zeigen.“

Um 13.45 Uhr setzt sich der Demonstrationszug vom Graf-Adolf-Platz in Bewegung und zieht dann durch die Düsseldorfer Innenstadt. Die Stimmung ist ausgelassen, von den Trucks dröhnt poppige Musik und die Demonstranten verteilen Flyer und bunte Armbänder am Straßenrand. An der Friedrich-Ebert-Straße und der Heinrich-Heine-Allee vorbei kommt die Demonstration schließlich zu ihrem Ziel am Johannes-Rau-Ufer.

Eine gute Nachricht am späten Nachmittag: Laut einer Sprecherin der Polizei Düsseldorf kam es während der Demonstration zu keinen nennenswerten Auseinandersetzungen.