Israelische Soldaten haben im Westjordanland auf ein Auto geschossen und dabei ein sieben Monate altes Baby getötet. Die Schüsse seien am Freitagabend in der Gegend von Tel Rumeida südlich von Hebron abgegeben worden und hätten den Säugling tödlich getroffen, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Das Kind war mit seinen Eltern unterwegs.
Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurde der Junge von einer Kugel am Kiefer getroffen. Später sei er an seinen Verletzungen gestorben. Sein Vater, Dozent an der Universität Bethlehem, und seine Mutter erlitten demnach Verletzungen. Die Familie sei auf dem Weg von Bethlehem zu Verwandten in Hebron gewesen.
Die Großmutter des Jungen, die ebenfalls im Wagen saß, sagte, die Familie sei in der Nähe eines Kontrollpunkts unterwegs gewesen und habe angehalten, als in der Ferne Militärfahrzeuge und Soldaten zu sehen gewesen seien. Zunächst habe sie geglaubt, Warnschüsse zu hören.
Israelisches Militär bestätigt Vorfall
Der Vater des getöteten Kindes sagte der Nachrichtenagentur AP, dass
eine Kugel die Windschutzscheibe seines Autos durchschlagen und zunächst seine Hand getroffen habe. Anschließend habe sie das Gesicht des Kindes durchdrungen, bevor sie in das Gesicht der Mutter eingeschlagen sei. Diese befinde sich in kritischem Zustand und wisse noch nicht, dass ihr Sohn nicht mehr am Leben sei.
Das israelische Militär bestätigte den Vorfall. Ersten Untersuchungen zufolge handelte es sich bei den Verletzten um unbeteiligte Zivilisten. Soldaten hätten auf ein Fahrzeug geschossen, das in der Gegend von Hebron auf sie »zugerast« sei. Sie hätten mit »einzelnen Schüssen« reagiert und dabei drei Palästinenser verletzt, die in ein Krankenhaus gebracht worden seien. Auf das Alter der Betroffenen geht die Mitteilung des Militärs nicht ein.
© Lea Dohle
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Das britische Konsulat in Jerusalem zeigte sich auf der Plattform X schockiert und traurig über den Tod des Kindes. Es forderte eine umgehende und transparente Untersuchung des Vorfalls.
Seit Beginn des Gazakrieges nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 1.000 Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem getötet, darunter mindestens 240 Kinder. Bereits im März hatten israelische Soldaten im Norden des Westjordanlands auf ein Auto geschossen und vier Menschen getötet, darunter zwei Kinder.
Angriffe gewalttätiger Siedler nehmen zu
Zugleich greifen gewalttätige Siedler regelmäßig palästinensische Dörfer an. Bei einem Angriff auf den Ort Huwara wurden am Samstag laut örtlichen Medienberichten neun Palästinenser verletzt, Autos zerstört und Schafe gestohlen.
Aufnahmen zeigen vermummte Männer, die mit Steinen auf ein geparktes Fahrzeug einschlagen. Eine Sprecherin der Gemeinde sagte, Dutzende Siedler hätten das Rathaus, mehrere Häuser und deren Bewohner angegriffen. Eine Kommission der Palästinensischen Autonomiebehörde hat allein im Mai insgesamt 551 Siedlerangriffe dokumentiert.
Indirekte Gespräche in Kairo
Unterdessen tötete ein israelischer Luftangriff im Gazastreifen nach Angaben von Gesundheitsbehörden mindestens sieben Palästinenser, darunter zwei Frauen. Demnach wurde ein großes Zeltlager im Zentrum von Gaza-Stadt getroffen, 15 weitere Menschen wurden verletzt.
In Ägypten begann derweil eine neue Runde indirekter Gespräche mit der Hamas und anderen palästinensischen Fraktionen darüber, wie Israel die erste Phase der Waffenruhe umsetzt und wie der Übergang in die zweite Phase gelingen kann. Diese sieht eine Entwaffnung der Hamas und einen Rückzug des israelischen Militärs vor.
Seit Beginn der Waffenruhe wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza rund 950 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet. Im selben Zeitraum wurden nach Angaben des israelischen Militärs vier israelische Soldaten getötet. Insgesamt sind seit Kriegsbeginn nach diesen Angaben fast 73.000 Menschen im Gazastreifen getötet worden, den Israel inzwischen zu mehr als 60 Prozent kontrolliert.
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