
China baut seine Stellung aus: Russischer Autohaus-Showroom im Januar 2026
(Bild: KELENY/Shutterstock.com)
Russlands Automarkt wird zunehmend von chinesischen Herstellern geprägt. Nach dem Rückzug westlicher Konzerne 2022 hat sich die Branche grundlegend gewandelt.
Wo einst westliche Konzerne die Bänder laufen ließen, rollt heute chinesische Hardware vom selben Asphalt: Im Juni soll im Kaliningrader Avtotor-Werk die Montage des Hybrid-Crossovers Rox 01 anlaufen – ein weiteres Kapitel in der stillen Neuordnung des russischen Automobilmarkts.
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Seit dem Rückzug von VW, Renault und Co. nach den Sanktionen in Folge des Ukraine-Krieges haben chinesische Hersteller das entstandene Vakuum systematisch gefüllt. Der Rox 01 steht dabei sinnbildlich für diese Verschiebung: ein serielles Hybridsystem mit 476 PS starkem Elektroantrieb, bis zu 1.115 km Reichweite – und ein Preisschild von umgerechnet rund 100.000 Euro, das durch die heimische Produktion künftig fallen dürfte.
Chinesische Automarken in Russland
Die Produktion chinesischer Automarken in Russland hat sich in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Dazu gehört etwa der chinesische Hersteller Haval (eine Marke von Great Wall Motor): Der Konzern ist mit einem eigenen Vollzyklus-Werk in Tula vertreten. Die Produktion begann 2019 mit einer Kapazität von 75.000 bis 150.000 Fahrzeugen (Crossover und SUV) pro Jahr. Es handelt sich um das erste und einzige vollwertige chinesische Automobilwerk in Russland.
Der Hersteller Chery nutzt seit 2024 mehrere ehemalige Produktionsstätten westlicher Marken für die Montage; unter anderem ein ehemaliges VW-Werk in Kaluga, eine frühere Mercedes-Fabrik in der Oblast Moskau sowie ein von Nissan übernommenes Werk in St. Petersburg. Bei den hergestellten Modellen handelt es sich um Crossovers, SUVs und Limousinen.
Die russische Avtotor-Gruppe stellt in seinem Werk in der Exklave Kaliningrad seit 2025 für die chinesischen Marken Jetour, Changan und BAIC Autos her (Fahrzeugtyp Crossover, SUV, Limousine und Geländewagen). Vor den Sanktionen von 2022 fand in diesem Werk die Auftragsfertigung von Fahrzeugen der Marken BMW, Kia und Hyundai statt.
Schließlich sind die russischen Aktivitäten mit dem chinesischen Autohersteller Geely eng mit dem Joint Venture BelGee in Belarus verbunden. Dieses Gemeinschaftsunternehmen betreibt ein großes Montagewerk in Borisow, von wo aus Fahrzeuge unter anderem nach Russland exportiert werden.
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Moderne Gemeinschaftsmarken
Zu den chinesischen Automarken, die in den letzten Jahren auf dem russischen Markt an Bedeutung gewonnen haben und die vielfach bereits westliche Hersteller ersetzen, kommen moderne russisch-chinesische Gemeinschaftsmarken beziehungsweise russische Marken, die auf chinesischen Modellen basieren, hinzu.
Dazu gehört etwa der Moskwitsch, eine seit 2022 wiederbelebte Traditionsmarke, die im ehemaligen Renault-Werk in Moskau gefertigt wird und technisch auf chinesischen JAC-Modellen basiert. Weitere Marken, hinter denen sich chinesische Modelle verbergen, bilden Sollers (Produktion von Nutzfahrzeugen und Pick-ups an Standorten in Uljanowsk, Alabuga und Wladiwostok) oder Tenet, Jeland und Esteo (produziert von der AGR Holding in St. Petersburg und Kaluga).
Hierbei nimmt auch der Sektor der Hybrid- und Elektrofahrzeuge eine immer bedeutendere Rolle ein. Ein Beispiel ist der Evolute, eine russische Automarke, die vom Unternehmen Motorinvest in seinem Werk in der Region Lipezk hergestellt wird. Es geht dabei um die Montage und Vermarktung von Elektro- und Hybridfahrzeugen (Crossovers, Limousinen und Minivans) die von chinesischen Automobilherstellern (vor allem Dongfeng und Seres) für den russischen Markt entwickelt wurden.
In der zweiten Jahreshälfte 2026 möchte der russische Hersteller AvtoVAZ, der den bekannten und beliebten Lada produziert, mit einem Hybridmodell, dem Lada Azimut, starten.
Revival russischer Automarken
Die Automobilbranche hat in Russland in den letzten 30 Jahren mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen: von der vollständigen Abhängigkeit von ausländischen Technologien in den 1990er Jahren bis hin zu einer weitreichenden Lokalisierung heute.
Während der Automobilsektor in der Sowjetzeit eine Schlüsselindustrie mit Massenproduktion darstellte, brach diese im Zuge der sogenannten „kapitalistischen Transformation“ fast komplett ein. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein breiter Ausverkauf des Landes, die günstige Preisgabe von heimischen Ressourcen, die Öffnung der staatlichen Schlüsselindustrien für westliche Konzerne und ein wirtschaftlicher Niedergang, der bis zum Staatsbankrott (1998) führte.
Seit 1977 und damit seit fast 50 Jahren wurde lediglich der robuste Geländewagen Lada Niva Legend (4×4) von Russlands größtem Automobilhersteller AvtoVAZ durchgehend produziert. Hauptstandort ist das Werk in Toljatti, weitere Werke befinden sich in Ischewsk und seit September 2025 in St. Petersburg (ehemaliges Toyota-Werk).
Neben dem Niva Legend umfasst Lada die Baureihen: Granta (Limousine, Crossover; hergestellt seit 2011), Vesta (Limousine, Kombi, Crossover; hergestellt seit 2015), Aura (offizielle Business-Limousine; Marktstart Ende 2024), Largus (Kombi, Lieferwagen; hergestellt seit 2012), Niva Travel (Familien-SUV; seit Dezember 2020 Serienproduktion des aktuellen Modells) sowie Iskra (Limousine, Kombi, Crossover; Produktionsstart April 2025).
Eine alte Marke wiederbelebt: Ein Wolga K50 Crossover
(Bild: Wolga)
Ebenso spielt der russische Automobilhersteller UAZ mit Hauptstandort in Uljanowsk eine wichtige Rolle auf dem heimischen Markt. Er hat sich auf robuste Geländewagen spezialisiert, etwa die Modelle Hunter und Patriot.
Ein Comeback erlebt ferner der russische Autoproduzent Wolga. Das ursprünglich prestigeträchtige Sowjet-Auto, wird heute in China entwickelt und im ehemaligen VW-Werk in Nischni Nowgorod montiert. Noch im Jahr 2026 sollen die ersten Modelle des SUV K50 sowie K40 und der Limousine C50 bei den Händlern stehen.
Ein Markt im Umbruch
Der russische Automobilmarkt hat sich nach dem Wegfall westlicher Hersteller neu erfunden – pragmatisch, eigenständig, und mit überraschendem Tempo.
Russische Autos sind keine Premiumprodukte – und das ist kein Geheimnis. Was sie stattdessen bieten: Robustheit auf schlechten Straßen, unkomplizierte Wartung und eine Ersatzteilversorgung, die auch abseits der Großstädte funktioniert. Wer Wert auf Karosserieverarbeitung, Motorleistung oder moderne Elektronik legt, hat traditionell eher das Nachsehen. Interessant zu sehen wird sein, inwiefern sich dieses Paradigma mit dem Einstieg der chinesischen Investoren zu ändern beginnt.