Entscheidung im Kaukasus
Für Putin steht viel auf dem Spiel
07.06.2026 – 09:57 UhrLesedauer: 5 Min.
Der russische Präsident Putin (r.) und der armenische Ministerpräsident Paschinjan (l.): Armenien hat seine Mitgliedschaft im russisch geführten Militärbündnis CSTO ruhen lassen. (Quelle: Vladimir Smirnov/imago-images-bilder)
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Wenn Armenien im Juni ein neues Parlament wählt, steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft der kleinen Kaukasusrepublik. Auch Wladimir Putin dürfte gespannt nach Eriwan schauen.
Armenien wählt am 7. Juni ein neues Parlament – und womöglich auch eine neue geopolitische Heimat. Die Abstimmung im kleinen Kaukasusland, das zwischen Georgien, dem Iran, der Türkei und Aserbaidschan liegt, ist mehr als eine innenpolitische Richtungsentscheidung. Sie ist ein Stresstest für Wladimir Putins Resteinfluss in einer Region, die er lange als gesicherten Hinterhof betrachtete.
Die Türkei ist bereits Mitglied der Nato, Aserbaidschan pflegt derweil enge Beziehungen mit Ankara und Israel. In Georgien regiert zwar eine kremlfreundliche Regierung, das Volk protestiert allerdings wöchentlich gegen den Einfluss Moskaus im Land.
- Schicksalswahl im Kaukasus: Trump und Putin positionieren sich
- Im Schatten Moskaus: Ein Land zeigt Putin die kalte Schulter
Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan unterhält zwar formell solide Beziehungen zu Wladimir Putin, doch er orientierte sich in den vergangenen Jahren immer weiter zum Westen. Kürzlich richtete die armenische Hauptstadt Eriwan den Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft aus, zahlreiche Politiker wie Emmanuel Macron wurden bei öffentlichen Auftritten teils mit frenetischem Jubel begrüßt.
Die Wahl am 7. Juni wird also nicht nur ein Stimmungstest für Paschinjan, sondern könnte auch eine endgültige Neuausrichtung der armenischen Außenpolitik bedeuten: weg von Russland, hin zur EU.
Russland enttäuscht den ehemaligen Verbündeten
Die strategische Bedeutung Armeniens zeigt sich bei einem Blick auf die Landkarte der Region. Das Land liegt an der Schnittstelle zwischen Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien. Wer hier Einfluss hat, kontrolliert potenzielle Transitwege für Energie und Waren, kann auf benachbarte Konfliktzonen einwirken. Russland hat diese Position seit dem Zerfall der Sowjetunion für sich beansprucht und diesen Anspruch durch Militärbasen und enge wirtschaftliche Beziehungen untermauert.

Emmanuel Macron in Eriwan: Die EU nähert sich an. (Quelle: IMAGO/Alexander Patrin/imago)
Doch diese Beziehung veränderte sich in den vergangenen Jahren. Die Erosion des guten Verhältnisses begann im Jahr 2020, als Armenien von Aserbaidschan angegriffen wurde und etwa ein Drittel seines Territoriums verlor. Russland machte keine Anstalten, die Aserbaidschaner zur Räson zu bringen, obwohl Armenien als Teil des Moskauer Militärbündnisses OVKS (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit) zumindest formell unter russischem Schutz stand.
