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Beim D-Day-Gedenken in der Normandie verglich US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Bedrohung durch die Nazis mit heutigen Flüchtlingsbewegungen. Seine vermeintliche Rede war ein Missbrauch für seinen politischen Kulturkampf.

Historische Heldentaten längst gefallener Soldaten für eigene ideologische Kämpfe zu missbrauchen, gehört wohl zu den infamsten Formen politischer Instrumentalisierung. Doch genau das tat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am diesjährigen D-Day-Gedenken in der Normandie.

An einem Ort, an dem 1944 Tausende alliierte Soldaten ihr Leben ließen, um Europa von der nationalsozialistischen Barbarei zu befreien, zog Trumps Kriegsminister eine verstörende Parallele zur Gegenwart. Nachdem er die Landung der Alliierten als Rettung der westlichen Zivilisation gewürdigt hatte, sprach er von europäischen Stränden, über die heute „Boote und Männer“ ankommen würden. „Wann werden die europäischen Hauptstädte etwas gegen diese Invasion unternehmen?“, fragte er dann fordernd.

Eine infame Rede

Der Vergleich ist ungeheuerlich. Hegseth stellt damit Flüchtlinge und Migranten rhetorisch in eine Traditionslinie mit jener Bedrohung, gegen die die Alliierten gemeinsam kämpften. Er bedient damit die Erzählung eines angeblichen Bevölkerungsaustauschs. Es ist jenes rechtsextreme Narrativ, wonach fremde, vornehmlich islamische und andere „kulturfremde“ Massen die westlichen Gesellschaften verdrängen und auslöschen würden. Und erschwerend kommt hinzu: Die toten US-Soldaten können sich nicht einmal gegen Hegseths Vergleich wehren.

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Die Rede war damit keine Gedenkansprache am Omaha Beach, sondern eine Schande. Sie war eine infame Aneinanderreihung von schrägen Vergleichen, Geschichtsklitterungen und vielsagenden Auslassungen der Realität. Denn Hegseth blendete die tatsächliche Bedrohung für Europas Freiheit konsequent aus.

Nicht Flüchtlingsboote zerstören und gefährden nämlich heute die europäische Friedensordnung. Es ist der russische Präsident Wladimir Putin. Durch seinen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine wurden bereits Hunderttausende Menschen getötet, verstümmelt, vergewaltigt oder entführt. Darunter befinden sich zahllose Zivilisten, viele Kinder und Frauen. Russland droht mit seinen Atomwaffen, führt hybride Angriffe gegen Nato-Staaten. Zuletzt traf eine russische Drohne ein Wohnhaus in Rumänien.

Die USA lassen ihre Verbündeten im Stich

Was Hegseth konsequent ausließ: Wladimir Putin nutzt Migrationsbewegungen selbst gezielt als Instrument der Destabilisierung. Und zwar indem er sie ganz bewusst auslöst – ob in der Ukraine, in Syrien oder im Sudan. Gerade deshalb ist Hegseths Rede empörend und zynisch. Denn während er sich anmaßt, Europa Lektionen über die Verteidigung der Freiheit zu erteilen, verweigert sich die Trump-Regierung zunehmend dem gemeinsamen Widerstand gegen diesen Aggressor, der die europäische Sicherheitsordnung tatsächlich herausfordert.