Gaudí: Der ‚Architekt Gottes‘
Sonntag, 07. Juni 2026, 08:40
bis
09:00 Uhr
Antoni Gaudí und sein Meisterwerk: die Sagrada Família
Von Sylvia und Alfred Sobel
Der 100. Todestag Antoni Gaudís jährt sich am 10.6.2026. Der katalanische Architekt übernahm vor über 140 Jahren die Bauleitung eines der beeindruckendsten Sakralbauten: Der ‚Sagrada Família‘ in Barcelona.
Katholizismus prägte Gaudís Architektur

Noch lange nicht fertig: die Sagrada Familia in Barcelona.
Die seit über 140 Jahren noch immer im Bau befindliche Kirche Sagrada Família besitzt eine unendliche Geschichte, denn die Überzeugung ihres Erbauers Antoni Gaudí lautete: „Was lange Bestand haben soll, muss langsam gedeihen“.
Dahinter verbirgt sich die älteste Baustelle weltweit, mit täglich weit über 10.000 Besuchern. Sie verfügt über einen Bauplan, aber ohne Gesamtkonzept und den nach Fertigstellung höchsten Kirchturm der Welt. Papst Franziskus ernannte wenige Tage vor seinem Tod im April 2025 den Architekten dieses Gebäudes zum Ehrwürdigen Diener Gottes. Ein wichtiger Schritt im Prozess der Seligsprechung der katholischen Kirche. Die Geschichte des einzigartigen katalanischen Künstlers, der am 10. Juni 1926 – also vor 100 Jahren – starb ist noch nicht zu Ende.
Ein Architekt als ehrwürdiger Diener Gottes
Gaudí plante die Kirche mit einer Gesamtlänge von 90 Metern, in Form eines lateinischen Kreuzes. Es gibt fünf Kirchenschiffe im Langhaus, drei im Querhaus. Die Form der Säulen entwickelte Gaudí durch das hängende Kettenmodell: Er hängte Ketten auf, die durch ihr eigenes Gewicht eine natürliche Kurve bildeten: die sogenannte Kettenlinie. Diese Kurve zeigt, wie Lasten gleichmäßig verteilt werden. Statt schwerfällige Stützstrukturen zu errichten, leitete Gaudí das Gewicht des Bauwerks durch geneigte, baumartige Säulen direkt in den Boden.
Sagrada Familia: 18 Türme, symbolhaft für biblische Gestalten
Der gesamte Kirchenbau verfügt über 18 beeindruckende Türme, die symbolhaft für folgende biblische Gestalten stehen: die zwölf Apostel, vier Evangelisten, die Jungfrau Maria und der höchste, noch unvollendete Turm für Christus, mit 172 Metern Höhe. In der für Gaudí typischen Demut der Schöpfung und dem Schöpfer gegenüber sollte der Christusturm den ihm gegenüberliegenden Hausberg Barcelonas, den Montjuic, nicht überragen.
Die Vollendung der Nachwelt überlassen
Besonders reich an neutestamentlichen Geschichten präsentieren sich die drei Fassaden der Kirche: die Geburts-, Passions- und Glorienfassade. Die Geburtsfassade ist die älteste der drei Fassaden, sie gehört seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe und widmet sich der Geburt sowie dem frühen Leben Jesu. Vielfältige, symbolhafte Verzierungen und Engeldarstellungen umranken sie. Die Passionsfassade hingegen stellt den Verrat, die Verurteilung, Kreuzigung und Grablegung Jesu dar. Hier finden sich kaum Verzierungen, die Skulpturen werden kahl und wie aus Knochen gemeißelt präsentiert. Die Glorienfassade wartet noch auf ihre Fertigstellung. Gaudi überließ ihre Vollendung gänzlich und vertrauensvoll der Nachwelt: Er war der Ansicht, dass diese Kirche nicht das Werk eines Architekten, sondern des Volkes Gottes sei und jede Generation ihren Beitrag zu ihrer Gestaltung beitragen solle.

Seligsprechung nimmt ihren Lauf
Die Finanzierung der Sagrada Família erfolgt allein durch Spenden und Eintrittsgelder der Besucher. 2023 waren es über 120 Millionen Euro, die in den Weiterbau des Sakralbaus flossen. Sonntags zum Besuch der Heiligen Messe ist der Eintritt in das Gotteshaus freilich unentgeltlich.
Es existieren zwei Altäre in der Kirche, der Hauptaltar und der Krypta-Altar, wobei an beiden Orten Messen gefeiert werden. Bei der Weihe der noch unvollständigen Sagrada Família im Jahr 2010 bemerkte Papst Benedikt XVI.: „Besonders bewegt hat mich die Sicherheit, mit der Gaudí angesichts der zahllosen Schwierigkeiten, die er bewältigen musste, voll Vertrauen auf die göttliche Vorsehung ausrief: „Der heilige Josef wird die Kirche vollenden.'“ Wir erinnern uns: Papst Benedikt XVI. hieß mit bürgerlichem Namen Josef; auf diese Weise vollendete tatsächlich ein besonderer Josef seine Kirche.
Im Jahr 2000 wurde von der Kirche ein Seligsprechungsverfahren für Gaudí eingeleitet. 2025 erklärte der Vatikan, Papst Franziskus habe das Leben Gaudís als ‚tugendhaft‘ anerkannt und ihn zu einem ‚ehrwürdigen Diener Gottes‘ erhoben. Er beeindrucke durch seine immense Gottessehnsucht sowie seine Leidenschaft für Gottes Werk und Wort. Somit nimmt seine Seligsprechung ihren Lauf.
das Manuskript zum Herunterladen