Ach, wenn doch schon Schluss wäre in der 2. Hockey-Bundesliga Nord. Dann hätte der HTC SW Neuss den Klassenverbleib geschafft. Doch weil am nächsten Wochenende noch ein Doppelspieltag aussteht und der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz nur drei Punkte und zehn Tore beträgt, könnten den Schwarz-Weißen weitere Nervenkrimis wie der am Samstag auf dem Jahnplatz bevorstehen.
Viel belastender als der erst in der letzten Spielminute mit einer verwandelten Strafecke unter Dach und Fach gebrachte 2:1-Sieg (Halbzeit 1:1) im Kellerduell mit dem bis dahin punktgleichen Braunschweiger THC kann es indes kaum werden. Noch eine gute halbe Stunde nach der Schlusssirene fühlte sich Trainer Matthias Gräber komplett leer und bekannte: „Ich freue mich noch gar nicht. Das war ein Abstiegskampffinale.“ Eines mit, trotz des unfassbar wichtigen Erfolges, bitterem Ausgang: Bereits in der zehnten Minute war Jakob Eimer so unglücklich gestürzt, dass für ihn die Saison mit womöglich gebrochenem Handgelenk vorbei ist. Und auch hinter dem weiteren Einsatz von Daan Schenck (Muskelfaserriss?) steht ein dickes Fragezeichen.
Unabhängig davon hatte Gräber in der Anfangsphase der Partie nie das Gefühl, „dass wir verlieren könnten, so viel besser waren wir.“ Trotzdem endete das erste Viertel nach verwandelten Strafecken von Oleksandr Solomianyi für Neuss (7.) und Hannes Ellrott für Braunschweig (12.) 1:1.
Dabei blieb es bis zur Schlussminute, denn die immense Bedeutung der Auseinandersetzung war beiden Teams mit zunehmender Spielzeit immer deutlicher anzumerken. Die Ausfälle von Jakob Eimer und Daan Schenck taten ihr Übriges. Dem erst 17-jährigen Luki Heinemann, der eigentlich nur mitgekommen war, um zu helfen, bescheinigte Gräber zwar einen guten Job, „doch wir waren am Ende stehend k.o.“, gab der Trainer zu. Aber das Nervenkostüm hielt: 40 Sekunden vor dem Ende nutzte abermals Solomianyi, der schon am 5:4-Sieg vor der Pfingstpause gegen den Düsseldorfer HC mit zwei Treffern nach Standards beteiligt gewesen war, eine Strafecke zum 2:1. Das kommentierte Gräber nüchtern: „Heute hatten wir mal das nötige Quäntchen Glück.“
Da es am Tabellenende indes ausgesprochen eng zugeht, kann sich die Lage im Saisonfinale für Neuss (19 Punkte), Hannover (17) und Braunschweig (16) noch schlagartig ändern, zumal der HTC mit den Partien gegen den DSD Düsseldorf, der an der Jahnstraße den Aufstieg perfekt machen könnte, und beim bärenstarken Marienburger SC noch zwei ausgesprochen schwierige Aufgaben vor der Brust hat.