Die Schwarzarbeit nimmt laut Handwerkskammer Dresden zu. Jede Ähnlichkeit mit realen Menschen ist zufällig. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Zoll und Kammer vereinbaren gemeinsame Schwerpunktkontrollen
Dresden, 07.06.26. Angesichts steigender Sozialabgaben und hoher Steuern arbeiten immer mehr Bauhelfer, Maler, Putzfrauen, Gärtner, Kurierfahrer und andere Menschen schwarz. Besonders verbreitet ist dies auf Baustellen und sogenannten „Barbershops“. Das hat die Handwerkskammer Dresden eingeschätzt.
Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
„Hohe Steuern und Sozialabgaben sind eine der Hauptursachen für die Schwarzarbeit.“
Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden
„Die schwierige Konjunkturlage lässt die Schwarzarbeit boomen“, schätzt Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski ein. „Wir bringen daher die relevanten Akteure an einen Tisch, um den Druck auf dem Schwarzarbeitsmarkt wirksam zu reduzieren. Ziel ist es den fairen Wettbewerb zu stärken und unlauteren Wettbewerbern das Handwerk zu legen.“
Die Kammer hat deshalb nun Kontrolleure des Zolls, der Landratsämter und Handwerker zusammengetrommelt. Die Runde hat nun gemeinsame Schwerpunktkontrollen vereinbart, um diese Probleme einzudämmen.
Wenn Schere zwischen Brutto und Netto auseinander klafft, legt Schwarzarbeit zu
Die hohen Abgaben- und Bürokratielasten für steuerzahlende Betriebe sind der Handwerkskammer schon länger ein Dorn im Auge: einerseits, weil sie die langandauernde Wirtschaftskrise in Deutschland mitausgelöst und verstetigt haben, andererseits, weil sie die Versuchung erhöhen, Geldabführungen an Staat und Sozialkassen illegal zu vermeiden. „Hohe Steuern und Sozialabgaben sind eine der Hauptursachen für die Schwarzarbeit“, meint Brzezinski. „Sie vergrößern zum einen die Schere zwischen Brutto und Netto und verteuern zum anderen handwerkliche Arbeiten, wodurch der Anreiz steigt, illegal zu agieren. Daher sind Entlastungen für die Betriebe zwingend notwendig. Eine weitere Steigerung der Sozialabgaben würde hingegen wir ein zusätzliches Konjunkturprogramm für die Schwarzarbeit wirken.“
Studien: Steuern, Abgaben und Bürokratielasten machen mindestens 45% der Schwarzarbeit-Ursachen aus
Laut früheren Studien von Prof. Friedrich Schneider von der Uni Linz sowie Prof. Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln machen hohe Steuer- und Abgabenlasten sowie Regulierungsdichte rund 45 bis 60 Prozent der Ursachen von Schwarzarbeit aus. Nach einer Studie von Knut Emmerich – die allerdings aus dem Jahr 2002 stammt – hat Schwarzarbeit im Bau- und Hausmeistersektor einen Anteil von 38 Prozent der gesamten Arbeitsleistungen, in der Gastronomie waren es damals 17 Prozent, bei Autoreparaturen etwa 17 Prozent und in der Prostitution zirka 13 Prozent.
Was unterscheidet Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft?
In ihren Studien unterscheiden die Ökonomen zwei Arten von Arbeit am Staat vorbei: Schwarzarbeit umfasst eigentlich legale Tätigkeit, für die vor allem der einzelne Handwerker oder Laie Steuern hinterzieht und die fälligen Sozialabgaben zahlt, indem er diese Tätigkeiten verheimlicht. Schattenwirtschaft ist umfangreicher und umfasst auch generell illegale Tätigkeiten wie verbotenes Glücksspiel, Drogenhandel und dergleichen. Zur Schattenwirtschaft gehören auch an für sich legal angemeldete Betriebe, die einen Teil ihrer Einnahmen nicht offiziell verbuchen, um Steuern und Abgaben zu hinterziehen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: HWK Dresden, Wikipedia, „Shadow Economies: Size, Causes, and Consequences“ von F. Schneider und Dominik Enste, „Wege aus der Schwarzarbeit“ von Knut Emmerich
