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Brüssel – Druck beim Dienstwagen! Die EU-Kommission will bei der Verkehrswende Gas geben. Unternehmen sollen künftig durch feste Quoten dazu gebracht werden, mehr E-Autos anzuschaffen. Am Montag kommt der Vorschlag in Brüssel auf den Tisch. Doch schon vor der Ministerrunde gibt es heftigen Gegenwind aus der Automobilbranche.

BILD liegt exklusiv ein gemeinsames Positionspapier mehrerer europäischer Branchenverbände vor. Darin laufen Vertreter von Mittelstand, Leasingwirtschaft, Speditionen, Fahrzeugherstellern und Zulieferern Sturm gegen die geplante Verordnung der EU. Die Verbände sprechen von einem „De-facto-Verbrenner-Verbot“ für Firmenwagen.

E-Auto-Quoten für Unternehmen

Hintergrund ist die geplante „Clean Corporate Vehicles Regulation“ der Europäischen Kommission – eine Verordnung zur Elektrifizierung von Firmenflotten.

Rund 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw in Europa sind Firmenfahrzeuge; bei Transportern liegt der Anteil sogar bei bis zu 90 Prozent. Die Kommission sieht Unternehmensflotten deshalb als wichtigen Hebel für die Verkehrswende. Gemäß einem Vorschlag der EU müssen die Mitgliedstaaten ab 2030 dafür sorgen, dass große Unternehmen feste Quoten an emissionsfreien und emissionsarmen Firmenwagen erreichen.

Doch die Branche hält dagegen. Ihr Vorwurf: Brüssel setzt auf Zwang statt auf Anreize. Das Problem seien laut Positionspapier nicht zu wenige Vorschriften, sondern fehlende Ladesäulen, hohe Stromkosten und sinkende Restwerte von E-Autos.

Verbrenner-Verbot durch die Hintertür

Besonders hart trifft es laut Positionspapier kleine und mittlere Unternehmen – obwohl Brüssel offiziell vor allem Großkonzerne im Blick hat. Die Verbände warnen vor Folgen für Betriebe auf dem Land, Firmen mit langen Strecken oder fehlender Ladeinfrastruktur.

Das betrifft etwa Handwerker, Lieferdienste, Bauunternehmen oder Pflegedienste. Für viele von ihnen sind Leasing und Miete der wichtigste Weg zu neuen Fahrzeugen. Mobilität wird für sie durch die Verordnung noch einmal deutlich teurer, warnen die Verbände. Sie fordern deshalb einen technologieoffenen Ansatz statt verbindlicher Quoten.

Brisant: Die Verbände werfen der EU-Kommission vor, indirekt in die Besteuerung von Dienstwagen einzugreifen. Die Quoten würden zwar erst ab 2030 greifen. Aber schon ab 2028 sollen Staaten Firmenwagen nur noch finanziell unterstützen dürfen, wenn sie emissionsfrei oder emissionsarm sind. Für viele Verbrenner wäre staatliche Hilfe damit tabu. Unklar ist, was als staatliche Hilfe gilt: Sind es nur Kaufprämien – oder auch steuerliche Vorteile wie Abschreibungen?

VDA-Präsidentin Hildegard Müller (58)

Die deutsche Autoindustrie stellt sich gegen die Pläne aus Brüssel. VDA-Präsidentin Hildegard Müller (56) warnt vor zusätzlicher Bürokratie

Foto: picture alliance/dpa

Aus Sicht der Verbände kommt die EU-Verordnung deshalb einem Verbrenner-Aus für Firmenwagen durch die finanzielle Hintertür gleich. Damit überschreite Brüssel jedoch seine Kompetenzen. Denn: Steuerpolitik ist Sache der nationalen Regierungen.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) lehnt die geplante Flottenregulierung ab und warnt vor zusätzlicher Bürokratie. Statt neuer Vorgaben brauche es günstigeren Ladestrom, mehr Ladeinfrastruktur und einen schnelleren Netzausbau. Die Position der Bundesregierung, den Vorschlag abzulehnen, sei daher folgerichtig.

Ende 2025 hatte die EU-Kommission bereits vorgeschlagen, das Verbrenner-Aus ab 2035 aufzuweichen. Doch Brüssel sucht weiter nach Hebeln für die Verkehrswende: Zuletzt wurden strengere Regeln für Mietwagenanbieter diskutiert, jetzt rücken Firmenwagen in den Fokus.

Am Montag steht das Thema auf der Tagesordnung des EU-Ministerrats. Dort wird über die geplante Verordnung beraten. Ob die Kommission ihre Pläne durchsetzen kann, ist offen.