Mit diesen 180 Minuten hat Fabio Chiarodia vor seinem Urlaub kräftig Selbstvertrauen getankt. Der Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach gehörte auch am Sonntag beim 1:0-Erfolg gegen Griechenland zur Startelf der italienischen A-Nationalmannschaft – und das nur vier Tage nach seinem Debüt und den ersten 90 Minuten für die „Squadra Azzurra“.

Die Anfangsformation war am Sonntag mit 20,9 Jahren noch mal jünger als bei Italiens 1:0-Sieg gegen Luxemburg. Interimstrainer Silvio Baldini, den Chiarodia noch als Coach von der U21-Auswahl kennt, setzte in beiden Freundschaftsspielen mit wenigen Ausnahmen voll auf die Zukunft. Mehr als ein Dutzend Spieler durfte sich so über das erste A-Länderspiel freuen.

Definitiv zu den Gewinnern des Schaulaufens zählt Chiarodia. Gegen Griechenland kam er auf zwei abgefangene Bälle, vier klärende Aktionen und zwei geblockte Schüsse. Insbesondere nach der Roten Karte, die Dortmunds Luca Reggiani nach einer Notbremse in der 68. Minute sah, war auf Chiarodia Verlass. „Groß neben Mane, nachdem die numerische Überlegenheit verloren gegangen war“, schrieb die Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Die „Gazzetta dello Sport“ urteilte: „Mit einem Spiel, in dem er Florett und Säbel einsetzt: Er zeigt sich furchtloser, hat Selbstvertrauen. Nur ein kleiner Aussetzer.“ Dort gab es bereits nach Chiarodias erstem Auftritt großes Lob: „Chiarodia war der Spieler, der ein beeindruckendes Spielverständnis zeigte. Er bewies Persönlichkeit, Mut, Präzision und ein ausgeprägtes Gespür für Gefahrensituationen.“

Chiarodia über Italiens Team: „Wie meine zweite Familie“

Nach Chiarodias drei Startelfeinsätzen in den letzten vier Saisonspielen bildeten die beiden Länderspiele für ihn einen runden Abschluss. Am Freitag feierte der Gladbacher im Kreis des Nationalteams seinen 21. Geburtstag. „Auch abseits des Platzes sind wir eine großartige Gruppe – alles, was wir tun, tun wir gemeinsam wie eine Familie. Auch als ich meinen Geburtstag gefeiert habe und eine Rede halten musste, habe ich gesagt, dass diese Mannschaft wie meine zweite Familie ist. Wenn ich hierherkomme, bin ich überglücklich. Es ist eine Topmannschaft, sowohl auf als auch neben dem Platz“, sagte Chiaordia nach dem Spiel gegen Griechenland.

Mit den beiden jüngsten Auftritten hat sich der Borusse auf der prominentesten Bühne Italiens in den Fokus gespielt – und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich in diesem Sommer Klubs aus der Serie A intensiv mit Chiarodia beschäftigen. Das Abwehr-Talent ist allein wegen des 2027 auslaufenden Vertrags in Gladbach interessant für andere Vereine. Aufgrund seines Marktwertes von drei Millionen Euro kann Chiarodia zudem zu einem echten Schnäppchen werden.

Zuletzt berichtete „Il Messaggero“, dass Chiarodia bei Lazio Rom als Nachfolger für Verteidiger Alessio Romagnoli im Gespräch sei. Die Wunschlösung sei allerdings Diego Coppola von Brighton & Hove Albion, dessen Marktwert derzeit bei 18 Millionen Euro liegt. Nur eine baldige Vertragsverlängerung in Gladbach würde die Gerüchteküche, die bei Chiarodia bis Ende August brodeln könnte, erkalten lassen.

Gladbach: Chiarodias Zukunft ist noch offen

In diesem Sommer muss eine Grundsatzentscheidung fallen: Sieht sich Chiarodia langfristig in Gladbach oder nicht? Borussias Sportchef Rouven Schröder dürfte bald das Gespräch mit Chiarodia suchen. Nach bisher nur zwölf Bundesligaspielen von Beginn an ist beim gebürtigen Oldenburger noch viel Luft nach oben vorhanden. Vor allem die Nervenstärke ging Chiarodia bei seinen Auftritten im Borussia-Trikot bislang zu oft flöten.

Unter Trainer Eugen Polanski wäre er nach jetzigem Stand die Nummer drei in der Innenverteidigung. Die Herausforderer-Rolle kennt Chiarodia bereits aus der vergangenen Saison, in der zwischenzeitlich allerdings Routinier Marvin Friedrich an ihm vorbeizog.

In der Theorie wären bei Chiarodia auch eine Vertragsverlängerung und eine anschließende Leihe möglich. Möglichst viele Einsätze zu sammeln dürfte im besten Entwicklungsalter für ihn oberste Priorität haben – auch, um irgendwann vielleicht wieder für die A-Nationalmannschaft infrage zu kommen.