Lange galten die Vereinigten Staaten als Ordnungsmacht im Nahen Osten. Das bedeutete nicht, dass Washington jeden Krieg verhindern konnte. Die Region war schon immer von Konflikten, Machtkämpfen und ideologischen Gegensätzen geprägt. Doch die USA verfügten über etwas, das heute zunehmend verloren geht: die Fähigkeit, Macht auszuüben – und damit die wichtigsten Akteure an einen Tisch zu zwingen sowie die Richtung der Ereignisse maßgeblich zu beeinflussen.
Diese Fähigkeit zerbricht unter Trump zwar schneller, aber die Risse sind schon länger zu beobachten. Seit Jahren verschiebt sich das Machtgefüge im Nahen Osten. Die USA bleiben militärisch dominant, doch regionale Akteure handeln zunehmend eigenständig. Israel verfolgt seine Sicherheitsinteressen kompromissloser als früher. Die Golfstaaten versuchen, zwischen den Machtzentren zu balancieren. Der Iran setzt auf ein Netzwerk aus Verbündeten und Stellvertreterorganisationen. Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten nach den Erfahrungen im Irak und in Afghanistan deutlich zurückhaltender geworden, wenn es um langfristige militärische Engagements geht.
Dadurch entsteht ein Vakuum. Nicht weil Washington insgesamt schwach geworden wäre, sondern weil militärische Stärke allein keine politische Ordnung garantiert. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die aktuelle Krise.
Trumps Strategie geht nicht auf
Dabei wollte Trump die US-amerikanische Dominanz wiederherstellen. Schon während des Wahlkampfs versprach er, Kriege zu beenden, statt neue zu beginnen. Nach dem Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran Ende Februar setzte seine Regierung zunächst auf maximale Härte. Die USA beteiligten sich an militärischen Operationen gegen iranische Ziele und erhöhten gleichzeitig den wirtschaftlichen Druck auf Teheran. Daraufhin wurden überwiegend US-Basen und -Verbündete am Golf vom iranischen Regime angegriffen, und seitdem wird die Straße von Hormus von Teheran und Washington blockiert.
Parallel zu diesen Entwicklungen begann Washington jedoch Verhandlungen mit dem Regime. Und genau hier liegt das strategische Kernproblem der US-Politik.
Trump verfolgt zwei Ziele, die sich zunehmend gegenseitig blockieren. Er will den Iran mit maximalem Druck zu Zugeständnissen zwingen und gleichzeitig ein historisches Abkommen mit genau diesem Regime schließen. Je stärker die Drohkulisse wird, desto schwieriger werden jedoch die Verhandlungen. Dieser Widerspruch prägt Trumps Politik seit Monaten.
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