Saba Hashemi kam vor fünf Jahren aus der iranischen Hauptstadt Teheran nach Deutschland. Nach einem kurzen Aufenthalt in Düsseldorf zog die 39-jährige Mutter eines dreijährigen Kindes nach Odenkirchen. Dort suchte sie auch nach einer Möglichkeit, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Bücher zu lesen, erschien ihr als nicht geeignet. Stattdessen stellte sie fest: „Theater ist eine gute Möglichkeit. Man kann dabei Kontakte knüpfen und sich integrieren.“
Theateraufführungen finden jedoch überwiegend in den Abendstunden statt. Für Lernwillige mit kleinen Kindern ist es daher nicht immer einfach, die Inszenierungen anzusehen und dadurch vom Lerneffekt zu profitieren. So kam Hashemi auf die Idee eines Interkulturellen Theatercafés, in dem Teilnehmende – mit jeweils verteilten Rollen – für einen kurzen Moment in fremde Welten eintauchen und abwechselnd die Dialoge vortragen können.
Zur Zeit der Idee hatte Hashemi ihre Arbeitsstunden reduziert, um besser Deutsch zu lernen. Zwei Jahre verbrachte sie zu Hause mit dem Baby und lernte mithilfe von Onlinesprachkursen. Dann erreichte sie das B2-Niveau. Sie sagt: „Ich wollte mich gerne ehrenamtlich irgendwo einbringen.” Als Hashemi sich beim BIS mit ihrer Idee eines Theatercafés meldete, wurde daraus schnell Realität. Denn freitagsvormittags gab es im Café Bisquit an der Bismarckstraße noch freie Kapazitäten.
Interkulturelles Theatercafé findet wöchentlich statt
Beim Auftakt des wöchentlichen Angebots im BIS am Freitag, 5. Juni, ist auch eine Souffleuse vor Ort; die Theatertexte steuert Philipp Birkmann bei. Er ist ein ausgebildeter Schauspieler aus Mönchengladbach, der immer wieder mit Jugendlichen Theaterstücke auf die Bühne bringt. Neben seinen eigenen Stücken „Die Welt ist ein Würfel”, „Warum wir keine Helden mehr brauchen” und „Jean und die Farm” hat er für die erste Veranstaltung ein bekanntes Stück ausgewählt, aus dem einige Passagen in der kleinen Runde vorgetragen werden: Urs Widmers Drama „Top Dogs”. Es handelt von erfolgreichen Top-Managern, die eine Kündigung erhalten haben und nun arbeitslos geworden sind. Von ihrem Privatleben und sich selbst haben sie sich längst entfremdet.
Die bisherige Resonanz auf das Theatercafé motiviert Hashemi weiterzumachen. Am Freitag kommen bereits mehrere Frauen in das Café, die mehr über das Projekt erfahren wollen. Eine von ihnen, die nicht namentlich genannt werden möchte, sagt, sie habe das Plakat mit dem Hinweis gesehen und sich gleich angesprochen gefühlt. Für sie sei denkbar, Hashemi als Organisatorin und Leiterin tatkräftig zu unterstützen.