Stand: 08.06.2026 20:27 Uhr

In Hannovers Innenstadt sollte eine Zisterne für Regenwasser entstehen. Bei den Bauarbeiten wurden aber teils historische Häuser beschädigt. Nun sollen die Anlieger einen Teil der Reparaturkosten selbst übernehmen.

von Maren Bruns

Die Stadt argumentiert, dass sie rechtlich an eine Prüfung des Haftpflichtschadenausgleichs der Deutschen Großstädte (HADG) gebunden ist. Dieses Gutachten habe ergeben, dass die Stadt nicht habe wissen können, dass der Boden unter den Häusern locker ist. Das erklärte Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel (Bündnis 90/die Grüne). Demnach sei das bei einem vorab erstellen Bodengutachten nicht ermittelt worden. Deshalb trage die Stadt Hannover nicht die alleinige Schuld an den Schäden, so die Versicherung. Ein Drittel müssten deshalb die Hauseigentümer tragen, „nicht weil sie auch Schuld haben, sondern weil der Untergrund Teil dessen ist, was in ihrer Verantwortung liegt“, so Ritschel.

Eigentümer schalten Anwalt ein

Nachdem Risse in den Wänden entstanden, stoppte die Stadt die Bauarbeiten und füllte Anfang des Jahres entstandene Hohlräume unter den Häusern. Die Anwohner teilten dem NDR mit, dass sie vor allem über die fehlende Kommunikation verärgert seien. „In der Planungsphase lief das total toll“, sagt Anlieger Thomas Billerbeck. Umso überraschter war er nun, als er einen Brief aus der Rechtsabteilung der Stadt bekam. „Da wird sich auf eine Rechtsposition zurückgezogen. Und das passt überhaupt nicht zum bisherigen Tenor.“ Mehrere Hauseigentümer haben nun eine Anwaltskanzlei beauftragt. Die will prüfen, welche rechtlichen Schritte gegen die Forderung der Stadt eingeleitet werden können.

„Kommunikation war nicht gut“

Die Stadt wisse inzwischen, dass sich die Anlieger über die fehlende Kommunikation ärgern. „Das ist uns eine deutliche Lehre“, so Anja Ritschel. Man wolle mit den Eigentümern nun persönlich sprechen, um eine zügige Schadensregulierung hinzubekommen. Die Ratsgremien der Stadt haben inzwischen ein zweites technisches Gutachten in die Wege geleitet. Darin soll aufgearbeitet werden, woher die Schäden an den Gebäuden tatsächlich stammen. Sollte das zu einem anderen Ergebnis kommen als die Prüfung des HAGD, könnte sich die Situation ändern, so die Wirtschaftsdezernentin. Das könne aber noch Monate dauern.

Prinzenstraße wird weiter ausgebaut

Wie hoch die Kosten für die Schäden an den Häusern sind, ist bislang nicht bekannt. Die Stadt schätzt die Summe insgesamt auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag. Die Prinzenstraße soll dennoch weiter zu einer an den Klimawandel angepasste Straße umgestaltet werden. Allerdings ohne Zisterne, die das Regenwasser auffängt. Dafür mit einer Begrünung, neuer Straßenbeleuchtung und breiteren Fußwegen. Ende 2027 soll sie fertig sein.

Eingang zum Schauspielhaus Hannover.

Grund sind Schäden an anliegenden Häusern. Sie sind mutmaßlich bei Arbeiten zum Einbau der Regenwasser-Zisterne entstanden.

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