Berlinweit konnten zuletzt 20,6 Prozent der Drittklässlerinnen und Drittklässler nach dem Pflichtunterricht nicht schwimmen, teilt der Senat dem rbb mit. Vor der Pandemie waren es rund 16 Prozent. Dann schlossen die Bäder, der Schwimmunterricht fiel aus, und auf dem Corona-Peak 2020/21 schnellte die Quote auf 36,3 Prozent. Seitdem sinkt sie wieder, aber langsam und ungleich. In Steglitz-Zehlendorf schaffen nur 9,5 Prozent das Seepferdchen nicht, in Lichtenberg sind es 29.

Spandau, wo Annika Gellert gerade am Beckenrand erklärt, wie man die Arme beim Rückschwimmen bewegt, ist der Bezirk mit der höchsten Nichtschwimmerquote Berlins. Mehr als 30 Prozent der Drittklässlerinnen und Drittklässler schafften im vergangenen Schuljahr kein „Seepferdchen“ nach dem verpflichtenden Schwimmunterricht – das absolute Minimum. Wer weniger Ressourcen hat, kann Lücken des Systems schlechter privat ausgleichen. „Wir haben viel Zuzug, auch aus den Innenstadtbezirken, die sich dort das Leben nicht mehr leisten können. Wir haben viele Bürgergeldempfänger in Spandau – da sitzt das Geld nicht so locker, dass man Schwimmkurse machen kann“, zählt Annika Gellert auf.

Dazu komme: „Es gibt zu wenig Wasserzeiten, damit alle bedient werden können. Wenn es mehr Schwimmkurse gäbe, würde sich der Preis vielleicht auch nach unten regulieren – Angebot und Nachfrage machen viel aus“, sagt Gellert. Den „Run“ auf die privaten Kurse bestätigen auch mehrere Betreiber privater Schwimmschulen in Gesprächen mit dem rbb.