
AUDIO: Stephan Zilias beendet seine Zeit an der Staatsoper Hannover (54 Min)
Stand: 09.06.2026 11:35 Uhr
Von preisgekrönten Produktionen bis zur Nachwuchsförderung: Stephan Zilias spricht im Interview über sechs prägende Jahre an der Staatsoper Hannover. Außerdem spricht der Dirigent über seinen bevorstehenden Neuanfang in Gent.
Leidenschaft, Genauigkeit und eine breite musikalische Vision – mit diesen Stärken ausgestattet, kam Stephan Zilias zur Spielzeit 2020/21 nach Hannover. Hier war er an der Staatsoper als Generalmusikdirektor und als Chefdirigent des Niedersächsischen Staatsorchesters tätig. Große Erfolge konnte er in dieser Zeit verbuchen: Die Staatsoper Hannover wurde als „Bestes Opernhaus“ bei den „Oper! Awards“ ausgezeichnet.
Jetzt verlässt Zilias Hannover und wechselt an die Flämische Oper nach Gent. In NDR Kultur à la carte blickt Stephan Zilias mit Friederike Westerhaus auf sechs intensive Jahre in Hannover zurück.
Wir wollen auf die Zeit hier in Hannover schauen und eine Bilanz ziehen. Jetzt kommst du gerade frisch von der Bühne, du hast nämlich noch ein Konzert dirigiert.
Stephan Zilias: Das war ein Kinderkonzert, das hat großen Spaß gemacht. Es war ein Pult-an-Pult-Projekt mit unserem Partnerorchester. Das Staatsorchester pultet zusammen mit dem Niedersächsischen Jugendorchester, dem NJO. Die Jugendlichen waren um die 15 Jahre alt. Es waren 35 Leute vom NJO und der Rest war von uns. Ein tolles Projekt.
Das war das letzte Konzert, das du dirigiert hast. Dass das letzte Konzert von dir ein Kinderkonzert ist, passt gut, weil das Thema Jugend dir in dieser Zeit sehr am Herzen gelegen hat. Wie war das für dich?
Zilias: Ich denke schon, dass wir Akzente setzen konnten. Wir haben zu Beginn meiner Amtsperiode den Partnerschaftsvertrag noch ein bisschen zugespitzt und intensiviert. Ich habe in der Zwischenzeit auch das Privileg gehabt, eine ganze Arbeitsphase mit den Jugendlichen zu dirigieren. Das ist jetzt drei Jahre her. Im kommenden Herbst mache ich wieder eine Arbeitsphase mit denen, da lernt man die natürlich noch besser kennen. Aber diese Pult-an-Pult-Projekte gab es in den vergangenen Jahren vermehrt. Da hat sich schon eine gewachsene Partnerschaft ergeben.
Es sind für dich die letzten Male als Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover und als Chefdirigent des Niedersächsischen Staatsorchesters. Mit was für einem Gefühl gehst du?
Zilias: Was vor allem durch meinen Kopf und meine Seele geht, ist ein Gefühl der Dankbarkeit. Es war für mich die erste Stelle dieser Art – die erste Chefstelle an so einem tollen Haus. Das war ganz schön überwältigend. Im Rückblick hätte ich alles genauso gemacht wie früher. Ich bin sehr froh, Teil dieses Hauses gewesen sein zu dürfen. Ich werde nach wie vor dem Standpunkt Hannover treu bleiben. Denn ich bleibe hier wohnen.
Sind solche Szenen, die so überwältigend sind, auch das gewesen, was dich früh schon an Oper gepackt hat?
Zilias: Ich hatte ein Erweckungserlebnis mit Wozzeck. Das war damals, glaube ich, Lothar Koenigs in Osnabrück. Meine Tante war Cellistin im Orchester und die haben das gespielt. Ich habe nichts davon verstanden, aber ich merkte, es gibt eine Art von Wucht und Druck, die mich in den Sessel gedrückt hat. Ich liebe gleichermaßen das symphonische Repertoire. Ich versuche durch die Beschäftigung mit musiktheatralen Stoffen immer in symphonische Musik eine Art Dramaturgie zu legen.

Der gebürtige Sizilianer übernimmt ab der Saison 2026/2027 die künstlerische Leitung an der Staatsoper Hannover.
Du gehst als Musikdirektor an die Flämische Oper in Gent, in Antwerpen. Das ist ein besonderes Haus, denn es funktioniert etwas anders als das Haus in Hannover. Was ist anders?
Zilias: Der fundamentale Unterschied ist, dass es einen Stagione-Betrieb hat, nicht wie Hannover ein Repertoire-Betrieb. Das heißt, wir haben in Hannover 20 Stücke, die innerhalb einer Spielzeit mit Premieren, plus Wiederaufnahmen gespielt werden. Das ist ein sehr volles und sehr tolles Programm. In Antwerpen wird es so sein, dass es eigentlich nur Premieren gibt. Wiederaufnahmen gibt es fast nicht. Die werden dann en bloc bis zu vier Wochen gespielt, dann kommt das nächste Stück. Das ist eine ganz andere Art zu disponieren und Musiktheater im Betrieb zu verankern. In Frankreich und in England gibt es übrigens nur solche Betriebe. Ich war sehr neugierig, wie mir das schmecken wird.
Es ist überhaupt keine Konkurrenz zu Hannover, weil das Konstrukt so anders ist. Ich glaube, mir wird es sehr gut tun, einen Ort zu erleben, an dem anders über Musik nachgedacht wird. Ich bin sehr in der deutschen Kapellmeister-Tradition verwurzelt und bin damit groß geworden. Ich habe ausschließlich in deutschen Repertoire-Betrieben gearbeitet.
Du wirst am 26. Juni nochmal in Hannover ans Pult treten und zwar mit der Schwanensee-Vorstellung. Das ist die letzte szenische Vorstellung, die du in Hannover machst. Das ist eigentlich nicht ganz dein Kern.
Zilias: Es hatte dispositionelle Gründe, weshalb ich das jetzt dirigiere, aber ich bin sehr froh, das machen zu dürfen. Erstens, weil es ein fantastisches Stück ist. Die Ballettkompanie ist in einer super Verfassung mit Goyo Montero, den ich auch sehr mag und schätze. Außerdem war es schon vor Monaten ausverkauft. Das wird ein schöner Abschluss.

Der neue Ballettchef in Hannover probt derzeit intensiv mit seinem Ensemble eine Neuauflage seines Stückes „Goldberg“.
Du hast noch den Intendantenwechsel an der Staatsoper Hannover miterlebt. Von Laura Berman hin zu Bodo Busse. Ihr habt diese Spielzeit jetzt gemeinsam gestaltet. An was für einem Punkt steht die Staatsoper gerade?
Zilias: Der Staatsoper geht es sehr gut. Die Auslastung ist prima. Bodo Busse hat das sehr gut geschafft, die Oper schnell wieder zu verankern. Ich habe trotzdem großen Respekt vor dem, was Laura Berman hier gemacht hat. Mit ihr bin ich immer noch in Kontakt. Es waren wirklich tolle Produktionen und ich bin sehr froh, die beiden als Intendanten gehabt zu haben. Denn als Typen sind sie völlig unterschiedlich. Aber beides funktioniert und hat seine speziellen Seiten. Das war für mich sehr schön, beide erlebt zu haben.
Das Gespräch führte Friederike Westerhaus.

Bodo Busse möchte mit innovativen Ideen Menschen für die Oper begeistern. Wie das funktionieren soll, erzählt er im Interview.

Das Werk ist zum ersten Mal an der Staatsoper Hannover zu erleben. Am Sonnabend war Premiere.

Der französische Tenor ist mit seinem edlem Timbre und mit seiner Power, wie geschaffen für all die leidenden romantischen Helden.

Das Geld kommt vom Land Niedersachsen. Damit sollen die Oper sowie das Theater im Ballhof saniert und Technik erneuert werden.