In der Wohngegend rund um den Käthe-Kollwitz-Weg auf Lichtscheid ist es ruhig und idyllisch, nur ein paar Vögel zwitschern in dem verkehrsberuhigten Viertel. Doch das scheint nur eine trügerische Momentaufnahme zu sein, wie Anwohnerin Edeltraud Evels berichtet: Seit einem Jahr baut die Barmer ihre Hauptverwaltung auf Lichtscheid um – bis voraussichtlich Ende 2027 oder 2028 soll der Campus-Standort für einen zweistelligen Millionenbetrag um mehr als ein Drittel verkleinert und nachhaltig saniert werden.

Anwohnerin Evels und ihre befreundete Nachbarin Grazyna Zoladek erzählen von einer seitdem andauernden enormen Lärmbelästigung, der sie seit Beginn der Bauarbeiten ständig ausgesetzt sind. „Man hört das nicht nur, man fühlt es“, so Evels. „Es ist eine Katastrophe.“ Ihr Sohn Felix Evels fügt hinzu: „Die Vibration ist so krass, das durchdringt jeden Kopfhörer, selbst wenn man alle Türen und Fenster schließt. Und Ausschlafen ist auch nicht mehr drin.“ Teilweise hörte es sich nach dicken Presslufthammern an, die Felsen oder ähnliches Gestein durchfrästen.

Die Geräuschkulisse mache es ihnen unmöglich, jetzt im Sommer draußen im Garten zu sitzen oder morgens länger als acht Uhr zu schlafen. Ging es in den letzten Monaten mit dem Lärm häufig schon um 7 Uhr morgens los, starteten die Bauarbeiten nun zumindest etwas später und dauerten bis 17 Uhr an. Nur am Wochenende herrsche Ruhe. Hinzu komme außerdem die Lichtverschmutzung: Durchgängig werde die Baustelle Tag und Nacht beleuchtet.

Nachbarin Grazyna Zoladek betreibt eine Physiotherapie-Praxis bei sich im Wohnhaus und ist aufgrund der Situation verzweifelt. „Meine Patienten brauchen Ruhe, haben Schmerzen. Sonst war es hier immer mucksmäuschenstill. Dieser ständige Lärm macht einen so nervös“, beschwert sie sich. Vor allem wünschen sie sich eines: mehr Informationen. Bisher habe Evels nur „typische, beschwichtigende“ Antworten von der Barmer erhalten, auf einen Informationsabend, der im Mai stattfinden sollte, wartete sie vergebens. „Irgendwo haben wir natürlich Verständnis, aber wir wünschen uns mehr Transparenz und mehr Ankündigungen, wenn es noch einmal besonders laut werden sollte. Feste Zeiträume und Pausenzeiten, damit man es einfach besser einschätzen kann“, sagt sie.

Barmer will lärmintensive
Phasen möglichst kurz halten

Tobias Börner, Pressesprecher der Barmer, betont: „Wir können die Verärgerung und die Belastung der Anwohner sehr gut nachvollziehen. Gerade während der Sommermonate kann Baulärm als besonders störend empfunden werden.“ Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, lärmintensive Phasen so kurz wie möglich zu halten und den Baufortschritt effizient voranzutreiben. „Wir tun alles, um die Belastungen so gering wie möglich zu halten“, so Börner. Über den weiteren Fortgang der Arbeiten möchten sie die Anwohner auf einer Veranstaltung im Juni informieren. Einladungen hierfür befänden sich aktuell in Vorbereitung.