Mehrere Windräder und Strommasten auf einem Feld.

AUDIO: Nachrichten 09:00 Uhr – 09.06.2026 (4 Min)

Stand: 09.06.2026 11:29 Uhr

Eine IHK-Studie prognostiziert stabile Strompreise, wenn der Norden mit Westdänemark eine gemeinsame Strompreiszone bildet. Die Bundesregierung schließt das aus, während die EU auf Änderungen drängt.

von Peer-Axel Kroeske

Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein hat vor EU-Vertretern in Brüssel ein Konzept für günstigere und stabile Strompreise vorgestellt. Kernpunkt: Schleswig-Holstein und Hamburg werden Teil einer gemeinsamen Strompreiszone mit dem dänischen Jütland und Fünen. Bislang teilen sich Deutschland und Luxemburg eine gemeinsame Strompreiszone.

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft (IEE) hat die Ideen analysiert. Diese führen demnach zu günstigeren und stabileren Strompreisen. Technisch ließe sich das Konzept schon 2030 umsetzen.

Deutsche Einheitszone verzerrt den Markt

In den europäischen Zonen können Großhändler Energiemengen zu einem Preis einkaufen, der viertelstündlich schwankt, aber im jeweiligen Gebiet einheitlich ist. Der Markt regelt sich nach Angebot und Nachfrage. In Deutschland ist er jedoch in Schieflage geraten, weil der Netzausbau deutlich hinter dem Zeitplan liegt.

Zahlreiche Windräder mit Rot-Weißen Rotorblättern stehen auf offener Fläche.

Die Windkraft hat Probleme und auch der Solarausbau schwächelt. Aktuelle Daten zeigen, wie es um die Energiewende steht.

Wenn viel Windenergie im Norden produziert wird, tendiert der Strompreis deutschlandweit gegen Null. Das treibt die Nachfrage hoch. Die Leitungen können die Energie aber gar nicht in den Süden transportieren.

Bundesregierung will keine Teilung

Die Folge: Gas- und Kohlekraftwerke im Süden springen ein. Die Mehrkosten in Milliardenhöhe tragen Verbraucher und Steuerzahler. Die norddeutschen Bundesländer werben schon seit Jahren dafür, die deutsche Strompreiszone zu teilen. Dann würden sie auch vom Ausbau erneuerbarer Energien stärker profitieren.

Für mögliche Zuschnitte gab es bereits viele Vorschläge. Doch die süddeutschen Bundesländer fürchten Wettbewerbsnachteile. Im Koalitionsvertrag haben CDU und SPD im Bund vereinbart, an einer einheitlichen Strompreiszone festzuhalten.

Nordische Strompreiszone begünstigt Wasserstoffproduktion

Druck kommt allerdings von der EU, die eine Teilung anordnen könnte. Dies hat die IHK nun zum Anlass genommen, mit einem eigenen Konzept in die Offensive zu gehen. Die „Nordic Twin Sea Zone“ wäre so geschnitten, dass ein wichtiges EU-Kriterium erfüllt ist: mindestens 90 Prozent erneuerbare Energie.

Eine Luftaufnahme zweier Windräder in einem Rapsfeld.

Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen kommen. Der Weg dahin wird eine Herausforderung.

Damit könnte der Norden unter vereinfachten EU-Regularien grünen Wasserstoff produzieren. Die Elektrolyseure dafür würden gezielt in den Stunden laufen, in denen viel Windstrom im Netz ist. Damit reduzieren sich Abschaltungen von Windrädern.

Das Stromnetz zwischen Deutschland und Dänemark ist gut ausgebaut. Parallel zur A7 verläuft eine leistungsstarke Hochspannungsleitung. Und auch die neue Westküstenleitung ist nach Angaben des Netzbetreibers Energinet inzwischen in Dänemark angebunden.

Landesregierung: Teilung ja, Zuschnitt offen

Die schleswig-holsteinische Landesregierung befürwortet eine Teilung der Strompreiszone. Wo genau die Grenze verläuft, sei noch zu diskutieren, so Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Er verfolgte in Brüssel die Vorstellung des Konzeptes gemeinsam mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU).

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern blieben bei dem IHK-Konzept außen vor. Reaktionen aus Hamburg gibt es noch nicht. Offen ist auch, wie die dänische Regierung dazu steht. Die EU-Behörden prüfen derzeit, ob ein Aktionsplan der Bundesregierung ausreicht, um eine Teilung der deutschen Strompreiszone zu verhindern.

Große Stromtrasse mit Höchstspannungsleitungen, bei Rommerskirchen.

EU-Empfehlung für Deutschland

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Sendungsbild

Lion Hirth, Experte für Energiepolitik, zum Für und Wider bei Strompreiszonen

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