Kajaks schießen am Mittwoch im Regen durch die Wellen des Augsburger Eiskanals. Alle Vorbereitungen für den Weltcup am Wochenende laufen – die Teams trainieren. Auf den Booten stehen neben Namen die Kürzel der jeweiligen Nationen: GER, FRA, CZE. Dazwischen tauchen immer wieder schwarze Boote auf, auf denen statt einer Länderkennung nur die folgenden drei Buchstaben stehen: AIN.
Russische Athleten kehren in Augsburg auf die Weltcup-Bühne zurück
Hinter der Abkürzung verbergen sich neun Athletinnen und Athleten aus Russland. Beim Kanuslalom-Weltcup in Augsburg dürfen sie erstmals wieder in dieser Saison auf einer Weltcup-Bühne antreten. Offiziell starten sie aber nicht als Team für Russland, sondern als „Athletes Independent Neutral“. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hatte der Kanuweltverband (ICF) die russischen Athleten von sämtlichen Wettkämpfen ausgeschlossen. Seit 2023 sind vereinzelt wieder Starts für russische Kanuten möglich – jedoch nur unter strengen Auflagen und als unabhängige neutrale Teilnehmer. Die Flagge, die Hymne und nationale Symbole sind verboten. Als Mannschaft treten sie dennoch auf, wenn auch inoffiziell – mit gemeinsamen Trainern, gemeinsamen Abläufen und gemeinsamen Übungsläufen.
Russlands Rückkehr in den Weltcup-Alltag beginnt also in Augsburg. Doch normal ist sie noch lange nicht. Aus Kreisen des Deutschen Kanu-Verbands heißt es, man sei nur mäßig begeistert, dass der ICF die russischen Kanuten in Deutschland als unabhängige, neutrale Athleten teilnehmen lässt. Trotzdem müsse man sich dem Ganzen beugen.
Rückkehr zum Kanu-Weltcup: So sehen es die Russen
Maksim Obraztsov betreut die russischen Athleten als Coach. Er sagt, sein Team sei froh, wieder im internationalen Wettkampfbetrieb dabei zu sein. Im vergangenen Jahr habe es nur wenige Länder gegeben, in denen Starts möglich gewesen seien, inzwischen würden es langsam wieder mehr. Die Rückkehr sei allerdings mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden.

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Coach Maksim Obraztsov (links) betreut die russischen Athleten. Für sein russisches Team ist es der erste Weltcup des Jahres.
Foto: Paul Pfaffel
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Coach Maksim Obraztsov (links) betreut die russischen Athleten. Für sein russisches Team ist es der erste Weltcup des Jahres.
Foto: Paul Pfaffel
Eigentlich wolle man sich „aufs Sportliche konzentrieren“, trainieren und Wettkämpfe bestreiten, so Obraztsov. Stattdessen müsse man sich mit „Visa, Dokumenten und politischen Entscheidungen“ herumschlagen. Die Reise nach Augsburg sei über Monate vorbereitet worden.
Der Weltcup in Augsburg ist für seine Gruppe russischer Kanuten der erste des Jahres. Zuvor waren die russischen Athleten bereits bei niederklassigeren Wettkämpfen in Australien und den USA dabei. Eigentlich sei auch ein Start beim Weltcup-Auftakt im slowenischen Tacen geplant gewesen. Wegen der Visa-Bedingungen habe das Team jedoch zwischen Slowenien und Deutschland wählen müssen. Die Entscheidung fiel dann auf Augsburg. Beim Weltcup in Prag am vergangenen Wochenende konnten die russischen Athleten dagegen wegen nationaler Beschränkungen nicht starten. In Deutschland gibt es solche grundsätzlichen Verbote nicht.
So reagiert das deutsche Team auf die Rückkehr russischer Kanuten
Am Eiskanal in Augsburg treffen die Russen nun wieder auf ihre Konkurrenten aus aller Welt. Für die deutschen Athleten und Trainer spielt die Herkunft der Starter dabei nur eine untergeordnete Rolle.
„Die Athleten haben relativ wenig damit zu tun, was im eigenen Land passiert“, sagt Paul Böckelmann, Bundestrainer des Deutschen Kanuverbands, während der Trainingsdurchgänge. Deshalb verdienten sie auch eine normale und faire Behandlung. Ähnlich sieht es Kanute Marten Konrad. Für ihn spiele die Teilnahme der russischen Athleten keine große Rolle. Sein Ziel sei es, besser zu sein als jeder, der an der Startlinie stehe. Ob die Russen starten sollten oder nicht, sei nicht seine Entscheidung und deshalb „sportlich egal“.
Sportlich scheint die Rückkehr der russischen Athleten damit weitgehend akzeptiert zu sein. Unter den Kanuten selbst zeigt sich jedoch, dass die vergangenen Jahre Spuren hinterlassen haben.
Kanu-Weltcup 2026 in Augsburg: Zwischen Neustart und Normalität
Böckelmann beobachtet, dass die russischen Athleten häufig unter sich isoliert bleiben. Kontakte aus der Zeit vor dem Krieg seien teilweise bestehen geblieben. Gleichzeitig gebe es viele Sportler und Teams, die bewusst Abstand hielten. Auch Konrad beschreibt die Situation ähnlich. Die russischen Athleten seien meist innerhalb ihrer eigenen Gruppe unterwegs. Viel Überschneidung mit anderen Nationen gebe es nicht mehr.
Von offener Ausgrenzung will allerdings niemand sprechen. Obraztsov betont, viele Athleten begegneten seinem Team immer noch mit Respekt. Die Kommunikation funktioniere gut, alte Freundschaften seien geblieben. Isoliert fühle er sich nicht. Zwar gebe es Menschen, die „die Situation anders sehen“. Das sei jedoch „deren Sache“.
So entsteht am Augsburger Eiskanal ein Bild, das irgendwo zwischen Rückkehr und Distanz liegt. Die russischen Athleten sind wieder Teil des Weltcup-Zirkus. Doch die Jahre der Abwesenheit bleiben dennoch sichtbar. Man begegnet sich sportlich auf Augenhöhe. Zur alten Normalität zurückgekehrt ist der internationale Kanuslalom aber noch nicht.