Israels Ministerpräsident will den Iran laut einem Fernsehsender auch ohne Unterstützung der USA angreifen. Dafür ist Benjamin Netanjahu offenbar bereit, einen hohen Preis zu zahlen.

Wie viel Einfluss hat Donald Trump noch auf seinen engsten Verbündeten? Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nach Angaben des Fernsehsenders i24News unter Umständen zu einem eigenständigen Militärschlag gegen den Iran ohne Unterstützung der USA bereit. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung am Montagabend und zitierte Netanjahu mit den Worten: „Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen – mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation.“

Israel wolle nicht, dass es so weit komme, wisse aber, dass es so weit kommen könne, sagte Netanjahu demnach.

US-Präsident Donald Trump hatte den israelischen Regierungschef zuvor vor einem Alleingang gewarnt. Die US-Regierung führt derzeit Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit Teheran, um den regionalen Konflikt diplomatisch beizulegen.

Experte: Alleingang wäre gewaltiges Wagnis

Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X, ein signifikanter militärischer Schritt ohne amerikanische Unterstützung wäre ein strategisch gewaltiges Wagnis für Israels nationale Sicherheit und sollte daher nur in Betracht gezogen werden, wenn keine Alternativen bestehen.

„Die jüngsten Ereignisse haben deutlich gezeigt, wie abhängig Israel in vielen Bereichen von den Vereinigten Staaten ist: von der Luftverteidigung und Abfangeinsätzen über die Aufklärung bis hin zur politischen und militärischen Unterstützung auf internationaler Ebene“, schreibt Citronowicz. „Ein bedeutender Militäreinsatz ohne amerikanische Unterstützung stellt ein massives strategisches Wagnis für Israels nationale Sicherheit dar und sollte daher nur dann erwogen werden, wenn keine andere Alternative besteht.“

Citrinowicz wies auch auf die Konsequenzen hin, falls es ein Abkommen mit dem Iran gebe, das die US-Regierung als zentralen Erfolg betrachte. Dann könnte eine einseitige israelische Aktion gegen den Iran ohne Abstimmung mit Washington einen hohen Preis fordern – auch in den strategischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten.

dpa/saha