Extraterrestrischer Bergbau. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Wirtschaftsministerium will Raumfahrtökosystem „Space Saxony“ – à la „Silicon Saxony“
Dresden/Berlin, 09.06.26. Sachsen will in die erste Riege der Rüstungsindustrie, Luft- und Raumfahrt aufsteigen und etabliert dafür ein eigenes Raumfahrtökosystem „Space Saxony“ – in Anlehnung an die recht erfolgreiche sächsische Chipindustrie, die sich als „Silicon Saxony“ versteht. Unter dem Motto „Per Saxonia ad astra“ (Durch Sachsen zu den Sternen) entwirft das Wirtschaftsministerium in Dresden dafür nun ein Raumfahrt-Impulspapier. Das hat der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) während der „Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung“ (ILA) in Berlin angekündigt.
Dirk Panter. Foto: Jürgen Lösel für das SMWA
„Sachsen soll ein führender Standort für Weltraumtechnologien werden.“
Sächsischer Wirtschaftsminister Dirk Panter
„Technologische Souveränität gelingt nur mit dem Aufbau und der Stärkung eigener Fähigkeiten. Sachsen besitzt dafür mit der Mikroelektronik, langjähriger industrieller Expertise, Forschungskraft und innovativen Unternehmen starke Voraussetzungen“, argumentiert der Wirtschafts-Panter. „Sachsen soll ein führender Standort für Weltraumtechnologien werden.“ Auch in der Luftfahrt und Rüstungstechnik wollen die Sachsen in den nächsten Monaten und Jahren ordentlich zulegen.
Freistaat führt Chipindustrie, Forschungsdichte und unterbeschäftige Autoindustrie ins Feld
Um diesen ambitionierten Plan zu realisieren, setzen die Sachsen auf ihre deutsche Führungsrolle in der Chip- und Sensorproduktion, außerdem auf eine deutschlandweit einzigartige Dichte an Forschungsinstituten sowie eine breite industrielle Zulieferbasis aus dem Automobilsektor, die wegen der VW-Krise derzeit ohnehin nur schwach ausgelastet ist. Außerdem führt Panter „die strategische Lage als logistisches Drehkreuz an der Nato-Ostflanke“, hervorragend ausgebildete Fachkräfte“ und Kompetenzen im Drohnen- und Roboterbau ins Feld.
Das helle Objekt im Licht ist ein Pack aus gekoppelten Ionentriebwerken von Morpheus. Foto: Heiko Weckbrodt
Technik „Made in Saxony“ soll Rohstoffe für Mond- und Marskolonien jenseits der Erde abbauen
Spezialisieren möchten sich die Sachsen dabei vor allem auf die industrielle Satellitenfertigung, sichere und resiliente Kommunikations-Netze. In Verbindung aus alten Bergbautraditionen und Hightech-Maschinenbau wollen sie sich zudem auf den Abbau von Metallen und Sauerstoff auf dem Mond, auf Asteroiden oder dem Mars aus „extraterrestrischem Material“ einschießen. „Unsere Vision ist, Space Saxony als ein industriepolitisches Fundament für die europäische Raumfahrt zu etablieren“, betont Panter.
Thomas Horn ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt
Sachsen äugen auch gen Rüstungsindustrie
Überlappungen sieht Geschäftsführer Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) da auch hin zur Luftfahrt und in den Rüstungssektor hinein: „Die Bedeutung der Luft- und Raumfahrt in Sachsen wächst – auch durch die zunehmende Verknüpfung mit der Defence-Branche“, berichtet Horn. „Das hat sich zuletzt bei der Übernahme des Technisat-Werks in Schöneck durch das Raumfahrtunternehmen OHB gezeigt“, zählt er jüngere Beispiele auf. „Zudem bekommt der Raumfahrtstandort durch das geplante Satelliten-Projekt Saxon-1 mehr Sichtbarkeit. Außerdem wird in Sachsen von der Deutsche Aircraft GmbH erstmals wieder ein in Deutschland entwickeltes Flugzeug gebaut, das vielseitig einsetzbar ist.“
Luft- und Raumfahrtindustrie aus Sachsen auf der „ILA
Zur ILA nach Berlin ist Sachsen angesichts seiner ambitionierten Ziele mit breiter Besetzung angerückt. Zu den Ausstellern gehören unter anderem:
- 4Source electronics AG, Dresden,
- ADZ Nagano GmbH, Ottendorf-Okrilla,
- Cotesa GmbH, Mittweida,
- Enabling connections GmbH, Radeberg,
- Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen e.V., Dresden,
- Nehlsen-BWB Flugzeuge Galvanik Dresden GmbH & Co.KG,
- PMG – Precision Mechanics Group GmbH, Wilsdruff,
- Genau Industries GmbH & Co. KG, Meerane,
- RMW Kabelsysteme GmbH, Crossen a.d. Elster und
- SUSA S. Sauer GmbH & Co. KG, Heidenau
- Additive Drives GmbH, Dresden,
- Defaine GmbH, Chemnitz,
- Deutsche Aircraft GmbH (in Sachsen mit der Deutsche Aircraft Leipzig GmbH), Wessling,
- Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS, Dresden,
- General Atomics AeroTec Systems GmbH (ein Unternehmen der Atomics Europe GmbH, Dresden), Gauting,
- OHB SE (in Sachsen mit der OHB Vogtland GmbH), Bremen,
- Qpoint Composite GmbH, Dresden und
- Smart Material GmbH, Dresden.
Milliardenumsatz durch Luft- und Raumfahrt in Sachsen
Insgesamt umfasst die Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen laut WFS-Angaben rund 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Sie beschäftigen zusammen reichlich 7000 Menschen und erwirtschaften etwa 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz. Erklärtes Ziel von Wirtschaftsminister Panter wie auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist es, dass der Freistaat an diese Kompetenzen weitere Fähigkeiten in Richtung „Rüstung“ und „dual use“ – also militärisch-zivile Doppelnutzungs-Güter – andockt. Andernfalls drohe Sachsen bei der Verteilung der Bundes-Rüstungsmilliarden fast leer auszugehen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: SMWA, WFS, Oiger-Archiv
