60 Quadratmeter, die nicht mehr wiederzuerkennend sind: So wurde aus einer sterilen Zahnartzpraxis eine elegantes kleines Apartment.
Den Raum, in dem heute das Bett steht, kannte Ute Hildenbeutel, bevor er ihr gehörte. Hier war früher eine Zahnarztpraxis, und sie saß als Patientin auf dem Stuhl. Zur Zahnreinigung ging es über den Flur in den hinteren Trakt, genau dorthin, wo heute das Schlafzimmer ist. An die Zahnärztin hat sie keine guten Erinnerungen, an die Räume schon. Auch den Vorgarten mit dem alten, halb verrotteten Gitter kannte sie längst. Als die Praxis frei wurde – im Nordend, dem Viertel, in dem sie ohnehin lebt – war die Sache schnell entschieden. 60 Quadratmeter, zwei Zimmer, vierter Stock, Altbau von 1900 und klein. Genau das, was Hildenbeutel mag: „Es macht mir am meisten Spaß rauszufinden, wo man am meisten Stauraum schafft.“
Eine Quereinsteigerin, die keine Angst vor Farbe hat
Hildenbeutel hat 25 Jahre als Hair-und-Make-up-Artistin gearbeitet, in Frankfurt angefangen, dann Paris, London, High Fashion, die einschlägigen Locations und Hotels. Irgendwann fiel ihr auf, dass eine Wohnung einzurichten dem Prinzip eines Fotosettings folgt: ein Hintergrund, eine Stimmung, Dinge, die wie selbstverständlich zusammenwirken. Muster und Farben mischt sie intuitiv, im Vertrauen darauf, dass sich alles fügt. Seit Kurzem betreut sie Interior-Projekte, aktuell sind es fünf, und ist spät auf Instagram, die Selbstdarstellung liegt ihr eigentlich nicht. Paris hat sie geprägt: die Zementfliesen, der nordafrikanische Einfluss, die Farben, die dort getragen werden.

Die Wohnküche mit Essecke: Arbeitsplatte aus Rosso Levanto, Küchenrückwand aus bronzefarbenem Spiegel, Regale aus Walnuss. Stühle „Chiavari“ von Fratelli Spinetto, Küche von Ikea, Kochfeld mit integriertem Abzug von Elica. Wand und Decke in „School House White #291“ von Farrow & Ball, an der Wand „Portrait Femme“ von Gio Colucci. Die Deckenleuchte ist eine Sonderanfertigung aus Indien.
Janis Lüders