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Belfast (Nordirland) – Hunderte wütende Demonstranten haben am Montagabend Stadtteile von Belfast mit ausländerfeindlichen Protesten in ein Schlachtfeld verwandelt – es war die Reaktion auf die brutale Messerattacke wenige Stunden zuvor. Dabei hatte ein aus dem Sudan stammender Asylbewerber (30) mitten auf einer Straße auf einem Mann gesessen und eine Messerklinge an dessen Hals gehalten. Zeugen schrien: „Er versucht, ihm den Kopf abzuschneiden!“ Mutige Passanten griffen ein und bewahrten das Opfer vor dem Schlimmsten. Der Angreifer wurde festgenommen.

Zeugen sprechen von „Enthauptung“: Blutige Messerattacke in BelfastMesserangriff erschüttert Belfast: Mann schwer verletzt, Videos zeigen Szenen

Quelle: X09.06.2026

Das, was sich in den Stunden danach auf Belfasts Straßen abspielte, war ebenfalls schockierend: Laut BBC zogen allein im Osten der Stadt rund 100 maskierte Männer durch die Straßen und traten Türen ein, um „Ausländer hinauszujagen“. Ein Pastor berichtete BBC: Menschen seien aus ihren Häusern vertrieben worden, „weil sie schwarz sind“. Außerdem errichteten die Randalierer Kontrollpunkte, um Autos nach Asylbewerbern zu durchsuchen.

Vermummte haben sich auf den Straßen versammelt, um Ausländer zu verjagen

Vermummte haben sich auf den Straßen versammelt, um Ausländer zu verjagen

Foto: Pa/PA Wire/dpa

Mindestens drei Häuser und ein Supermarkt wurden in Brand gesetzt, schreibt „The Telegraph“. Aufnahmen von „Sky News“ zeigten, wie Kleinkinder aus benachbarten Häusern getragen wurden, während im Inneren der Gebäude die Flammen loderten. Laut Informationen des Senders brannten auch Unterkünfte von Migranten.

Menschen flüchten in Belfast vor den brutalen Randalierern

Menschen flüchten in Belfast

Foto: Alan Lewis Belfast/SplashNews.com

Männer waren bewaffnet

Einige der Angreifer trugen Baseballschläger bei sich, wie auf Bildern in sozialen Medien zu sehen ist. Auf einem Post der Vereinigung „Knights Templar International“ waren Männer mit Schusswaffen zu sehen. Ob das Foto aktuell war – unklar. Dazu allerdings die Drohung: „Wir werden das (die britische Migrationspolitik, d. Red.) nicht mehr hinnehmen.“

Die Angreifer haben sich die Mützen ihrer Pullover und Jacken tief ins Gesicht gezogen, wollen nicht erkannt werden

Die Angreifer haben sich die Mützen ihrer Pullover und Jacken tief ins Gesicht gezogen, wollen nicht erkannt werden

Foto: PAUL FAITH/AFP

Bus fackelt ab, ÖPNV eingestellt

Ein Bus auf der Newtownards Road geriet ebenfalls in Brand, woraufhin er bis auf das Grundgerüst niederbrannte. Der nordirische Verkehrsbetrieb Translink stellte sämtliche Verbindungen von und nach Belfast ein.

Angreifer steckten einen Müllcontainer in Brand. Kurz darauf fackelte der im Hintergrund zu sehender Bus ab

Angreifer steckten einen Müllcontainer in Brand. Kurz darauf fackelte der im Hintergrund zu sehender Bus ab

Foto: Pa/PA Wire/dpa

Ein Bus wurde von den Randalierern in Brand gesetzt

Von dem Bus blieb nur noch das Gerippe stehen

Foto: Pa/PA Wire/dpa

Ein Feuerwehrmann steht vor zwei ausgebrannten Autos, aus denen noch Rauch aufsteigt

Ein Feuerwehrmann steht vor zwei ausgebrannten Autos, aus denen noch Rauch aufsteigt

Foto: Isabel Infantes/REUTERS

Bewohner berichten von Horror-Szenen

„Gegen 19.30 Uhr legten sie Feuer in den Müllcontainern“, berichtete der Bewohner eines Hauses mit Blick auf die Demonstranten. „Wir hörten Polizeiwagen und Sirenen“, sagte Eemran, ein Ingenieur indischer Herkunft, der seit etwas mehr als einem Jahr in Belfast lebt. „Immer mehr Menschen kamen hinzu und begannen, Brandsätze zu werfen. Plötzlich breitete sich das Feuer aus. Wir hatten Rauch im Gebäude.“

Auch Mülltonnen wurden angesteckt

Auch Mülltonnen wurden angesteckt

Foto: Pa/PA Wire/dpa

Es war ein sehr unruhiger und gefährlicher Abend in Teilen Belfasts

Es war ein sehr unruhiger und gefährlicher Abend in Teilen Belfasts

Foto: PAUL FAITH/AFP

Polizei mit Ziegelsteinen beworfen

Zu Unruhen kam es vor allem an der Crumlin Road im Norden der Stadt sowie auf und im Umfeld der Lower Newtownards Road im Osten. In einigen Stadtteilen wurden Polizeifahrzeuge von Demonstranten angegriffen, Ziegelsteine und andere Wurfgeschosse geschleudert. Über Verletzte auf Seiten der Polizei, der Randalierer oder der Bevölkerung war zunächst nichts bekannt.

Regierungschefin spricht von „Rowdys“

Die Regierungschefin Nordirlands, Michelle O’Neill, verurteilte dieses „reine Rowdytum“ und erklärte, dass es „nichts anderes als widerliche Feigheit“ sei, wenn „Gruppen maskierter Männer Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese in Brand stecken“.

John Finucane, Abgeordneter der Partei Sinn Féin für Nord-Belfast, erklärte: „Es herrscht verständliches Entsetzen und Abscheu angesichts des entsetzlichen Mordversuchs, der sich (…) ereignet hat. Ich teile diese Abscheu. Doch die Szenen, die wir heute Abend erleben – Angriffe auf Wohnhäuser, brennende Autos, beschädigte Infrastruktur und Teile unserer Gemeinde in Flammen –, sind beschämend (…).“

Der Sudanese kniet über einem Mann und versucht, ihn zu enthaupten

Der Sudanese kniet über einem Mann und versucht, ihn zu enthaupten

Anklage gegen Angreifer, Opfer im Krankenhaus

Der sudanesische Asylbewerber wurde nach dem Enthauptungsangriff wegen versuchten Mordes angeklagt. Er soll am Mittwoch vor dem Magistrates’ Court in Belfast erscheinen. Sein Opfer – ein in der Gegend wohnhafter Mann im Alter von etwa 40 Jahren – wird im Krankenhaus behandelt. Sein Zustand wird als ernst beschrieben. Laut „The Sun“, die sich auf die Polizei bezieht, erlitt er Verletzungen an den Augen sowie Schnittwunden an Hals und Rücken.