„Die Vorfreude bei uns zu Hause ist riesig. Insgesamt habe ich aber noch nicht das Gefühl, dass in Deutschland oder auch in Wuppertal wirklich Stimmung aufkommt“, sagt Samir El Hajjaj. Der Trainer von Fußball-Bezirksligist Cronenberger SC liegt damit nicht falsch, denn über die am morgigen Donnerstag beginnende Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA wird im Tal noch nicht übermäßig viel gesprochen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass das Turnier mehrere Tausend Kilometer entfernt stattfindet – möglicherweise aber auch damit, dass die Saison im Wuppertaler Fußball erst vor wenigen Tagen geendet ist.

Ünsal Bayzit ist Trainer des SSV Germania und kann sich gut vorstellen, dass ein gelungener Turnierstart der deutschen Nationalmannschaft für Euphorie im gesamten Land sorgen wird. „Ich habe schon viele Weltmeisterschaften erlebt und kann aus meiner Erinnerung heraus sagen, dass sich die Stimmung im Laufe eines Turniers immer gut entwickelt hat“, so Bayzit.

Vor dem Fernseher sitzen werden ab Donnerstag jedenfalls Millionen Menschen, die für die weltweit populärste Sportart viel übrighaben. Die Söhne von Samir El Hajjaj fiebern beispielsweise dem ersten Auftritt der marokkanischen Nationalmannschaft entgegen, die am Sonntag (0 Uhr MESZ) auf Brasilien trifft. „Meine Jungs sind heiß und schwärmen vom Turnier. Sie schauen jedes Spiel von Marokko, aber natürlich auch von Deutschland“, meint El-Hajjaj, der der talentierten marokkanischen Mannschaft einiges zutraut. Und sein WM-Tipp? „Frankreich finde ich sehr stark. Am schönsten wäre es aber, wenn Marokko oder Deutschland Weltmeister werden“, schmunzelt der CSC-Coach.

Im Hause Levering ist man für die WM ebenfalls bereit. „Meine Kids sind schon nervös und freuen sich auf die neuen Trikots, die wir bestellt haben“, sagt Denis Levering. Der Trainer des TSV Ronsdorf hat Frankreich ebenso auf dem Zettel, sieht aber auch Spanien, Brasilien und Argentinien weit vorn. „Weltmeister werden soll das Team, das den attraktivsten Fußball spielt – ähnlich wie PSG in der Champions League“, wünscht sich der 39-Jährige, der möglichst viele Spiele schauen will. „Und wenn eine Partie nachts stattfindet, schaut man einfach am nächsten Morgen die Highlights.“

Anes Mehic, zuverlässiger Abräumer in der Defensive des FK Jugoslavija Wuppertal, freut sich besonders auf den kommenden Freitag, denn dann greift die bosnische Nationalmannschaft (um 21 Uhr in Toronto gegen Gastgeber Kanada) ins Turnier ein. „Ich habe schon die Erwartung, dass mein Land die Gruppenphase übersteht. Generell werde ich die meisten Spiele verfolgen, egal zu welcher Uhrzeit“, so der 36-Jährige.

Germanias Mittelfeldspieler Ege Erdem hingegen schaut wie sein Trainer Ünsal Bayzit genau auf das Abschneiden der Türkei, die am Sonntagmorgen um 6 Uhr zunächst auf Australien trifft. „Ich gehe mit großen Hoffnungen in die WM, die meine erste als Fan der Türkei ist. Unser Kader ist offensiv gut bestückt, das Viertelfinale könnte realistisch sein.“ Sieht WM-Fan Bayzit das genauso? „Schon. Sowohl Deutschland als auch die Türkei können positiv überraschen, auch wenn ich für beide den ganz großen Wurf noch nicht sehe.“

Nach den ausgiebigen Aufstiegsfeierlichkeiten ist bei Moritz Domann, Trainer der Breiten Burschen Barmen, die Lust auf Fußball weiterhin groß: „Ich freue mich sehr auf das Turnier, wir veranstalten mannschaftsintern auch wieder unsere Tipprunde. Ich glaube, dass es bei dieser WM sehr viele Überraschungen geben wird, der Weltmeistertipp ist so schwer wie selten zuvor. Deutschland sehe ich stabil und stark, wobei andere Teams noch etwas besser sind“, sagt Domann.

Vohwinkels Sportdirektor Christian Bialke ist schon in WM-Stimmung, will in der Nacht aber „nur für die wirklich interessanten Spiele aufstehen“ und drückt natürlich der deutschen Mannschaft primär die Daumen. Seine Prognose? „Der DFB-Elf traue ich das Achtelfinale zu.“

Jugoslavijas Trainer Florim Zeciri wäre angesichts von 104 Spielen froh, wenn er etwa die Hälfte davon sieht. Auch er stellt sich in der Nacht nur dann den Wecker, wenn eine klangvolle Partie angepfiffen wird. Mit der DFB-Elf rechnet er: „Sie sollen bitte so weit wie möglich kommen“, sagt Zeciri, der Spanien, Frankreich und auch Portugal zu den Favoriten zählt.

Ramzi Ben Hamada ist Deutsch-Tunesier, weshalb der 20-Jährige Ex-Cronenberger vor allem auf Gruppe F schaut, wo Tunesien auf Japan, Schweden und die Niederlande trifft. Beim ersten tunesischen Auftritt am Montag um 4 Uhr MESZ sitzt er freilich vor dem Fernseher. „Ich hoffe, Tunesien erreicht in seiner Gruppe Rang drei. Mein Geheimfavorit auf den Titel ist Norwegen, aber auch Deutschland ist endlich mal wieder gut drauf“, meint der Student, der aber auch Argentinien die Daumen drückt. Die „La Albiceleste“ will ihren Coup von vor vier Jahren wiederholen und den WM-Pokal erneut in die Höhe recken.

Sonnborns argentinischer Angreifer Ezequiel Gomez, der bei den Feierlichkeiten vor vier Jahren in Buenos Aires selbst vor Ort war, sieht die Chancen dafür nicht schlecht: „Ich glaube, die Nationalmannschaft ist mit vielen jungen Spielern plus Lionel Messi, der immer noch alles überstrahlt, dafür bereit. Unsere Anstoßzeiten finde ich allerdings sind nicht so angenehm“, sagt Gomez, weil seine Argentinier gegen Algerien (3 Uhr) und Jordanien (4 Uhr) mitten in der Nacht spielen. Gomez‘ Idee: „Ich gehe dann einfach am Abend früher schlafen und gucke die Spiele trotzdem“, lacht der 25-Jährige. Immerhin: Beim WM-Finale wird der Biorhythmus von Wuppertaler Fußballern erfreulicherweise nicht durcheinandergewirbelt: Das Duell wird zur Primetime am 11. Juli um 21 Uhr angepfiffen.