Der Kabarettist, Autor und Moderator Dieter Nuhr hat den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland erhalten. Den höchsten Preis des Zentralrats, der in der Vergangenheit schon an mehrere Bundespräsidenten und an die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging, wurde am Mittwochabend in Berlin
übergeben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert.

Mit der Auszeichnung will der Zentralrat Nuhrs Einsatz gegen Antisemitismus ehren. Nuhr decke
Doppelstandards auf, »denen die deutsche Medienlandschaft bei diesen
Themen oftmals unterliegt«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster
bei der Veranstaltung. Die Verleihung falle in eine Zeit, in der Jüdinnen und Juden enorm unter
Druck stünden, teilte er weiter mit. »Was wir
erleben, ist eine Normalisierung des Judenhasses.« In dieser Lage stehe Nuhr an der Seite der jüdischen Gemeinschaft.

Der Psychologe und Autor Ahmad
Mansour, der die Laudatio für Nuhr hielt, würdigte ihn als Kabarettisten, der
den Mut habe, »Themen zu denken, die kaum noch jemand anzusprechen wagt«. Als
Beispiele nannte er Klima-Aktivismus, Cancel Culture und den Krieg im Nahen
Osten
. Bei vielen dieser Themen eckte Nuhr in der Vergangenheit an. Weiter sprach er davon, dass Nuhrs Auszeichnung zeige, dass »das Selbstverständliche außergewöhnlich
geworden ist«.

Kritik an Nuhr für die Einladung von Kabarettistin Lisa Eckhart

Nuhr selbst sagte, der Preis mache
ihn stolz. Es sei aber auch etwas »gruselig«, dass man einen Preis dafür
bekomme, »kein Antisemit zu sein«, teilte er mit und thematisierte anschließend den Antisemitismus
in der Kulturszene
. Im weiteren Verlauf seiner Rede kritisierte er unter
anderem auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg, den linken Antisemitismus sowie die
deutsche Medienlandschaft. »Der Unterschied zwischen öffentlicher und
veröffentlichter Meinung war noch nie so groß wie heute.«

© Lea Dohle

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An der Entscheidung für Nuhr hatte
es zuvor auch Kritik gegeben, unter anderem, weil er in seiner Sendung die
Kabarettistin Lisa Eckhart eingeladen hatte. Eckhart wird vorgeworfen, mit
antisemitischen Witzen zu spielen.

Mit dem Leo-Baeck-Preis werden
seit 1957 Persönlichkeiten geehrt, die sich nach Ansicht des Zentralrats in
herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben. Zu
den Preisträgern gehören unter anderem die früheren Bundespräsidenten Richard
von Weizsäcker (1994), Roman Herzog (1998) und Christian Wulff (2011). Zuletzt
ging die Auszeichnung vor zwei Jahren an den damaligen Geschäftsführer und
heutigen Präsidenten von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke

Der Preis
erinnert an den Rabbiner Leo Baeck (1873-1956), der einer der bedeutendsten
Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland war. Er überlebte den
Holocaust, ging nach dem Zweiten Weltkrieg nach London und engagierte sich im
jüdisch-christlichen Dialog.

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