
AUDIO: Nachrichten aus dem Studio Kiel 16:30 Uhr – 10.06.2026 (2 Min)
Stand: 10.06.2026 17:35 Uhr
Im Prozess um erpresserischen Menschenraub in Kiel haben sich Angeklagter und Opfer auf eine Entschädigung geeinigt. Der Angeklagte hat sich bei dem mutmaßlichen Opfer entschuldigt, der Prozess geht aber weiter.
„Es tut mir leid“, sagte der 22 Jahre alte Angeklagte zu dem als Zeugen geladenen Opfer bei dem Prozesstermin am Mittwoch vor dem Landgericht Kiel. Der Verteidiger stellte dem Opfer 4.000 Euro als Schadenwiedergutmachung in Aussicht. Der 29-jährige Zeuge nahm die Entschuldigung an.
Opfer-Täter-Ausgleich: Möglicherweise strafmildernd
Ein endgültiges Urteil wird im Juli erwartet, so die Kieler Staatsanwaltschaft. Das Opfer hat die Entschuldigung zwar angenommen, jedoch müsse weiter geklärt werden, ob und wie die Tat begangen wurde. Möglicherweise kann sich der Kompromiss – also ein Opfer-Täter-Ausgleich – aber strafmildernd auswirken. Auch das soll sich in den noch angesetzten Prozessterminen klären.
Mehrere Stunden in Ferienwohnung festgehalten

Ein 22 Jahre alter Mann (links) muss sich wegen erpresserischen Menschenraubs vor Gericht verantworten.
In der Anklageschrift wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, zusammen mit zwei Komplizen am 15. Juli vergangenen Jahres einen damals 28-Jährigen unter einem Vorwand in eine Ferienwohnung in Kiel gelockt und ihn dort über mehrere Stunden festgehalten und geschlagen zu haben. Der angeklagte 22-Jährige soll dabei eine Waffe auf das Opfer gerichtet haben. Außerdem soll er ihn gewürgt und ein Messer an den Hals gehalten haben.
„Ich kenne die Jungs, ich hätte nie mit so einer Aktion gerechnet“, sagte das mutmaßliche Opfer bei der Verhandlung am Mittwoch. Auf dem Tisch habe eine Menge Kokain gelegen, der Angeklagte sei nach Aussagen des 29-Jährigen „total zugedröhnt“ gewesen.
Beschuldigte wollten wohl Schulden eintreiben
Das Trio soll den damals 28-Jährigen zudem genötigt haben, Schulden über 10.000 Euro zu bezahlen. Weil sich der Mann weigerte zu zahlen, fuhren ihn die Beschuldigten laut Anklage zu einer Bank. Dort sei es dem Opfer gelungen, sich an eine Mitarbeiterin zu wenden, die die Polizei alarmieren konnte.
Seit Januar in U-Haft
Anfang des Jahres konnte die Polizei nach früheren Angaben den 22-jährigen Tatverdächtigen festnehmen. Hinweise führten die Beamten demnach in ein Kieler Hotel. Nach einer Fahndung konnten die Beamten ihn dann im Stadtteil Südfriedhof festnehmen. Er soll dabei eine Schusswaffe und Munition mit sich geführt haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Anklage auch gegen zwei Mittäter
Ein 26-jähriger mutmaßlicher Mittäter wurde laut Polizei bereits kurz nach der Tat festgenommen und kam danach wieder auf freien Fuß. Ein 19-jähriger mutmaßlicher Komplize wurde im September 2025 bei einer Verkehrskontrolle festgenommen. Gegen ihn wurde damals ein Haftbefehl erlassen. Auch gegen die beiden Männer wurde gesondert Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben. Seit Februar läuft die gemeinsame Verhandlung gegen sie. Auch hier wird im Juli ein Urteil erwartet.

Drei mutmaßliche Täter sollen den Mann außerdem dazu gezwungen haben, Geld abzuheben und es ihnen zu geben. Gegen sie wird jetzt ermittelt.
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