Beim Verein Phinove ist man mit den Folgen dieser Regelung täglich konfrontiert: Familien, die jahrelang in Wohnungslosenunterkünften leben – so wie Familie S. Die Mitarbeiterinnen berichten von mehreren Fällen, in denen Familien knapp zehn Jahre in Wohnungslosenunterkünften leben mussten.
Und das ist teuer: Durchschnittlich 35 Euro pro Person pro Nacht kostet die Unterbringung in einer Wohnungslosenunterkunft – meist bezahlt vom Sozialamt oder dem Jobcenter, wie der Senat auf eine parlamentarische Anfrage der Linken mitteilte (Antwort auf Schrftl. Anfrage). Für eine fünfköpfige Familie sind das pro Monat mehr als 5.000 Euro. Im Jahr mehr als 60.000 Euro.
Das löst laut Anna Hanf, Sozialarbeiterin bei Phinove auch bei den betroffenen Familien Frustration aus. „Diese hohen Summen für enge und oft unschöne Wohnungslosenunterkünfte werden bezahlt, ohne dass es groß in Frage gestellt wird“, sagt sie. Dabei seien die Familien meist bereit, in eine Wohnung mit weniger Zimmern zu ziehen. „Das versteht eine Familie nicht, das kann ich einer Familie nicht vermitteln und das verstehe ich auch nicht”, so Hanf.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen teilt dazu auf Anfrage des rbb schriftlich mit, dass für WBS-Wohnungen grundsätzlich die Zimmerregelung gelte. Die Mindestquadratmeterzahl solle lediglich „unzumutbare Wohnverhältnisse“ vermeiden. Im Einzelfall hätten die landeseigenen Wohnungsunternehmen allerdings „Spielräume“ um „besondere soziale Situationen [zu] berücksichtigen“.
Mit Hilfe des Vereins Phinove konnte Familie S. vor einigen Monaten in eine Drei-Zimmer-Wohnung ziehen. Vermietet wird die Wohnung von privat, die WBS-Richtlinien spielten bei der Vergabe daher keine Rolle. Die Familie lebt nun auf knapp 80 Quadratmetern zu einem Mietpreis von etwa 1.400 Euro – weniger als ein Drittel der monatlichen Kosten für die Unterkunft, in der sie zuvor leben mussten.