Die Zukunft der Rheinfähre zwischen Hitdorf und Köln-Langel ist weiterhin ungewiss. Aber am Donnerstag erhielt die Verbindung zumindest politisch deutlichen Rückenwind. Bei einem gemeinsamen Ortstermin bekannten sich Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel (CDU) und sein Kölner Amtskollege Torsten Burmester (SPD) ausdrücklich für den Fortbestand der Fähre.
Die beiden erst seit wenigen Monaten amtierenden Stadtoberhäupter wollten damit ein sichtbares Zeichen setzen – für die Fähre, aber auch für die Zusammenarbeit ihrer Städte. „Es war unser Anliegen, dieses Treffen möglichst schnell nach unserer Wahl zu verwirklichen“, sagte Hebbel am Hitdorfer Anleger. Die Fähre sei weit mehr als ein Verkehrsmittel, verdeutlichte er – Sondern ein wichtiger Baustein im Verkehrswegenetz zur Querung des Rheins und eine gemeinsame Aufgabe von Leverkusen und Köln.
Sowohl Hebbel als auch Burmester verdeutlichten, bei der Bewertung seien nicht allein monetäre Gesichtspunkte ausschlaggebend. „Der öffentliche Personennahverkehr kann nicht rein wirtschaftlich betrachtet werden. Es geht um Daseinsvorsorge“, betonte Burmester. Die Fähre sei Teil der regionalen Infrastruktur und ergänze gemeinsam mit den 28 Rheinbrücken das Mobilitätsangebot auf beiden Seiten des Flusses.
Besondere Aktualität erhält die Diskussion durch die zunehmenden Probleme zahlreicher Rheinbrücken. Alleine in Köln müssten bis 2040 mehrere Bauwerke grundlegend saniert werden, so Burmester. Vor diesem Hintergrund gewinne jede zusätzliche Querungsmöglichkeit des Verkehrsnetzes an Bedeutung, auf die man nicht verzichten könne. Er kündigte an, sich in den politischen Gremien seiner Stadt für den Erhalt der Fähre einzusetzen. „Wenn zentrale Rheinbrücken wie in Bonn von heute auf morgen ausfallen, muss jede alternative Verbindung erhalten bleiben“, fügte Hebbel hinzu.
Der Zeitpunkt des Treffens war dabei bewusst gewählt. Ende Juni soll eine umfangreiche Untersuchung zur Zukunft des Fährbetriebs abgeschlossen werden. Die Studie wird von der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) gemeinsam mit der Rheinischen Hochschule Köln erstellt. Sie untersucht nicht nur die wirtschaftliche Situation der Fähre, sondern auch das tatsächliche Nutzerverhalten.
Hintergrund ist ein Stadtratsbeschluss der Stadt Köln aus dem Jahr 2024. Seitdem steht die Beteiligung der HGK an der Rheinfähre St. Michael auf dem Prüfstand. Sollte sich Köln beziehungsweise die HGK zurückziehen, müsste die bisherige Trägerstruktur neu organisiert werden.
Wie es konkret weitergeht, erläuterte HGK-Vorstand Jens-Albert Oppel. Die Evaluation sei in der Schlussphase und solle bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Anschließend würden die Ergebnisse zunächst in den Gremien der HGK beraten und danach dem Rat der Stadt Köln vorgelegt. Erst auf dieser Grundlage könne über die weitere Beteiligung entschieden werden.
Leverkusens OB Hebbel setzt klar auf Unterstützung aus Köln. Einen Plan B für den Fall eines Ausstiegs gebe es derzeit nicht. Vielmehr hoffe er darauf, dass die politischen Entscheidungsträger die Bedeutung der Fähre anerkennen.
Ob das ausreicht, wird sich erst nach Vorlage der Studie zeigen. Fest steht bereits jetzt: Für beide Oberbürgermeister ist die Fähre weit mehr als ein nostalgisches Verkehrsmittel. Sie sehen in ihr einen unverzichtbaren Baustein regionaler Mobilität – gerade in Zeiten, in denen viele Brücken an ihre Belastungsgrenzen geraten.