Jüngst ins laufende Gerichtsverfahren eingebrachte Unterlagen brächten eine alarmierende Tatsache ans Licht, heißt es darin. Sie zeichneten nämlich ein deutlich anderes Bild der tatsächlichen Rohstoffversorgung in der Region als die ständig zitierten Monitoringberichte. Während sich Gegner neuer Gewinnungsflächen seit Jahren auf die Angaben des Geologischen Dienstes beriefen und auf eine rechnerische Versorgungsreichweite von mehr als 20 Jahren verwiesen, zeigten die bisher unbekannten Berechnungen der Regionalplanungsbehörde eine deutlich kritischere Realität.

Initiative: Restmengen reichen nur noch für sieben Jahre

Laut den Interessensvertretern der Rohstoffbranche reichten den besagten Unterlagen zufolge die tatsächlich genehmigten Restmengen für Sand und Kies Anfang 2021 nur noch für rund sieben Jahre. Für den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Regionalplans Ruhr im Jahr 2024 sei dieser Wert auf lediglich rund fünf Jahre fortgeschrieben worden, heißt es. „Uns liegen die entsprechenden Unterlagen aus dem Verfahren vor. Sie belegen schwarz auf weiß, wie es tatsächlich um die Versorgungssicherung steht“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer von Zukunft Niederrhein.

Nach Auffassung der Initiative bestätige sich damit ein Einwand, den die Sand- und Kiesunternehmen nach eigenen Angaben schon lange vortragen: Die Reichweiten des Abgrabungsmonitorings dürften nicht mit tatsächlich verfügbaren Vorräten gleichgesetzt werden, so Kruchen. Denn das Monitoring erfasse auch Flächen, die zwar geologisch Rohstoffe enthielten, für eine Gewinnung aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung stünden, etwa wegen der Eigentumsverhältnisse, konkurrierender Nutzungen, naturschutzrechtlicher Restriktionen, mangelnder Wirtschaftlichkeit oder unzureichender Rohstoffqualität.

Keine neuen Gewinnungsprojekte genehmigt

„Seit Jahren wird von Teilen der Politik und der Kiesgegnerschaft der Eindruck vermittelt, die Region verfüge noch über Rohstoffvorräte für mehrere Jahrzehnte“, so Kruchen. „Die jetzt vorliegenden Zahlen zeigen jedoch, dass die tatsächlich genehmigten und damit real verfügbaren Vorräte schon kurz vor Inkrafttreten des neuen Regionalplans nur noch wenige Jahre ausgereicht hätten. Genau auf diese Diskrepanz haben wir immer hingewiesen und sie ist tatsächlich noch größer, als wir befürchtet hatten.“

Besonders besorgniserregend sei aus Sicht der Initiative, dass diese Situation keine theoretische Zukunftsbetrachtung darstellt, heißt es weiter. Seitdem der Regionalplan rechtskräftig ist, seien nämlich nahezu keine neuen Gewinnungsprojekte genehmigt worden. Ein Erfolg der Klagen der Kommunen gegen den Regionalplan würde die eigentliche Herausforderung dementsprechend weiter verschärfen.