Sie sägen und schrauben, füllen Erde um und setzen bunte Pflanzen in die großen Kübel. Drumherum läuft der geschäftige Alltag: Menschen ziehen auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Innenstadt vorbei, oder sie gehen in den Supermarkt, das Bekleidungsgeschäft, den Imbiss. Zuvor aber schweift ihr Blick über die Arbeiten der Studierenden der Hochschule Niederrhein, die an diesem Tag neue Möbel für die Franz-Gielen-Straße zusammenbauen. „Tactical Urbanism“ (also „Taktischer Urbanismus“) heißt der Ansatz, mit dem eine erste Umgestaltung der unteren Hindenburgstraße durch die Initiative „Aktivator im Quartier“ realisiert wird.
Aufwertung der unteren Hindenburgstraße
„Wir haben zugehört, analysiert und verstanden, was die Menschen hier für ihre Straße wünschen. Jetzt ist die Zeit zum Handeln gekommen“, sagt Jakob Langen. Er ist der Vorsitzende von „Clean up MG“. Der gemeinnützige Verein hat vor 18 Monaten ein ambitioniertes Projekt begonnen, bei dem – in Zusammenarbeit mit der Hochschule und der Mags – die untere Hindenburgstraße aufgewertet werden soll.
Langen sieht den Abschnitt zwischen Zentralem Omnibusbahnhof (ZOB) und Bismarckstraße als „Eingangstor zur Innenstadt“ und „Visitenkarte der Stadt“. Er sei geprägt von kultureller Vielfalt, habe ein lebendiges gastronomisches Angebot und kaum Leerstand. Trotzdem sei die Wahrnehmung eher negativ. Das sollte sich ändern, so die Idee von „Aktivator im Quartier“. Kostenpflichtiger Inhalt In verschiedenen Beteiligungsformaten und beim gezielt gesuchten Austausch mit Anwohnern, Händlern und lokalen Akteuren haben „Clean up MG“ und die Studierenden herausgearbeitet, welche Bedürfnisse die Nachbarschaft hat – und welche Probleme bestehen.
Neue Möbel und eine weitere Mitmachaktion
Als erster Schritt sind jetzt modulare Palettenmöbel – darunter eine Sitzinsel mit Blumenkübeln und ein Blumenbeet mit Sitzmöglichkeit – entstanden. Dazu kommen Trennwände, Stühle, eine Art Riesen-Hängematte sowie Bodenbemalung. Die Möbel sind mobil. Heißt: „Alle können sich das so hinstellen, wie sie es möchten. Die Menschen haben also die Option, sich den Raum so zu gestalten, wie sie ihn haben wollen“, erklärt die Studentin Christina Mouwens, die gerade mit einer Stichsäge einen Ausschnitt für das Blumenbeet macht. „Wir zeigen, dass Veränderung schnell, kostengünstig und partizipativ möglich ist“, wird Nicolas Beucker, Professor für „Public and Social Design“ an der Hochschule Niederrhein, in einer Mitteilung zur Umgestaltung zitiert. Die findet noch bis Freitag, 12. Juni, täglich von 10 bis 19 Uhr statt. Interessierte sind eingeladen, sich an der Franz-Gielen-Straße zu informieren und aktiv mitzuwirken.
Für Freitag, 19. Juni, ist dann die nächste Mitmachaktion geplant. Ab 15 Uhr soll unter dem Motto „Buntes Quartier“ die untere Hindenburgstraße mit Begrünung und kreativer Gestaltung weiter aufgewertet werden. Anwohner, Händler und Nachbarn sind dabei – aber alle Bürger sind eingeladen, sich zu beteiligen.