Die Altbauwohnung von Marina Melentieva und ihrer Familie in Berlin ist voller Vintage-Möbel, Eigenentwürfe und spannender Materialien. Wir haben die Set-Designerin zu Hause besucht.

Marina Melentieva ist es gewohnt, in Räumen zu denken und ausschweifende bis reduzierte Szenografien zu erschaffen. Die studierte Bühnenbildnerin fragt sich dabei, welche Charaktereigenschaften die in Rollen schlüpfenden Darsteller:innen haben, was sie verkörpern, wie sie sich bewegen. Und wie gute Kulissen und Szenerien überhaupt entstehen. Als freischaffende Set-Designerin hat sie bereits Installationen, Showrooms und Ausstellungen, unter anderem für William Fan in Berlin oder Cor Studio in Paris gestaltet und Projekte von Zürich bis nach Los Angeles und Oslo betreut. Beim Renovieren, Gestalten und Einrichten ihrer eigenen Altbauwohnung, die kaum Eigenschaften des typischen Altbaus aufweist und in der sie seit rund einem Jahr nun mit ihrem Mann und Sohn Akira lebt, wechselte sie zeitweise die Rolle. Zwar blieb sie in jener der kreativen Set-Designerin, gleichzeitig füllte sie aber auch die der Hauptprotagonistin, der Bewohnerin, aus. Dabei begleitete sie stets die Begeisterung für Materialien, deren Funktion und Kontext Marina Melentieva gerne ändert, und das frisch entfachte Austarieren von Farben. Einige der Möbel sind Vintages oder gar selbst designt und produziert. Ein Gespräch über mutige, bewusste Gestaltungsentscheidungen, Design, das von Generation zu Generation wandert, und das Schicksal.

#thirtysomething in Berlin: Die Set-Designerin Marina Melentieva im AD-Interview

AD: Marina, du wohnst seit einigen Jahren mit deinem Mann in Berlin-Charlottenburg. Vor einem Jahr seid ihr in eine rund 85 Quadratmeter große Wohnung im selben Viertel gezogen. Wie kommt es, dass man sich mit Kind verkleinert statt vergrößert?

Marina Melentieva: Fast sieben Jahre haben wir eine rund 100 Quadratmeter große Maisonette-Wohnung auf zwei Stockwerken in Berlin-Charlottenburg bewohnt. Das waren zwei komplett offene Räume. Seit unserem Sohn Akira träumten wir davon, umzuziehen, da es kein Kinderzimmer gab und ich mehr von zu Hause arbeiten wollte. Die Verteilung der vielen kleinen, aneinandergereihten Zimmer der neuen Wohnung war für uns genial. Sie hatte alles, was wir brauchten. Dabei war es unser Wunsch, in Charlottenburg bleiben zu können – denn wir lieben unseren Kiez. Aber der Weg dahin hat gedauert, ich musste es erst schätzen lernen.

Wie ist das passiert, dieses Liebenlernen?

Ich habe mich weiterentwickelt, bin einfach auch erwachsener geworden, glaube ich. Mein Mann Dennis und ich machen oft Witze darüber, dass das hier „Berlin für Fortgeschrittene“ ist. Die meisten kennen Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln. Dennis ist in West-Berlin geboren und mochte es hier immer gerne. Wir haben viel gearbeitet und sind viel gereist, da ist dieses Viertel zu einem ruhigen, sicheren Hafen für uns geworden. Die neue Wohnung fand meine Mutter, als sie mit Akira einen Spaziergang machte, gerade einmal 100 Meter entfernt von unserem alten Zuhause.

Zufall oder doch eher Schicksal?

Die Wohnung ist im Erdgeschoss, das war anfangs ein echter Minuspunkt für mich – und auch ein lustiger Kontrast, da wir zuvor unter dem Dach wohnten. Nicht nur deshalb hatte ich Zweifel. Erst kürzlich habe ich meine Pro-und-Kontra-Liste wiedergefunden, die ich zu dem Zeitpunkt aufstellte. Bei den Gegenargumenten standen viele Ängste, die sich nie bewahrheiteten. Die Altbauerdgeschosswohnung hat nämlich auch einige Vorteile: Sie ist zum Beispiel im Winter warm, im Sommer kühl. Von anderen Nachbar:innen bekommen wir kaum etwas mit, so als würden wir ganz allein wohnen. Auf der Pro-Seite war ein Punkt tatsächlich: Schicksal. So hat es sich angefühlt. Auch wenn ich allgemein ein Mensch bin, der eine sehr genaue Vorstellung davon hat, was er will, glaube ich an einen solchen Moment, an eine Art positive Energie. Oder ist das vielleicht auch Glück?