Das Projekt NaiS (Nachhaltige intelligente Sanierungsmaßnahmen) von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) möchte die energetische Sanierung von Gebäuden grundlegend neu gestalten. Der Bedarf ist nach eigenen Angaben groß. Der Prototyp der Plattform wurde von den Forschenden am Donnerstag am KIT in Karlsruhe vorgestellt.

Plattform NaiS soll bei Entscheidungen helfen

Rund 75 Prozent der Gebäude in Deutschland sind laut Projektteam vor der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1977 gebaut worden und müssen potenziell saniert werden. Darunter fallen auch mehr als die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland. Die Vorschrift wurde damals nach der Ölkrise in den 1970er-Jahren wegen der steigenden Energiepreise eingeführt, um mit baulichen Maßnahmen den Energieverbrauch zu senken.

"Benzin ausverkauft" heißt es am 18.11.1973 an einer Tankstelle in Stuttgart. Viele Tankstellen in der Bundesrepublik mußten auf Grund von Benzinmangel am letzten so genannten Autofahrer-Sonntag schließen.


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Fr.24.11.2023
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Die Vorbereitung der Maßnahmen für eine Sanierung sei meistens aufwendig, so das Projektteam. Die vielen Informationen müssten erst händisch zusammengeführt und dann nach technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien bewertet werden. Die Plattform bündelt nach Angaben der Mitarbeiter des Projekts verschiedene digitale Dienste, die Daten aus Bildern, Grundrissen, Texten oder statistischen Gebäudeinformationen selbstständig auswerten und verknüpfen können.

Eine KI hilft laut den Forschenden dabei, fehlende Informationen zu ergänzen sowie übersichtlich und transparent für digitale Gebäudemodelle aufzubereiten. Die Ergebnisse werden in einem 3D-Modell dargestellt. Darüber hinaus gebe die Plattform Hinweise zu Fördermöglichkeiten, und das Sanierungspotenzial werde analysiert.

Man muss nicht blind vertrauen, sondern hat immer die Möglichkeit, als Mensch die letzte Kontrollinstanz zu sein.

Katharina Leopold vom Bauunternehmen Züblin, ein Partner des Projekts NaiS (Nachhaltige intelligente Sanierungsmaßnahmen) von Forschenden des KIT

Katharina Leopold vom Bauunternehmen Züblin, ein Partner des Projekts NaiS von Forschenden des KIT

Eine Hilfe bei der energetischen Sanierung für alle?

Die Plattform soll am Ende für die breite Masse zugänglich gemacht werden – von Kommunen über Immobilienunternehmer bis hin zum kleinen Eigenheimbesitzer. Gerhard Satzger, Chef der Forschungsgruppe „Digital Service Innovation“, sieht in der Plattform einen deutlichen Mehrwert, „weil wir es dadurch ermöglichen, dass große Gebäudebestände innerhalb kürzester Zeit evaluiert werden.“ Dadurch könne man sich auf die Gebäude konzentrieren, die energetisch das meiste Potenzial haben, sagt er.

Gerhard Satzger, der Chef der Forschungsgruppe "Digital Service Innovation"

Gerhard Satzger, der Chef der Forschungsgruppe „Digital Service Innovation“

Thomas Gillich kann sich vorstellen, dass die Plattform bei seiner Arbeit helfen wird. Er ist stellvertretender Amts- und Bereichsleiter des Energiemanagements der Stadt Karlsruhe. Durch die aktuelle Finanzkrise hat sein Bereich die Aufgabe, öffentliche Gebäude wie Schulen mit möglichst wenig Geld zu sanieren.

„Das Tool hat den großen Vorteil, dass ich eine sehr schnelle Analyse meines Bestandes vollziehen kann“, erklärt Thomas Gillich. „Das heißt, mit einem relativ geringen Aufwand kann ich Daten, die ich habe, bereitstellen.“ Zusätzlich bekomme er eine Analyse, die er sonst mit hohem Aufwand oder mit externen Partnern – und somit auch mit Kosten – realisieren müsste.

Thomas Gillich, stellvertretender Amts- und Bereichsleiter des Energiemanagements der Stadt Karlsruhe

Thomas Gillich, stellvertretender Amts- und Bereichsleiter des Energiemanagements der Stadt Karlsruhe

Wann wird die Plattform aus Karlsruhe außerhalb des KIT genutzt?

„Die spannende Frage ist, wie zuverlässig die Aussagen des Tools sind“, so Thomas Gillich. Um das zu testen, würde er gerne die Ergebnisse der Plattform mit den Echtdaten einer vorhandenen Planung vergleichen. Um dem Tool vertrauen zu können, möchte er „die Sicherheit haben, dass das Ergebnis hinreichend zuverlässig ist.“

In den Augen des Gründers und Geschäftsführers des Softwareunternehmens CAALA Philipp Hollberg geht die Plattform genau die Themen an, die heute noch eine Herausforderung seien. Viel zu viel Arbeitsaufwand werde noch benötigt, um alte Pläne und Dokumente zu digitalisieren. „Deshalb ist unsere Hoffnung, dass das zeitnah einen Effekt hat“, sagt Philipp Hollberg. „Es muss, sonst kommen wir bei dem ganzen Thema nicht schnell genug vorwärts.“ Die NaiS-Plattform soll in den nächsten Monaten in die Softwareumgebung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen integriert und zur Verfügung gestellt werden.

Philipp Hollberg, Gründer und Geschäftsführer des Softwareunternehmens CAALA

Philipp Hollberg, Gründer und Geschäftsführer des Softwareunternehmens CAALA

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