Die ehemalige Kreuzkirche der Diakonie in der Elberfelder Nordstadt ist die fünfte evangelische Kirche, die seit 2022 umgewidmet wurde. Nun hat der Stadtrat den Weg zur Umnutzung des ehemaligen Gotteshauses weiter geebnet. In seiner jüngsten Sitzung beschloss er die notwendige Bebauungsplanänderung. Jetzt kann das Gebäude auch als Büro- oder Bildungsstandort genutzt werden.

„Es werden in der nächsten Zeit noch weitere Kirchgebäude aufgegeben“, erklärt Sabine Damaschke, Sprecherin des evangelischen Kirchenkreises Wuppertal. „Wuppertal hat aufgrund seiner starken protestantischen Geschichte besonders viele evangelische Kirchen, und die Situation ist – wie in der gesamten evangelischen Kirche – aufgrund der Kirchenaustritte schwierig.“ Hinzu komme, dass viele Kirchen renovierungsbedürftig und im Unterhalt teuer seien. Welche Kirchen ebenfalls betroffen sind, werde beizeiten noch mitgeteilt. Zuerst sollten es immer die jeweiligen Gemeinden erfahren, so Damaschke.

„Der Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans hat nun auch Rechtskraft“, erklärt Marc Walter, Abteilungsleiter Bauleitplanung bei der Stadt. Meike Job von der Diakonie Wuppertal erklärt, dass die Kirche an die Firma Beck & Consorten verkauft wurde. „Das Unternehmen plant, das Gebäude umfassend zu sanieren und künftig unter anderem für Schulungs- und Veranstaltungszwecke zu nutzen. Es liegt ein detailliertes Konzept vor.“ Bei Beck & Consorten handelt es sich um eine Unternehmensberatung aus Wuppertal.

In das Gebäude sollen gläserne und klimatisierte Kuben eingebaut werden, die als Seminar-, Büro oder Sozialräume dienen. Joachim Beck, Geschäftsführer von Beck & Consorten, erklärt: „Mit dem Bauamt sind wir in einem guten Austausch und auch mit beiden Denkmalschutzbehörden haben Termine und weitere Abstimmungen stattgefunden.“ Der genauere Zeitplan befindet sich noch in der Abstimmung.

Soufian Goudi (SPD), Bezirksbürgermeister von Elberfeld, war bei der Informationsveranstaltung im Zuge der Bürgerbeteiligung zum Bebauungsplanverfahren dabei. „Ich habe die vorgestellten Pläne damals als sehr ambitioniert und zugleich durchdacht wahrgenommen. Insbesondere das Ziel, das denkmalgeschützte Gebäude langfristig zu erhalten und mit einer tragfähigen Nutzung zu verbinden, halte ich für den richtigen Weg.“ Deshalb habe er die Planungen von Beginn an positiv begleitet, sagt Goudi und betont: „Mein Eindruck war, dass viele Menschen aus dem Quartier die vorgestellten Ideen grundsätzlich unterstützt haben.“ Das sei nicht selbstverständlich, wenn es um ein so prägendes Gebäude für einen Stadtteil geht. „Grundsätzlich sehe ich in der Umnutzung vor allem die Chance, dieses für die Nordstadt bedeutende Gebäude dauerhaft zu erhalten. Die Kreuzkirche ist ein wichtiger Bestandteil des Stadtbildes und für viele Menschen ein identitätsstiftender Ort.“

Aktuell laufen laut Meike Job die Vorbereitungen für den Ausbau der historischen Glockenanlage. Diese sei nicht Bestandteil des Verkaufs gewesen und befinde sich weiterhin im Eigentum der Diakonie Wuppertal. „Die Glocken werden in Kürze an eine Kirchengemeinde in Österreich übergeben und finden dort ein neues Zuhause.“

Seit 2022 wurden fünf evangelische Kirchen entwidmet

Im Fall der zwischen 1847 und 1850 gebauten Kreuzkirche teilte die Diakonie bereits vor einigen Jahren mit, dass sich die Unterhaltskosten pro Jahr auf etwa 50 000 Euro belaufen. Eine Sanierung sei ohne Möglichkeiten der Refinanzierung wirtschaftlich nicht zu stemmen gewesen. Deshalb wurde die Kirche 2023 entwidmet und zum Verkauf freigegeben. Laut Sabine Damaschke sind seit 2022 fünf evangelische Kirchen entwidmet worden. Das sind die Kirche am Kolk der Gemeinde Elberfeld-Nord, die Heidter Kirche der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld, die Philippuskirche der Gemeinde Uellendahl-Ostersbaum, die Laaker Kirche der Gemeinde Beyenburg-Laaken und die Kreuzkirche der Diakonie. „Für die Christuskirche der Gemeinde Elberfeld-Südstadt sind der Verkauf und die Entwidmung geplant. Das wurde bereits offiziell bekannt gegeben“, so Damaschke.

Auf dem Gelände der Philippuskirche entsteht Wohnraum für Menschen mit Behinderung. „Die Laaker Kirche will der Käufer weiterhin für Veranstaltungen im Stadtteil nutzen und der Kindergarten in dem Gebäudeensemble kann dort auch weiterhin als Mieter bleiben“, so Damaschke weiter. Für die anderen Kirchgebäude finden noch Verhandlungen mit möglichen Käufern statt. In Wuppertal seien schon viele evangelische Kirchen aufgegeben worden. Die Paulus- und die Immanuelskirche etwa befinden sich in Trägerschaft eines Vereins und werden viel für Kulturveranstaltungen genutzt.

Die Kreuzkirche in Langerfeld ist in die Trägerschaft der Gesa übergegangen, die dort kostengünstige Wohnungen anbietet. „Und in der Trinitatiskirche in Elberfeld befindet sich eine Orgelwerkstatt. In der Wichlinghauser Kirche gibt es den Stadtteiltreff Wiki, der jetzt in Trägerschaft der Diakonie liegt“, so Damaschke.

Eine Entwidmung beziehungsweise eine sogenannte Profanierung, also Entweihung, ist bei den katholischen Kirchen deutlich seltener. Laut Stadtdechant und Pfarrer Bruno Kurth hat es in jüngster Vergangenheit eine Entweihung gegeben – und zwar die Kirche St. Petrus in Laaken. 2015 wurde damals der Antrag auf Profanierung beim Erzbistum gestellt. Darüber hinaus gebe es aktuell keine Pläne, eine katholische Kirche auf Wuppertaler Stadtgebiet zu schließen. „Aktuell ist keine der katholischen Kirchen gefährdet“, so Bruno Kurth.