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Berlin – Das West-Nil-Virus ist in Berlin angekommen. Bereits mehrere Menschen haben sich infiziert und sind zum Teil schwer erkrankt. Eine Studie der Charité zeigt jetzt, an welchen Orten in der Stadt das Infektionsrisiko am höchsten ist.

Das West-Nil-Virus ist ein in Deutschland neuer Erreger, der ursprünglich aus Afrika stammt. Seit Langem ist er auch in Süd- und Südosteuropa beheimatet. Im Jahr 2018 wurde das Virus erstmals in Berliner Vögeln und Pferden nachgewiesen. Es zirkuliert zwischen Mücken und Vögeln.

Durch einen Stich wird es von der Mücke auf den Menschen übertragen. Die erste Infektion eines Menschen in Berlin gab es 2019 (2020: 7 Fälle, 2021: 2, 2022: 5, 2023: 1). Im Jahr 2024 infizierten sich sieben Personen, fünf davon erkrankten schwer, ihr Nervensystem wurde befallen. 2025 infizierten sich fünf Personen. Für dieses Jahr ist bisher kein Fall bekannt.

Eine infizierte Stechmücke unter dem Mikroskop

Die Forscher testeten Stechmücken mittels PCR-Test auf das West-Nil-Virus

Foto: Charité

„Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, weil wir Infektionen mit dem West-Nil-Virus bisher nur durch die Standardtestung von Blutspenden diagnostizieren oder wenn schwere Fälle im Krankenhaus auf das Virus hin getestet werden“, sagt Studien-Wissenschaftler Dr. Victor Corman (41). „Die Zahl der Menschen mit West-Nil-Fieber in Berlin könnte um mindestens das 100-Fache höher liegen.“

Eine Infektion verläuft bei den meisten Menschen unbemerkt. Etwa ein Fünftel der Infizierten entwickelt das West-Nil-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen: Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Ausschlag und Abgeschlagenheit.

Bei etwa einem von 100 Infizierten befällt das Virus das Nervensystem. Bei dieser Form kann es zu einer Gehirnentzündung mit geistigen Veränderungen und Lähmungen kommen. Das Risiko steigt bei Menschen ab 65 Jahren oder Personen mit Vorerkrankungen. Betroffene müssen teils intensivmedizinisch behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung tödlich verlaufen. Etwa zehn Prozent der schwer erkrankten Patienten versterben. Eine Therapie gegen das Virus gibt es bislang nicht.

Was haben die Charité-Forscher untersucht?

Das Team hat 2023 und 2024 an fünf Standorten im Bezirk Schöneberg rund 24.000 Stechmücken eingefangen und auf das West-Nil-Virus hin untersucht.

Auch auf dem St. Marien-Friedhof, Nähe Alexanderplatz in Mitte, fingen die Wissenschaftler mit einer Falle Mücken ein – außerhalb der Studie. Und auch hier fanden sie infizierte Mücken

Auch auf dem St. Marien-Friedhof, Nähe Alexanderplatz in Mitte, fingen die Wissenschaftler mit einer Falle Mücken ein – außerhalb der Studie. Und auch hier fanden sie infizierte Mücken

Foto: Charité

Zwischen 0,6 und 6 Prozent der Stechmücken im Jahr 2023 haben das West-Nil-Virus in sich getragen. 2024 waren es zwischen 0,2 und 2 Prozent. „Wir waren überrascht, so hohe West-Nil-Virus-Infektionsraten in Stechmücken in Berlin zu finden“, sagt Studienleiterin Prof. Sandra Junglen (47). Die Infektionsraten seien vergleichbar mit denen in Südeuropa gewesen.

Genetische Untersuchungen der Viren zeigten, dass die Viren nicht von anderen Orten eingetragen wurden, sondern sich lokal vermehrt haben: zu einem Berliner West-Nil-Virus!

Die gefangenen Mücken wurden im Labor untersucht

Die gefangenen Mücken wurden im Labor untersucht

Foto: Charité | Mariia Streltsova

Besonders hohe Infektionsraten wiesen laut Forschungsteam die Mücken auf Friedhöfen und in einer Wohnsiedlung mit altem Baumbestand in der Nähe des S-Bahnhofs Priesterweg auf.

Im Natur-Park Südgelände wurden zwar die meisten Mücken gefangen, aber nur wenige waren mit dem West-Nil-Virus infiziert. Die Forscher zogen den Schluss: Wo es umweltbedingt besonders viele Vogelarten gibt, die das Virus übertragen, infizieren sich Mücken häufiger. Zu diesen Arten gehören Greifvögel, Krähen, Raben, Eichelhäher und Gänse. Dort ist auch für Menschen das Infektionsrisiko höher.

Prof. Sandra Junglen und Dr. Victor Corman vom Institut für Virologie

Prof. Sandra Junglen und Dr. Victor Corman vom Institut für Virologie

Foto: Charité | Mariia Streltsova

Die Ergebnisse seien auf das ganze Stadtgebiet übertragbar. Prof. Junglen rät: „Insbesondere Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Infektionsverlauf sollten sich vor Mückenstichen schützen.“ Mit geschlossener Kleidung und Mückenabwehrmitteln.