12. Juni 2026, 13:14 Uhr
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Jahrelang fischten bis zu 76 Schiffe ohne Genehmigung in einem der wichtigsten Meeresschutzgebiete der Nordsee mit Grundschleppnetzen. Ein niederländisches Gericht hat das jetzt für rechtswidrig erklärt – ein Präzedenzfall für ganz Europa.
Das Bezirksgericht Den Haag hat am 11. Mai 2026 entschieden: Niederländische Grundschleppnetz-Fischer:innen dürfen im Naturschutzgebiet Doggerbank künftig nicht mehr ohne Genehmigung und Umweltverträglichkeitsprüfung tätig sein. Bislang hatte eine nationale Ausnahmeregelung genau das erlaubt – das Gericht erklärte sie für unvereinbar mit EU-Naturschutzrecht.
Es sei das erste bekannte Urteil in Europa, in dem ein Gericht bestätigt, dass Regierungen rechtlich verpflichtet sind, die Auswirkungen der Grundschleppnetz-Fischerei auf Meeresschutzgebiete zu regulieren, berichtet Oceanograpic Magazine.
Geklagt hatten vier Umweltorganisationen: ClientEarth, Blue Marine Foundation, Stichting Doggerland und Stichting ARK. Sie hatten die niederländische Regierung im April 2024 aufgefordert, gegen die illegale Fischerei vorzugehen. Die Regierung lehnte zweimal ab, woraufhin die Organisationen vor Gericht zogen und nun Recht bekamen. Gegen das Urteil kann allerdings noch Berufung eingelegt werden.
Warum das Urteil so wichtig ist
Die Doggerbank ist eine rund 300 Kilometer lange Sandbank, etwa 275 Kilometer nördlich des niederländischen Festlandes. Sie ist außerdem das größte Schutzgebiet der Niederlande und eine der ökologisch bedeutendsten Meeresregionen der Nordsee. Das flache Sandbanksystem beherbergt Haie, Rochen, Schalentiere, Seeanemonen und Korallen.
Das niederländische Teil ist als Natura-2000-Gebiet geschützt und somit Teil eines europaweiten Schutzgebietnetzes. Doch der Schutz existierte bislang vor allem auf dem Papier. Laut Urteil befindet sich das Ökosystem der Doggerbank inzwischen in einem sehr ungünstigen Zustand mit weiter sinkender Tendenz. Eines der größten Probleme dabei ist die Grundschleppnetz-Fischerei.
Grundschleppnetze – schwere Netze, die über den Meeresboden gezogen werden – haben den Lebensraum Doggerbank über Jahrzehnte massiv geschädigt. Sie zerstören Bodenstrukturen, gefährden Tiere und beeinträchtigen die Fähigkeit des Meeresbodens, Kohlenstoff zu speichern.
Doch diese Art der Fischerei wird durch das Urteil eingeschränkt: Wer künftig in dem Schutzgebiet fischen will, muss eine Einzelgenehmigung beantragen und nachweisen, dass seine Aktivitäten dem Meeresökosystem keinen Schaden zufügen. Wem das nicht gelingt, verliert den Zugang zur Zone.
Signalwirkung für Europa
Das Urteil fällt in eine Zeit wachsenden juristischen Drucks auf die Grundschleppnetz-Fischerei in Schutzgebieten. Laut Oceanographic Magazine laufen in Frankreich, Spanien, Italien, Schweden und Deutschland derzeit ähnliche Verfahren, zusätzlich liegen zwei formelle Beschwerden bei der EU-Kommission vor.
John Condon, Anwalt bei ClientEarth, der den Fall geleitet hat, glaubt, dass die Entscheidung von Den Haag Einfluss auf diese und andere Gerichtsprozesse haben könnte. Laut Oceanographic Magazine sagte er: „Dies ist ein wegweisendes Urteil zum Schutz der Meere, das Wellen durch ganz Europa schlagen wird.“
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Verwendete Quellen: Rechtbank Den Haag – Urteil vom 11. Mai 2026, Oceanographic Magazine
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