
Dan Jarvis wird Großbritanniens neuer Verteidigungsminister.
Foto: afp/TOBY SHEPHEARD
Dan Jarvis hat einen martialischen Ruf. Das liegt einerseits daran, dass der neue britische Verteidigungsminister – anders als sein Vorgänger – tatsächlich ein Veteran der britischen Armee ist. Aber vor allem ist es ein Vorfall vor über zehn Jahren, der ihm eine gewisse Reputation eingebracht hat. Er sei in der U-Bahn in London gewesen, als ein Betrunkener auf ihn zugekommen sei und gesagt habe, er solle ihm seine Geldbörse aushändigen oder er werde ihm die Flasche über den Kopf hauen. »Das wird nicht passieren«, habe Jarvis gesagt und dem Mann fest in die Augen geschaut. Er habe das stille Duell gewonnen – und in Westminster gab man ihm den Spitznamen »stählerner Botschafter des Todes.« Das ist ziemlich lange her, aber vielleicht wird ihm dieser Ruf in seinem neuen Job helfen – denn dieser dürfte nicht ganz einfach sein.
Jarvis wurde 1972 in Nottingham in den englischen Midlands geboren. Nach Abschluss seines Politikstudiums in Wales trat er 1997 in die Armee ein, er wurde Fallschirmjäger. In den folgenden Jahren diente er im Kosovo, in Sierra Leone, im Irak und in Afghanistan. Er war zwar bereits mit 18 Jahren der Labour-Partei beigetreten, aber erst 2011 wurde er Berufspolitiker. In einer Ersatzwahl wurde er zum Parlamentsabgeordneten für Barnsley gewählt, seine Militärkarriere hatte er zu dem Zeitpunkt beendet.
Nach 2011 hatte er mehrere Posten im Labour-Schattenkabinett inne. 2018 wurde er dann zum Bürgermeister von Sheffield gewählt und blieb auf diesem Posten bis 2022. Nach dem Labour-Wahlsieg 2024 ernannte ihn Premierminister Keir Starmer zum Staatsminister für Sicherheit – und jetzt kommt die Beförderung zum Verteidigungsminister, einem der wichtigsten Posten im Kabinett.
Unter Politikexperten überwiegt die Einschätzung, dass sein neuer Job eigentlich unmöglich ist. Denn Jarvis muss eine Verteidigungsstrategie durchsetzen, die das britische Militär nicht will. Es geht vor allem um Geld: Der neue Investitionsplan für die britischen Streitkräfte sei ungenügend, sagen führende Vertreter des Militärs. Jarvis’ Vorgänger John Healey stimmt ihnen zu – genau das war der Grund für seinen überraschenden Rücktritt am Donnerstag.
Starmer hat sich verpflichtet, die Verteidigungsausgaben bis 2035 von derzeit 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 3,5 Prozent heraufzusetzen. Um das zu erreichen, sagt Healey, müsse der Anteil bis 2030 auf drei Prozent gewachsen sein – aber nach derzeitigen Plänen würde dieses Ziel weit verfehlt. Das bedeutet laut Healey, dass das »Land weniger sicher sein wird«.
In seinem Rücktrittsschreiben richtet Healey scharfe Worte an Starmer: »Sie waren unfähig und das Schatzamt unwillig, die Ressourcen bereitzustellen, die die Nation in dieser Zeit der wachsenden Bedrohungen braucht.« Mit dieser ziemlich heftigen Breitseite suggeriert Healey, dass Starmer die Autorität fehle, um seine Finanzministerin Rachel Reeves zur nötigen Ausgabenerhöhung zu bewegen. Auf jeden Fall ist der plötzliche Rücktritt ein weiterer schwerer Schlag für den Premierminister – daran wird auch die Berufung von Dan Jarvis wenig ändern.